2. Kammerkonzert

No More Heimat

Werke von Dvořák, Schulhoff, Tansman und Weinberg
Antonín Dvořák Terzetto C-Dur op. 74
Erwin Schulhoff Streichsextett op. 45
Alexandre Tansman Streichquartett Nr. 3
Mieczysław Weinberg Klaviertrio op. 24
Sinfonisch verarbeitete Volksmusik ebnete Antonín Dvořák den Weg zum Weltruhm, doch erst in der Neuen Welt wird ihm bewusst, was Heimat bedeutet. Er kehrt dahin zurück, wo er sich 1887 als aufstrebender Sinfoniker in der Dachkammer des Elternhauses von der Hausmusik des Untermieters ablenken ließ. Sein Terzett schrieb er, um mitspielen zu können. Erwin Schulhoffs Oeuvre wurde erst in den 80er Jahren wiederentdeckt. Das Prager Wunderkind wuchs zu einem der radikalsten Avantgardisten seiner Zeit heran: Dodekaphonie, Dada, Jazz – alles, was den traditionellen Rahmen sprengte, landete in seiner Musik. Mitten im Leben stand er, als er 1941 deportiert wurde und wenig später verstarb. Alexandre Tansman, wie Schulhoff Sohn jüdischer Eltern, traf ein ähnliches Schicksal, doch verließ er Polen bereits in den 20er Jahren. Nach der deutschen Besatzung gelang ihm die Flucht von Paris in die USA, wo er den Krieg überdauerte. Polen sah er nie wieder. Seine Heimat blieb ihm nur in Reminiszenzen polnischer Volkslieder in seiner Musik lebendig. Was der deutsche Überfall auf Polen 1939 bedeutete, war Mieczysław Weinberg, damals 20-jährig, sofort klar. Von Warschau floh er erst nach Minsk, dann nach Taschkent und schließlich nach Moskau. Spuren seiner jüdischen Herkunft tauchen immer wieder in seiner Musik auf, so auch im Klaviertrio, das 1945 zu Kriegsende entstand.
Jan 2021
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Mi
20
Liederhalle (Mozartsaal)
Besetzung