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12.02.2026 Auf den Vogel gekommen
Auf den Vogel gekommen
In Elisabeth Stöpplers Neuinszenierung von „Die Meistersinger von Nürnberg“ tauchen überdimensionale Vogelköpfe im Kostümbild auf – zunächst detailgetreu und farbenfroh, später bedrohlich in rot, schwarz und weiß gehalten. Sie wurden in unseren Werkstätten über Monate hinweg in liebevoller Handarbeit herstellt und individuell für die Darsteller*innen angepasst. Doch wieso ausgerechnet Vogelköpfe? Und wie singt es sich eigentlich mit solch einem großen Kopfschmuck? Kostümbildnerin Gesine Völlm und einer der Meistersinger Heinz Göhrig nehmen uns mit in den Entstehungs- und Probenprozess.
Elisabeth Stöpplers Meistersinger-Inszenierung spielt zunächst im Zeitlosen: Es scheint, als seien wir im 20. Jahrhundert – doch so richtig greifbar ist diese Welt zwischen Baustelle und Autorenseminar nicht. Und dann tauchen da urplötzlich auch noch Vögel auf – und die Welt kippt endgültig ins Surreale.
Doch warum ist das so? Zum ersten Mal tauchen die Vögel auf, wenn Walther von Stolzing am Ende des ersten Aufzugs die Eulen, Raben, Elstern, Krähen und Dohlen besingt – als Metapher für die ihm gegenüber kritisch eingestellten Meister. Und natürlich: Vögel singen auch, das scheint recht offensichtlich. Dass schließlich auch einige der Meister selbst einen Vogel in ihrem Nachnamen tragen, unterstreicht den Zusammenhang mit der Sängerzunft noch zusätzlich.
Kostümbildnerin Gesine Völlm: „Jedem Meister der Sängerzunft ist ein Vogel zugeordnet, dessen Farben sich auch in seinem ursprünglichen Kostüm spiegeln: Der Uhu dem Sachs, der Rabe dem Beckmesser, die Taube dem Pogner, die Goldammer dem Foltz, ein Distelfink dem Zorn, Vogelgesang dem Rotkehlchen, Eisslinger der Blaumeise, Ortel dem Dompfaff, Moser dem Wiedehopf, Schwarz der Amsel und Kothner dem Specht, der Star dem Meister Nachtigall.“
Doch wird diese Analogie noch weitergetrieben: Wenn Hans Sachs am Ende des dritten Akts wortgewaltig die Überlegenheit der „heil’gen deutschen Kunst“ beschwört, wird ein Reichsadler sichtbar. Er und die Meister verfallen in Demagogie – haben sie etwa „einen Vogel“?
Und auch die Johannisnacht als Vorabend für den Sängerwettbewerb ist sehr bewusst gewählt als jene mystische Nacht im Mittsommer, in der Grenzen verschwimmen und sich der Raum für das Surreale öffnet. Im Fall der Meistersinger ist es die Verwandlung vom Menschen in ein Tier. Anklänge an Shakespeares Sommernachtstraum sind da zu hören, in dem der Kopf des Webers Nick Bottom in der Mittsommernacht in den eines Esels verwandelt wird.
Dem Albtraumbild der Bedrohlichkeit von Sachsens Demagogie im dritten Akt – gespiegelt durch dessen schreiend roten Mantel und die schrillen Vogelmasken der Meister in den Farben der deutschen Reichsfahne – stellt Gesine Völlm die naturgetreuen Vogelköpfe entgegen, die im ersten Akt von Kinderstatisterie als Pendant zu jeweils einem der Meister getragen werden.
„Die bunten Singvögel folgen im ersten Teil des Abends noch als kindliche Gestalten dem „Nachtwächter“ – einer Figur, die den Stadtfrieden wahrt und vor Feuer und Gefahr warnt. Ein seelischer Aspekt als Behüter der kindlichen Anteile von Sachs, der zunächst das Gute, Wahre und Schöne für sein Völkchen möchte“, erklärt Gesine Völlm.
Und doch sind auch diese wunderschön gearbeiteten, freundlichen Vogelmasken schon ein Vorbote der noch folgenden bedrohlichen Entwicklung…
Doch warum ist das so? Zum ersten Mal tauchen die Vögel auf, wenn Walther von Stolzing am Ende des ersten Aufzugs die Eulen, Raben, Elstern, Krähen und Dohlen besingt – als Metapher für die ihm gegenüber kritisch eingestellten Meister. Und natürlich: Vögel singen auch, das scheint recht offensichtlich. Dass schließlich auch einige der Meister selbst einen Vogel in ihrem Nachnamen tragen, unterstreicht den Zusammenhang mit der Sängerzunft noch zusätzlich.
