6. Kammerkonzert

Fight and Flight

Werke von Beethoven und Schubert
Ludwig van Beethoven Streichquintett op. 29
Franz Schubert Klaviertrio Es-Dur op. 100
Eigentlich war Ludwig van Beethoven der Ansicht, dass es in einem Streichquintett nichts gebe, das er nicht auch mit vier Stimmen sagen könne, daher fielen seine originären Beiträge zur Gattung gering aus, genau genommen: das Streichquintett op. 29 ist de facto sein einziger. Für den Beethoven-Bewunderer Schubert war es eine Offenbarung. Seine Antwort: sein eigenes Streichquintett in derselben Tonart C-Dur. Beethovens Streichquintett ist ungewöhnlich romantisch angelegt, momentweise meint man sogar Schubert vorauszuhören. Dabei fiel seine Entstehung 1801 noch in Beethovens Etablierungszeit in Wien. Mit Hang zum kämpferischen Idealismus stand er stark unter dem geistigen Eindruck der Französischen Revolution und Napoleon Bonapartes – ein Zahn, den ihm die Geschichte bald zog.
Idealismus ist in Franz Schuberts Klaviertrio Nr. 2 aus dem Winterreisejahr 1827 nur noch ein Singen in der Nacht. Was nach dem Wiener Kongress davon noch übrig war, eliminierte die Zensur der Metternichschen Restauration von der Bildfläche. Der Kampf um eine aufgeklärte Gesellschaft weicht der Flucht nach innen, in der Kunst werden gesellschaftliche Themen zum Schein in die private Gefühlswelt verlagert. So spricht aus Schuberts Resignation und Herzensschwere im Andante con moto auch ein Stück kollektives Gefühl dieser Zeit.
Das Konzert findet im Rahmen des Frühjahrsfestivals #3 – Wer ist Wir? vom 9. April bis 23. Mai 2021 statt.