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27.02.2026 Adam Palka über sein erstes Liedkonzert
Adam Palka über sein erstes Liedkonzert
Am 2. März 2026 gibt Adam Palka sein erstes Liedkonzert als Ensemblemitglied der Staatsoper Stuttgart. Als Programm hat er bewusst Stücke gewählt, die in Deutschland nicht so häufig zur Aufführung kommen, um sie nun dem Stuttgarter Publikum näher zu bringen. Im Interview verrät er mehr zu seinem Repertoire, was ihn persönlich damit verbindet und was den Unterschied zwischen Lied- und Operngesang ausmacht.
Seit der Spielzeit 2013/14 sind Sie Ensemblemitglied der Staatsoper Stuttgart. Auf der Opernbühne konnte man Sie bisher in Rollen wie Leporello in Don Giovanni, Fafner in Das Rheingold, Escamillo in Carmen und Philipp II. in Don Carlos. Heute präsentieren Sie dem Publikum ein Liedkonzert. Wie ist das Programm dafür entstanden?
Da es mein erstes Liedkonzert an der Staatsoper Stuttgart ist, seitdem ich hier im Ensemble bin, wollte ich dem Publikum gerne ein Repertoire präsentieren, das in Deutschland nicht so bekannt ist und das das Publikum vielleicht noch nie gehört hat. In Liedkonzerten stehen häufig Werke von Franz Schubert, Robert Schumann und Hugo Wolf auf dem Programm, ich wollte aber sehr gerne etwas ganz anderes singen. Die Lieder des russischen Komponisten Dmitri Kabalevsky zu Sonetten von William Shakespeare zu Beginn des Programms habe ich zum ersten Mal auf einer Schallplatte gehört, die mir mein damaliger Professor an der Musikakademie in Danzig gegeben hat. Ich mag die Musik von Kabalevsky sehr und auch die Sonette von William Shakespeare sind großartig. Da ich aus Polen komme, wollte ich sehr gerne auch etwas auf Polnisch singen. Und da wir schon mit Kabalevsky Shakespeare-Sonette im Programm haben, waren die Vertonungen von vier Liebessonette von Shakespeare des polnischen Komponisten Tadeusz Baird naheliegend. Seine Lieder sind in Polen sehr bekannt. In der zweiten Hälfte des Programms singe ich dann einige Opernarien. Auch da habe ich ein Repertoire gewählt, das in Deutschland nicht so häufig auf der Bühne zu sehen ist und sich zu entdecken lohnt.
Worum geht es in den Sonetten von William Shakespeare?
Jedes der Sonette steht für sich selbst. Sie erzählen keine zusammenhängende Geschichte. Im Zentrum steht die Liebe, aber aus einem jeweils anderen Blickwinkel. Es geht nicht um eine junge Liebe, um erste Gefühle des Verliebtseins, sondern um Gefühle wie Trauer, Vergänglichkeit, Sehnsucht und auch die Angst, die Liebe zu verlieren. Letzteres ist sowohl in den Liedern Kabalevskys als auch denjenigen Bairds deutlich zu spüren. Diesen Aspekt finde ich auch musikalisch sehr interessant.
In diesem Konzertprogramm singen Sie sowohl auf Russisch als auch auf Polnisch. Worin liegt dabei der Unterschied für Sie?
Auf Polnisch zu singen, ist für mich als Muttersprachler viel einfacher. Da verstehe ich jedes einzelne Wort. Auf Russisch verstehe ich zwar nicht alles, da es aber auch eine slawische Sprache ist, ist sie meiner Muttersprache sehr nahe. Die russischen Lieder sind keine Wort-für-Wort-Übersetzungen von Shakespeares Sonetten. Diese habe ich für mich zunächst ins Polnische übersetzen müssen. Dabei waren mir auch einige Kolleg*innen sehr hilfreich.
Auf die Lieder von Tadeusz Baird folgt mit Stanisław Moniuszko ein weiterer polnischer Komponist. Wie ist es zu dieser Wahl gekommen?
