Werther

von Jules Massenet
Lyrisches Drama in vier Akten und fünf Bildern
Libretto von Édouard Blau, Paul Milliet und Georges Hartmann nach dem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers von Johann Wolfgang von Goethe
in französischer Sprache
Nicht umsonst wird die Liebe ohne Rücksicht auf Verluste immer wieder zum Literaturtrend: Die Empfindung eines Einzelnen kann als radikale Unvernunft auch mal eine Intensität erreichen, die Systeme des friedlichen Zusammenlebens sprengt. Johann Wolfgang von Goethes Sturm und Drang-Klassiker Die Leiden des jungen Werthers von 1774 ist als teils autobiographisches, teils dem Suizid eines Bekannten nachempfundenes Selbstmordprotokoll bekannt. Goethe selbst zeigte sich lange beunruhigt von dem Werk, mit dem er sich von seiner unglücklichen Liebe zur verheirateten Charlotte Buff „geheilt“ hatte. Noch 1824 sagte er dazu: „Es sind lauter Brandraketen! – Es wird mir unheimlich dabei und ich fürchte, den pathologischen Zustand wieder durchzuempfinden aus dem es hervorging.“ Der Franzose Jules Massenet setzte in seiner Interpretation dieses Trendsettertexts einer ganzen europäischen Generation 1892 noch einen drauf: Mit überbordend emphatischer Musik zeichnet er Werther und Charlotte regelrecht als Emotions-Terrorist*innen. Regisseur Felix Rothenhäusler und sein Team haben Werther und Charlotte in eine Arena des Außer-sich-Geratens geworfen und stellen gleich noch die Frage mit, welche Intensitätserfahrung wir vom Theater wollen. Einen „Werther-Effekt“ – Suizide, die denjenigen einer fiktiven Figur nachahmen – hat die Oper als solche bisher (zum Glück!) nicht provoziert, obwohl der Ausnahmezustand ihr Kerngeschäft ist. Liebe allerdings, so die These, kann in radikaler Bejahung auch über Distanz Brand in das Gewohnte werfen.

Musikalische Leitung N.N.
Regie Felix Rothenhäusler
Bühne Katharina Pia Schütz
Kostüm Elke von Sivers
Licht Reinhard Traub
Kinderchor Bernhard Moncado
Dramaturgie Franz-Erdmann Meyer-Herder

Werther Matthew Polenzani
Albert Paweł Konik
Der Amtmann Shigeo Ishino
Charlotte Rachael Wilson
Sophie Aoife Gibney
Solisten des Kinderchors der Staatsoper Stuttgart, Musiker*innen des Staatsorchesters Stuttgart
Ort
Opernhaus
Uraufführung
1892 in Wien
Altersempfehlung
ab Klasse 8
Nov 2020
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

So
15
18:00
Opernhaus
Vorstellung entfällt
Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Fr
20
19:00
Opernhaus
Vorstellung entfällt
Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

So
22
19:00
Opernhaus
Vorstellung entfällt
Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

So
29
18:00
Opernhaus
Vorstellung entfällt
Besetzung
Dez 2020
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Mi
16
19:00
Opernhaus
Vorstellung entfällt
Besetzung
Das Stück in Kürze
Werther liebt Charlotte, doch die hat ihrer verstorbenen Mutter geschworen, Albert zu heiraten – heute in den meisten Fällen kein Hinderungsgrund bzw. lediglich Anlass für eine Affäre oder Aufkündigung des Verlöbnisses. In Literatur und Oper hält dies Werther jedoch weiterhin nicht davon ab, sich mit Leib und Seele bis zur Selbstzerstörung in diese (vordergründig) einseitige amour fou zu stürzen, obwohl Charlotte Albert heiratet. Bis zum Ende treibt Werther die Hoffnung an, dass aus ihm und Charlotte noch etwas werden könnte. Als ihm aber dämmert, dass es aussichtslos ist, tötet er sich selbst – Charlottes Liebesgeständnis wird erst möglich, als Werther schon halb aus der Welt ist.
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Preview: Werther