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02.01.2026 Drei Goldfische für den Wal!

Drei Goldfische für den Wal

Ein Goldfisch-Trio für die Bühne des Opernhauses: In Martin G. Bergers Inszenierung von „Der rote Wal“ stehen drei Statist*innen in einer Restaurantszene prominent im Fokus. Aber wie wurden diese Fischkostüme hergestellt? Welche Arbeitsschritte gibt es vom Entwurf bis zur Aufführung? Eike Schnatmann, Leiterin der Modisterei an den Staatstheatern Stuttgart, führt uns durch den Herstellungsprozess.
Zur Szene in der Oper: Das Orca-Weibchen Gladis und die Revoluzzer Abad und Ge bilden eine unheilvolle Allianz. Sie fliehen vor Wasserwerfern während einer Demo und schmieden im Versteck Rachepläne: Gladis möchte das größte Schiff der Menschen versenken – Abad und Ge planen einen Anschlag auf das Riesenaquarium eines Luxusrestaurants. Drei Goldfisch-Kellner stehen in dieser Szene im Zentrum – dann erfolgt die Detonation: Das Aquarium ist zerstört, die Fische tot – und Gladis verzweifelt. Die drei Goldfische markieren auch den Moment, in dem Gladis sich der Auswirkungen von Gewalt voll bewusst wird und sie zurückschreckt: Das geht ihr doch zu weit.
Liebe Eike, die Fische sind schon sehr beeindruckend. Jetzt bin ich gespannt – wie baut man sowas?
Eike Schnatmann: Dafür waren wir Modisten, die wir generell für Kopfbedeckungen aller Art zuständig sind, nicht allein verantwortlich – das war, wie häufig im Theater, ein gemeinschaftliches Projekt mehrerer Werkstätten: In diesem Fall war der erste Schritt die wunderschöne Grundform aus Styropor, die in der Bildhauerei modelliert und geschnitzt wurde. Die sieht auch wirklich sehr schön aus, und sie hängt mittlerweile wie eine Trophäe im Malsaal – neben dem Hirschgeweih!
Im Anschluss hat dann die Maskenabteilung aus Varaform – eine Art grobes, weißes Netz – die Form ab-modelliert. Dazu braucht es dieses Netzgewebe sowie heißes Wasser und einen Heißluftföhn. Das Ganze erinnert ein bisschen an das Anlegen eines Gipsverbandes beim Arzt. Der vordere Teil des Kopfes wurde von der Maske auch noch mit Tüll überzogen. Und schließlich wurde auch der Fahrradhelm, mit dem der Fischkopf vom Statisten „aufgesetzt“ wird, von der Maske eingebaut. Und auf diese Kopfform aus Netz haben wir dann unseren Stoff aufgebracht.

Einen geeigneten Stoff zu finden war gar nicht so einfach. Für die Fischschuppen hatten wir zuerst einen flächigen, goldenen Schuppenstoff geplant. Das Material selbst sah toll aus, aber als wir den Stoff auf die Fischform aufgelegt hatten, wirkte er erstens viel zu kitschig und es sah zweitens auch nicht wirklich wie ein Goldfisch aus. Da haben uns die Bühnenmaler aus dem Malsaal mit einer guten Idee unterstützt, indem sie aus dem Stoff einzelne Schuppen herausgeschnitten und damit die Oberfläche gebrochen haben. Dann wurden die Schuppen in verschiedenen Orange-Farbtönen und -techniken wieder übermalt. Und nicht nur die Schuppen, auch der vordere Teil des Kopfes wurde bemalt.
Gab es noch weitere Teile von Euch?
Ja, die Organza-Schwimmflügel haben wir mit der Gewandmeisterin zusammen entwickelt, was ebenfalls sehr schön funktioniert hat, weil die Flügel weich fallen und an im Wasser fließende Bewegungen erinnern.

Und schließlich gab es noch eine interessante Aufgabe: Denn der Kostümbildner der Produktion, Alexander Djurkev Hotter, hatte sich erst gewünscht, dass hinten im Korpus eine Art Miederstäbchenkorb eingearbeitet wird - wie eine Art Reifrock. Wir haben auch versucht einen solchen Korb zu bauen, aber das war am Ende ein viel zu starres Gebilde. Alexander hatte sich von der Idee versprochen, dass der Korb weich fällt und sich bei jeder Bewegung sanft hin und her bewegt, weil die Statisten das ja auf dem Rücken getragen hätten, aber das war leider nicht der Fall. Aber spannend war es allemal, einen Reifrock für Fische zu gestalten!
Wie viele Goldfische habt Ihr gebaut?
Insgesamt sind es nur diese drei Fisch-Aufbauten geworden. Generell machen wir bei solchen Arbeiten immer ein paar Stücke mehr als Ersatz. Bei der Produktion Der Spieler hatten wir zum Beispiel auch mehr Bärtierchen gestaltet als tatsächlich Statisten auf der Bühne standen. Aber in diesem Fall sind die Kostüme „variabel“ und können neuen Statisten angepasst werden, falls nötig.
Und wie wurde der Fischkopf auf dem Helm befestigt?
Normalerweise bevorzugt die Maskenabteilung Kabelbinder, um Aufbauten zu integrieren. Aber hier wurde sogenannter Aquarium-Schaum verwendet – eigentlich ein witziger Zufall, wir bleiben damit beim Fische-Thema. Aber wir verwenden Aquarium-Schaum gern für solche Zwecke, da er formstabil ist und reisfester als normaler Schaumstoff. Es gibt ihn in verschiedenen Stärken, so dass sich der Abstand zwischen Helm und Kopf individuell sehr gut „variieren“ lässt.

Letztendlich sehen die Goldfische natürlich recht spektakulär aus, aber es gibt dahinter keine wirklich spektakuläre Geschichte zu erzählen: Es ist unser normales (Theater-)Handwerk – in der Modisterei genauso wie im Malsaal, der Maske und der Bildhauerei. Aber auch ein Super-Beispiel für unsere tolle Werkstatt-übergreifende Teamarbeit im Haus!
Dez 2025
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Mi
17
19:00 – 20:45
Opernhaus
Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Mo
22
19:00 – 20:45
Opernhaus
Besetzung
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Mo
29
19:00 – 20:45
Opernhaus
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Jan 2026
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Mi
7
19:30 – 21:15
Opernhaus
8 / 17 / 26 / 40 / 53 / 66 / 82 / 99 / 115 €
Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Sa
17
19:30 – 21:15
Opernhaus
8 / 18,50 / 29 / - / - / 72 / 90 / 108 / 126 €
Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Mo
19
19:30 – 21:15
Opernhaus
8 / 17 / 26 / 40 / 53 / 66 / 82 / 99 / 115 €
Besetzung
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Do
22
19:30 – 21:15
Opernhaus
Zum letzten Mal in dieser Spielzeit
8 / 17 / 26 / 40 / 53 / 66 / 82 / 99 / 115 €
Besetzung