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27.03.2026 Trauer um Alexander Kluge
Wir trauern um Alexander Kluge
Mit dem Schriftsteller und Filmemacher Alexander Kluge ist am 25. März 2026 einer der prägendsten Intellektuellen der vergangenen Jahrzehnte im Alter von 94 Jahren verstorben. Auch unserem Haus war er auf vielfältige Weise verbunden: Im Jahr 2020 entwickelte er in Kooperation mit der Staatsoper Stuttgart eine Ausstellung über Oper als „Tempel der Ernsthaftigkeit“ im Württembergischen Kunstverein. Ein Nachruf von Intendant Viktor Schoner.
In den 90er Jahren, als viele von uns im Nachwendeberlin unsere erste Begeisterung für das hybride Kunstgenre „Oper“ auslebten, da war Alexander Kluge bereits der Altmeister. Er war für uns die personifizierte intellektuell-sinnlich-philosophische-künstlerische Verkörperung der BRD des 20. Jahrhunderts. Alexander Kluge formulierte brillant, was wir eher emotional erahnten. Er formulierte gestochen scharf, was Oper alles zusammenbringen kann – und er eröffnete damit Gedankenwelten im Kontext des ach so engen Korsetts des Kanons. Alexander Kluge schaffte in seinen Filmen, Texten, Büchern und Fernsehsendungen einen Kontext von und für Themen und Figuren, von Hochkultur und Popikonen, von Oper und Leben, die bei allem Collagenhaften auf den Punkt brachte, was Oper alles in sich vereinen kann: King Kong und Bill Clinton, Carmen und La Juive, Helge Schneider und Anna Karenina nannte er in einem Atemzug. Charakteristisch war in all seinen Skizzen und Essays die Lust am Unperfekten, die Obsession des eigenen Zweifels, die Freude an der Verbindung aus Historischem und ganz konkreten zeitgenössischen Kunstschaffen. Und immer eine politische Haltung.
Nun ist Alexander Kluge 94-jährig verstorben.
Nun ist Alexander Kluge 94-jährig verstorben.
Ich persönlich habe Alexander Kluges Buch Chronik der Gefühle im Studium und seither immer wieder „verschlungen“, sein Text Gespräch mit dem Kammersänger hängt seit 1998 über meinem Schreibtisch. Als wir 2009 in München die Neuproduktion Jenůfa vorbereiteten, erlebte ich erstmals in persona, wie sich er und sein unbändiger Enthusiasmus mit Leoš Janáček und Kirill Petrenkos Interpretation der Partitur beschäftigte.
Auch Stuttgart hat ihn immer interessiert. Am 13. März 2020 sollte im Württembergischen Kunstverein in enger Zusammenarbeit mit der Staatsoper Stuttgart die Ausstellung Alexander Kluge. Oper: Der Tempel der Ernsthaftigkeit eröffnet werden – just an jenem Tag, der als erster Tag des Lockdowns in die Bücher eingehen sollte. Was uns jedoch bis heute von dieser „Phantomausstellung“ bleibt, sind vier Filme von Elisabeth Kuon und Martin Mannweiler. Vier Filme, die die Oper als Ort feiern, an dem Ernst, Trauer und Freude zum Ausdruck kommen und Verluste angemessen betrauert werden können. Aber eben auch Filme, die den Intellektuellen, Künstler und Filmemacher Alexander Kluge feiern.
Und sie zeigen uns einmal mehr: Alexander Kluge wird fehlen!
Und sie zeigen uns einmal mehr: Alexander Kluge wird fehlen!
Titelfoto: Markus Kirchgessner
Oper: Der Tempel der Ernsthaftigkeit
Ausstellungsdokumentation
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