2. Sinfoniekonzert II

Cornelius Meister

Schumann-Zyklus Teil II
Robert Schumann Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38
John Cage Quartets for 93 Players: Nr. VI & VII
Robert Schumann Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120

Gesundheitlich in einer tiefen Krise greift Robert Schumann 1845 zur Wundermedizin: Um seine Depression zu heilen, wolle er Bach studieren und diese Sinfonie schreiben – gemeint ist die Sinfonie in C-Dur op. 61 - offiziell seine zweite, chronologisch seine dritte. Sie erzählt in jedem Moment vom Kampf der zwei Stimmen in seinem Inneren, denen er selbst Namen gibt: Eusebius und Florestan. Halt in der Zerrissenheit bietet ihm nur jener Komponist, der das Fundament der neuzeitlich westlichen Musiktradition gegossen hat und dessen Bedeutung der Avantgardist Mauricio Kagel mit dem Diktum erfasste, nicht jeder Komponist glaube an Gott, aber alle glauben an Bach.
Eine dagegen vor Lebenslust überschäumende Sinfonie in Es-Dur entsteht 1850, als Schumann nach Düsseldorf zieht, um die Stelle des Städtischen Musikdirektors anzutreten. Zu diesem Ausbund an Euphorie, der den Beinamen „Rheinische“ erhält, habe ihn der Anblick des Kölner Doms inspiriert.
Weiter zurück als J. S. Bach blickt der große Innovator John Cage in seinen Quartets I-VIII für 93-köpfiges Orchester. Für Cage kein Widerspruch: Immer nur vier Musiker*innen spielen gleichzeitig, doch in einer sich laufend wandelnden Besetzung. Wie bei der mittelalterlichen Hoketus-Technik sollen die amerikanischen Choräle, die Cage in kleinsten Melodiefragmenten über 93 Stimmen verteilt, zu einem melodischen Fluss zusammenwachsen. Hier hilft nur das Ohr. Und im Hören liegt für Cage bekanntlich der Sinn aller Musik.
Ungetrübt ist der Himmel 1841 über Schumanns 1. Sinfonie B-Dur, die am Zenit seiner Schaffenskraft in einem Frühlingstaumel entsteht – obwohl es erst Januar ist: „Ich schrieb die Sinfonie, wenn ich sagen darf, in jenem Frühlingsdrange, der den Menschen wohl bis in das höchste Alter hinreißt und in jedem Jahr von neuem überfällt.“ Im selben produktiven Jahr schenkt Schumann seiner Frau Clara zum Geburtstag eine sinfonische Fantasie in d-Moll. Später überarbeitet er das radikale Konzept, macht vier thematisch verbundene Sätze daraus und reiht sie als Schlussstein in seinen sinfonischen Zyklus’ ein.


Zum Schumann-Zyklus Teil I am 17.11.2019 >
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Teil des Orchesters
Nach der jeweils ersten Schumann-Sinfonie auf dem Programm werden einzelne Personen aus dem Publikum sich auf die Bühne begeben, um gemeinsam mit dem Staatsorchester die Quartets for 93 Players von John Cage aufzuführen.


Nov 2019
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Mo
18
19:30
Besetzung