Mefistofele

von Arrigo Boito
Oper in einem Prolog, vier Akten und einem Epilog
Libretto vom Komponisten nach Johann Wolfgang
von Goethes Faust I und II
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Im Anfang war die Wette. Und die Wette wurde zum Pakt. Und der Wetteinsatz war Faust. Oder, wie Àlex Ollé es formuliert: „In dem Spiel zwischen Gott und dem Teufel nimmt Faust den Platz der Würfel ein, die über den grünen Filz kullern.“ Um was spielen Gott und Teufel? Was verlangt Faust von Mefistofele bzw. was verlangt Mefistofele von ihm? Wann ist der Pakt gelöst, die Wette verloren? „Arrestati, sei bello!“ – Zeit, halte an! Bleib stehen, Moment. Und werde Dauer. Aber es ist nicht die Ekstase, die Boitos Faust sucht, sondern ein Moment der Ruhe, ein Augenblick der Stille, Erholung für die Seele und das Verstummen der vielstimmigen Gedanken. Faust spricht diese Worte eben nicht im Augenblick des Rausches, sondern angesichts der himmlischen Heerscharen, die ihm seinen Tod anzeigen. Die Flucht nach vorn, ein Stoßgebet, der Himmel hat ihn wieder. Mit welcher  Geschwindigkeit ändert sich die Gegenwart? Der Jenaer Soziologe Hartmut Rosa konstatiert, dass „die Zeitknappheit als Lebensgefühl“ ein durch und durch modernes Phänomen sei, „ein Rätsel, über das wir uns viel zu wenig wundern.“ Also ist dieser Faust Figur der Stunde. Schon wieder und immer noch – die Zukunft könnte von hinten kommen.
Koproduktion mit der Opéra de Lyon
Ort
Opernhaus
Dauer
I. +II. Akt: ca. 1 Std. 25 Min.
Pause: ca. 30 Min.
III.+IV. Akt: ca. 50 Min.
Uraufführung der Zweitfassung 1875 in Bologna

Premiere dieser Produktion
16. Juni 2019

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass in dieser Produktion stroboskopartige Lichteffekte zum Einsatz kommen. Bitte beachten Sie dies insbesondere dann, wenn sie sensitiv auf Lichteffekte jeglicher Art reagieren.
Altersempfehlung
ab Klasse 9
Apr 2020
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Besetzung
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Besetzung
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Besetzung
Handlung
Prolog im Himmel
Die himmlischen Heerscharen preisen Gott und provozieren damit den Spott des Teufels Mephistopheles. Da die Vernunftanmaßung des Menschen nun schon zu weit gewachsen sei, mache ihm nicht einmal die Verführung zum Bösen mehr Spaß. Auf Nachfrage, ob er den Doktor Faust kenne, lässt sich Mephistopheles auf eine Wette ein: Er wolle versuchen, dem asketisch lebenden, strebsamen Gelehrten neue Illusionen einzuflößen und ihn vom Laster kosten zu lassen.

Erster Akt
Ostersonntag
Das Leben steht in neuer Blüte – vor der Stadt vergnügen sich lebenshungrige Volksmassen, junge Männer laufen Mädchen nach. Alleine Faust ist müde und hat an dieser Freude keinen Anteil. Er zieht sich mit seinem Adlatus Wagner zurück, sie reden über das Kommen und Gehen des Lebens im Frühling. Faust bemerkt eine umherschweifende düstere Gestalt, die ihn mit Grauen erfüllt. Wagner redet ihm seine Furcht aus.

Der Pakt
Faust entdeckt im Frieden der Einsamkeit, dass die Gestalt ihn in seine Studierstube verfolgt hat. Nach seiner Identität befragt, gibt der Fremde sich als des Schönen der Schöpfung überdrüssig zu erkennen – es ist Mephistopheles, der nichts als Zerstörung im Sinn hat. Er bietet sich Faust als Diener an. Da ihn ein Leben nach dem Tod wenig kümmert, setzt Faust die höchste Voraussetzung an: Sollte es Mephistopheles gelingen, ihm einen Augenblick der Lust zu verschaffen, so wolle er sein Diener werden. Der Pakt ist geschlossen. Mephistopheles und Faust brechen mit wüsten Orgien im Sinn in die Welt auf.

Zweiter Akt
Im Garten
Faust, zu neuer Jugend erwacht, und Mephistopheles spazieren mit Margarete und ihrer Nachbarin Marthe im Garten. Faust umwirbt heftig verliebt die schüchterne und unerfahrene Margarete während Mephistopheles nur halbherzig mit der offensiven Marthe flirtet. Margarete lässt sich von Faust verführen, ihre Mutter mittels eines Schlaftrunks zu betäuben, damit die beiden sich in der Nacht ungestört treffen können.

Walpurgisnacht
Faust hat Margarete verlassen. Mephistopheles feiert sich im Kreise des Auswurfs der göttlichen Schöpfung beim Hexensabbat auf dem Brocken als Herrscher der Welt. Faust, inmitten der Menge orgiastisch tanzender Hexen, meint in einer Gestalt in der Ferne Margarete zu erkennen. Sie ist leichenblass und trägt eine rote Schnur um den Hals. Mephistopheles zerstreut Fausts Sorgen, der Reigen um sie wird immer ekstatischer.

PAUSE
Dritter Akt
Margaretes Tod
Im Kerker erwartet Margarete ihren Henker – um Fausts Lust gerecht zu werden, hat sie unwissend ihre Mutter mit dem Schlaftrunk vergiftet und aus Verzweiflung das Kind, das sie von Faust bekommen hat, ertränkt. Faust kommt in Mephistopheles’ Begleitung, um sie zu retten. Ihre Taten holen Margarete immer wieder ein und treiben sie fast in den Wahnsinn. Sie weigert sich, mit den beiden zu gehen. Erst als Faust ihr von einem Traum berichtet, in dem er mit ihr auf einer weit entlegenen Insel lebt, ist sie bereit zur Flucht. Als sie jedoch in Mephistopheles’ Gestalt das Unmenschliche erkennt, schreckt sie zurück und entscheidet sich für den Tod. Faust kann sie nicht mehr retten, doch die himmlischen Heerscharen verkündigen Margaretes Erlösung.

Vierter Akt
Klassische Walpurgisnacht
Faust strebt nun nach den großen Dingen und findet sich in der Traumwelt Arkadiens wieder. Mephistopheles fühlt sich in dieser ungebrochen liebreizenden Atmosphäre sichtlich unwohl. Hier begegnet Faust der legendären Helena von Troja, dem antiken Ideal von Schönheit und Anmut, die sich ihm bereitwillig hingibt. Mit ihr, glaubt er, entdeckt er das Geheimnis der Liebe und der Ewigkeit.

Epilog
Fausts Tod
Faust ist zurück in seiner Studierstube und sieht das Lebensende nahen. Ein Augenblick, der ihm Lust und Seelenfrieden verschafft und den er zur Ewigkeit hätte werden lassen wollen, sei ihm bisher verwehrt geblieben – in der Begegnung mit Margarete hätte sich ihm nur das Leid der irdischen Liebe offenbart, die unerreichbare unveränderliche Schönheit Helenas nur die Lächerlichkeit seines Strebens vor Augen geführt. Unter dem Einfluss der himmlischen Heerscharen, die ihm seinen Tod anzeigen, eröffnet sich Faust eine neue Vision als Herrscher einer befreiten Welt. Er spricht die erlösenden Worte: „Augenblick, verweile doch, du bist so schön!“. Mephistopheles, der Herrscher des Nichts, sieht sich um Fausts Seele betrogen.