Kostümbildnerin Gesine Völlm: „Jedem Meister der Sängerzunft ist ein Vogel zugeordnet, dessen Farben sich auch in seinem ursprünglichen Kostüm spiegeln: Der Uhu dem Sachs, der Rabe dem Beckmesser, die Taube dem Pogner, die Goldammer dem Foltz, ein Distelfink dem Zorn, Vogelgesang dem Rotkehlchen, Eisslinger der Blaumeise, Ortel dem Dompfaff, Moser dem Wiedehopf, Schwarz der Amsel und Kothner dem Specht, der Star dem Meister Nachtigall.“
Doch wird diese Analogie noch weitergetrieben: Wenn Hans Sachs am Ende des dritten Akts wortgewaltig die Überlegenheit der „heil’gen deutschen Kunst“ beschwört, wird ein Reichsadler sichtbar. Er und die Meister verfallen in Demagogie – haben sie etwa „einen Vogel“?
Und auch die Johannisnacht als Vorabend für den Sängerwettbewerb ist sehr bewusst gewählt als jene mystische Nacht im Mittsommer, in der Grenzen verschwimmen und sich der Raum für das Surreale öffnet. Im Fall der Meistersinger ist es die Verwandlung vom Menschen in ein Tier. Anklänge an Shakespeares Sommernachtstraum sind da zu hören, in dem der Kopf des Webers Nick Bottom in der Mittsommernacht in den eines Esels verwandelt wird.
Dem Albtraumbild der Bedrohlichkeit von Sachsens Demagogie im dritten Akt – gespiegelt durch dessen schreiend roten Mantel und die schrillen Vogelmasken der Meister in den Farben der deutschen Reichsfahne – stellt Gesine Völlm die naturgetreuen Vogelköpfe entgegen, die im ersten Akt von Kinderstatisterie als Pendant zu jeweils einem der Meister getragen werden.
„Die bunten Singvögel folgen im ersten Teil des Abends noch als kindliche Gestalten dem „Nachtwächter“ – einer Figur, die den Stadtfrieden wahrt und vor Feuer und Gefahr warnt. Ein seelischer Aspekt als Behüter der kindlichen Anteile von Sachs, der zunächst das Gute, Wahre und Schöne für sein Völkchen möchte“, erklärt Gesine Völlm.
Und doch sind auch diese wunderschön gearbeiteten, freundlichen Vogelmasken schon ein Vorbote der noch folgenden bedrohlichen Entwicklung…
Welche Herausforderungen die Vogelmasken für die Künstler auf der Bühne mit sich bringen, beschreibt Kammersänger Heinz Göhrig, der in den Meistersingern den Balthasar Zorn verkörpert und als erster Darsteller mit den Vogelköpfen geprobt hat.
„Ich hatte mich von Anfang an bereit erklärt, das Ganze immer wieder auszuprobieren, auch im Beisein unseres GMDs Cornelius Meister, um den Prozess aus sängerischer Perspektive zu begleiten. Die Ergebnisse der ersten Proben hatten auch Einfluss auf die Materialauswahl für die Masken. Nun – das Singen mit dem Kopf ist eigentlich kein Problem und man hört sich selbst sehr gut. Ein bisschen schwieriger ist es jedoch, die Kolleg*innen zu hören – sowohl die Soli als auch den Chor und das Orchester. Gerade bei leiseren Passagen ist das nicht ganz einfach. Auch die Sicht ist natürlich eingeschränkt, da die Vogelköpfe nicht wie ein Hut getragen werden. Man steckt ja mit dem eigenen Kopf komplett in der Vogelmaske und sieht damit nur geradeaus, nicht zur Seite, sodass man sich auch ein wenig anders bewegt als sonst. Doch das ist eine Gewöhnungssache, an die wir uns im Laufe der Proben gemeinsam annähern.“
Heinz Göhrig beim Test der noch unfertigen Wiedehopf-Maske.
Die Meistersinger von Nürnberg
Feb 2026
Die Meistersinger von Nürnberg
So
15
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Opernhaus
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Mär 2026
Die Meistersinger von Nürnberg
So
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Opernhaus
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Die Meistersinger von Nürnberg
So
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16:00 – 22:00
Opernhaus
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Besetzung
Die Meistersinger von Nürnberg
Sa
14
16:00 – 22:00
Opernhaus
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Besetzung
Die Meistersinger von Nürnberg
So
22
16:00 – 22:00
Opernhaus
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Zum letzten Mal in dieser Spielzeit
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evtl. Restkarten an der Abendkasse
Besetzung