Die Oper Straszny dwór ist die bekannteste Oper in Polen. Es geht um die Geschichte zweier junger, adeliger Brüder, Stefan und Zbigniew, die sich bei ihrer Rückkehr aus dem Krieg geschworen haben, nie zu heiraten, um ihr Land weiterhin verteidigen zu können. Als sie den Töchtern des Marschalls Kalinowa in seinem vermeintlichen Geisterschloss begegnen, verlieben sie sich jedoch sofort. Die jungen Männer glauben nicht an die Spukgeschichten, die mit dem Haus in Verbindung gebracht werden. Der Bedienstete Skołuba erzählt in seiner komödiantischen Arie, die ich in diesem Konzert singe, von seltsamen Erscheinungen, die im Haus des Marschalls auf Fremde warten. Im treuen Diener der Brüder, Maciej, wecken die Beschreibungen Skołubas die Angst, die Brüder bleiben jedoch tapfer. Am Ende der Oper werden die falschen Geschichten aufgedeckt und die beiden Brüder heiraten die Töchter des Marschalls. Für Polen hat diese Oper eine ganz besondere Bedeutung. Sie ist unsere Nationaloper. Im Kern dieser Oper geht es darum, was es bedeutet, ein guter polnischer Bürger zu sein: tapfer, mutig, tugendhaft. Die Entstehung ist eng mit der polnischen Geschichte verknüpft. Über 123 Jahre existierte Polen nicht auf der europäischen Landkarte. Das Land war im Verlauf der Geschichte Teil von Preußen, Österreich und Russland. Mit Straszny dwór hat Stanisław Moniuszko eine erste patriotische Oper geschaffen.
Welche Idee steckt hinter der Wahl der weiteren Opernarien?
Auch hier habe ich versucht, eher unbekanntere Bass-Arien auf das Programm zu setzen. Die Musik des brasilianischen Komponisten Antônio Carlos Gomes, geboren 1836, ist wunderschön. Sie scheint mir stilistisch zwischen Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini zu stehen. Wenn man an die Opern von Pjotr I. Tschaikowsky denkt, dann werden vor allem Eugen Onegin und Pique Dame gespielt. Iolanta steht selten auf den Spielplanen, ist aber ebenfalls ein großartiges Werk.
Worin unterscheidet sich für Sie der Liedgesang vom Operngesang?
In der Oper bin ich nur ein kleiner Teil eines größeren Ganzen. Wenn man Lieder singt, dann kreiert man alles nur zu zweit, zusammen mit dem*der Pianist*in. Die Verantwortung ist dabei viel größer. Es gibt keine Kostüme, nur den Text und die Musik. Lieder kann man nicht so singen wie eine Opernfigur. Man muss mit der Stimme eine intimere Klangsprache finden und eine andere Herangehensweise an den Text und die Musik. Da das Publikum viel näher ist als bei einer Aufführung im Opernhaus, kann ich mit meiner Stimme ganz andere Klangfarben einsetzen. Für mich ist der Unterschied zwischen Oper und Lied wie das Spielen im Theater und im Film. Beim Film ist das Publikum durch die Kameraführung ganz nah an den Darsteller*innen dran, sodass man eine andere Art finden muss, um Geschichten glaubhaft zu vermitteln.
In welchen Rollen wird Sie das Publikum in dieser Spielzeit erleben können?
Als Sarastro und Sprecher in der Zauberflöte, als Komtur in Don Giovanni und als Graf Rodolfo in La Sonnambula. Ganz besonders freue ich mich auch auf die Neuproduktion von Giacomo PuccinisTurandot, ab dem 7. Juni 2026. Auch wenn ich als Timur ab dem 2. Akt nicht viel zu singen habe, genieße ich es, bei dieser Oper mit auf der Bühne zu stehen und diese wunderbare Musik erleben zu können.
Foto: Matthias Baus
Mär 2026