Quälend süße Einsamkeit

Sechs Filme und Musik über Gefühle im Ausnahmezustand

Als 1630 trotz strenger Quarantäneregeln und hygienischer Vorkehrungen eine letzte Welle der Pest über die florierende Handelsstadt Venedig hereinbrach, begann sich gerade eine neue Kunstform zu etablieren: die Oper. Entstanden war sie keineswegs aus dem Nichts. Schon frühere Formen weltlicher Vokalmusik setzten das Drama menschlicher Gefühle musikalisch in Szene, vor allem das Madrigal – ein mal elegischer, mal leidenschaftlicher Gesang mit schlichter Begleitung, bei dem die Spiegelung innerster Zustände nach außen künstlerisches Prinzip war; gesungene Gedichte über Einsamkeit, Liebesleid und die Sehnsucht nach dem Einklang mit der Natur. Einer ihrer prominentesten Komponisten, Claudio Monteverdi, verlor an den Auswirkungen durch die Seuche seiner Zeit übrigens einen seiner Söhne. Die Staatsoper hat sechs Videokünstler*innen eingeladen, diese vierhundert Jahre alten Seelenminiaturen von Komponisten wie Monteverdi, Tarquino Merula und Carlo Milanuzzi mit Sänger*innen des Ensembles und – derzeit arbeitslosen – Barockspezialisten filmisch neu zu deuten. Ihre Drehorte sind abrupt verwaiste, scheinbar erstarrte Orte von Gemeinschaft und Öffentlichkeit in und um Stuttgart: der Flughafen, die Staatsgalerie, nächtliche Straßen, das leere Opernhaus. Entstanden sind filmisch-musikalische Momentaufnahmen des Ausnahmezustands, die hoffentlich schon bald vor allem Erinnerungen für die Zukunft sind: Si dolce è ’l tormento – so süß kann Leiden sein…

Programm (im Film)

I Claudio Monteverdi Quel sguardo sdegnosetto, 1632 aus Scherzi musicali Claudio Monteverdi Interotte speranze, 1619 aus dem 7. Madrigalbuch Concerto: settimo libro de madrigali

II Carlo Milanuzzi Si dolce è l’tormento, 1624 aus Vierter Scherz der gesungenen Schönheiten (Quarto scherzo delle ariose vaghezze) und Claudio Monteverdi Ohimè dov’è il mio ben, 1619 aus dem 7. Madrigalbuch Concerto: settimolibro de madrigali

III Tarquino Merula Folle è ben che si crede, 1638 aus Curtio precipitato et altri capricii, libro secondo

IV Claudio Monteverdi Lamento della Ninfa, 1638 aus dem 8. Madrigalbuch Madrigali guerrieri et amorosi

V Tarquino Merula Hor ch’è tempo di dormire, 1621 aus Curtio precipitato et altri capricii, libro secondo

Ort
Opernhaus
Premiere
7. Dezember 2020

Dez 2020
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Mo
7
Opernhaus
8-65 € / A
Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Di
8
Opernhaus
8-65 € / A
Besetzung
Musikalische Leitung Stefano Montanari
Sopran Laia Vallés Montojo
Tenor Elmar Gilbertsson
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Mi
9
Opernhaus
8-65 € / A
Besetzung