Als Bedřich Smetana 1874 vollständig ertaubt, scheint seine Karriere als Komponist zunächst beendet. Doch gerade in dieser Lebensphase entsteht sein bedeutendstes Werk: „Má vlast“. Mit den sinfonischen Dichtungen setzt er seiner böhmischen Heimat ein klingendes Denkmal und schafft eine der eindrucksvollsten Kompositionen der Musikgeschichte. Im 4. Sinfoniekonzert wird Dennis Russell Davies „Mein Vaterland“ dirigieren und misst dabei dem Werk nicht nur Bedeutung für Tschechien, sondern vielmehr für die ganze mitteleuropäische Region bei.
„Das Bild eines großen Komponisten, Dirigenten und Pianisten, der mit fünfzig Jahren komplett ertaubt ist, alle seine Tätigkeiten und Privilegien als führende Kraft an der Prager Oper aufgeben muss, und sich dann in der Stille und Einsamkeit bei sich zuhause hinsetzt und ein Meisterwerk für die Ewigkeit schreibt, fesselt und berührt mich zugleich. Als ich vor acht Jahren zum ersten Mal als Künstlerischer Leiter und Chefdirigent vor einem großartigen Tschechischen Orchester stand, der Filharmonie Brno, wusste ich, dass ich einige Repertoire-Lücken zu schließen hatte. Meine Programme der letzten Jahre beinhalteten seitdem alle neun Sinfonien von Antonin Dvorák (die meisten sind auch in Tschechien weithin unbekannt!) und natürlich zahlreiche Werke unseres mährischen „Hauskomponisten“ Leoš Janáček. Ich habe auch Mut gefasst und Bedřich Smetanas Má vlast auf mein Programm gesetzt und mich dafür gründlich vorbereitet. Smetanas eigene spätere Fassung für Klavier zu vier Händen spiele ich öfters öffentlich mit meiner Frau Maki Namekawa und im Sommer 2023 haben wir, als Vorbereitung für eine großangelegte Fassung der vierhändigen Ausgabe mit der Ars Electronica Linz (Das Verbundene Land), eine Reise von Oberösterreich über den Böhmischen Wald bis Prag unternommen, um die verschiedenen Stationen der Tondichtung zu besichtigen. In Brno sagt man, ich sei der einzige lebende Dirigent, der auch den Blaník bestiegen hat. Die Musik von Má vlast und diese Region ist nicht nur für Tschechien relevant, sondern auch für die ganze mitteleuropäische Region, die heute in einem oft gespaltenen Europa von enormer Bedeutung ist.“

Hingehört

„Im vierten Teil Aus Böhmens Hain und Flur gibt es fast am Ende eine Reprise der großen Klänge des Anfangs und – ob beim vierhändigen Spielen mit meiner Frau am Klavier oder beim Dirigieren – da bekomme ich immer eine Gänsehaut.“
Dennis Russell Davies
Dennis Russell Davies, wurde in Toledo (Ohio) geboren und studierte Klavier und Dirigieren an der New Yorker Juilliard School. Davies engagierte sich bereits in den 70er und 80er Jahren für Komponisten wie Philip Glass, Aaron Copland, Mauricio Kagel, Luciano Berio, John Cage, Hans Werner Henze, Leonard Bernstein, William Bolcom, Gija Kantscheli, Arvo Pärt, Manfred Trojahn, Thomas Larcher, Chen Yi, Laurie Anderson und viele andere. In Konzerten widmet er sich vor allem dem Schaffen Anton Bruckners und erweitert das Repertoire der Orchester, in denen er Chefdirigent war und ist, durch Werke der Neuen Musik. Davies dirigierte als Gast u. a. das Cleveland und Philadelphia Orchestra, Chicago, San Francisco und Boston Symphony und das New York Philharmonic Orchestra, während er in Europa mit Orchestern wie der Dresdner Philharmonie, dem Gewandhausorchester, dem Orchestra Filarmonica della Scala Milano, den Münchner Philharmonikern und dem Concertgebouworkest Amsterdam arbeitete. Nach seinem Debüt bei den Bayreuther Festspielen (1978–80) dirigierte er u.a. bei den Salzburger Festspielen, dem Lincoln Center Festival New York, der Houston Grand Opera, der Hamburger und der Bayerischen Staatsoper, während er derzeit hauptsächlich
mit der Lyric Opera of Chicago, der Metropolitan Opera New York und der Opéra National de Paris zusammenarbeitet. 2002-17 war er Opernchef und Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz und 2009-16 Chefdirigent des Sinfonieorchesters Basel. Seit 2018/19 ist Dennis Russell Davies Künstlerischer Leiter und Chefdirigent der Filharmonie Brno und seit 2020/21 ist Dennis Russell Davies Chefdirigenten des MDR-Sinfonieorchesters in Leipzig. 1980-87 war er Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart. 2025/26 übernimmt er die Musikalische Leitung des 4. Sinfoniekonzerts.
Feb 2026
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

So
22
11:00
Liederhalle, Beethovensaal
- / - / 26 / 32 / 39 / 45 €
Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Mo
23
19:30
Liederhalle, Beethovensaal
- / 18 / 23 / 29 / 34 / 40 €
Besetzung