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23.09.2026 „Jeder Song ist ein Meisterwerk für sich!“
„Jeder Song ist ein Meisterwerk für sich!“
Studienleiter Alan Hamilton über die Musik von Nina Simone und Frank Sinatra in „I Did It My Way“, einem Musiktheaterabend über das Ende der Liebe. Das Gespräch führte Chefdramaturg Ingo Gerlach
Es kursiert ein Zitat, das man dir zuschreibt: „Das ist die beste Musik, die es gibt.“ Stimmt das?
Ich weiß nicht, ob ich das so gesagt habe, aber es stimmt: das ist großartige Musik! Und was heißt schon „gute Musik“? Das ist ja immer auch eine Geschmacksfrage. Ich finde, die Songs von Frank Sinatra und Nina Simone haben eine besondere Qualität. Es gibt tolles musikalisches Material, fantastische Übergänge, auch Strukturen, die man im Standard-Pop-Bereich nicht findet. Das ist wirklich Kunst!
Was fasziniert dich konkret?
Die Melodie ist manchmal so frei und so einfach – aber was dann bei der Verbindung von der Melodie und den durchaus besonderen Harmonien rauskommt, das kann wirklich spannend sein. Ich denke manchmal an Wagner: sehr komplex im Orchester und darüber diese eingängigen Motive. Als ich mich für diese Produktion mit Jazz-Harmonik beschäftigt habe, wurde mir klar: Das ist eine eigene Welt mit eigenen Regeln. Das ist durchaus komplex und manchmal auch schwierig. Ich verstehe nicht alles. Doch in der Kombination mit den Melodien haben die Songs eine unmittelbare Wirkung.
Wie funktioniert das mit unserem Orchester?
Der Arrangeur Henry Hay sowie David Menke und Boris Rogowski, die Hays Arrangements für uns orchestriert haben, haben wirklich sehr gute Jobs gemacht – sie haben auch für kleine Details die passenden Klänge und Farben gefunden. Und so schaffen wir es, mit dem Staatsorchester den typischen Big Band Sound zu kreieren. Um die Improvisation kümmert sich an dem Abend wiederum die Band: Klavier, Gitarre, Bass und Schlagzeug sind nicht nur für den Swing verantwortlich, sondern auch für den Jazz-Flavour.
Nina Simone hat ihre Musik nicht als Jazz bezeichnet, sondern als „Black Classical Music“.
Siehst du einen Unterschied zu der Musik von Frank Sinatra?
Siehst du einen Unterschied zu der Musik von Frank Sinatra?
Der Jazz und generell die Black Music haben die gesamte amerikanische Popmusik durchdrungen. Was Nina Simone besonders macht: Ihre Musik ist härter, konkreter, direkter. Sinatra ist glatter, gefälliger. Man könnte sagen, er hat etwas adaptiert. Aber auch das ist Teil einer amerikanischen Kultur. Amerika war lange auf der Suche nach einer eigenen Kultur, die sich von der europäischen unterscheidet. Komponisten wie Copland haben sich bewusst bei Jazz und Folk bedient, um etwas genuin Amerikanisches zu schaffen.
Und der Kern-Unterschied zwischen den beiden?
Nina Simone war eine sehr politische Künstlerin. Ihr ging es um gesellschaftlichen Fortschritt, auch um Protest und um die Schwarze Bürgerrechtsbewegung. Bei Sinatra ging es eher um Entertainment und natürlich um das Produkt, das er verkaufen wollte. Und das spiegelt sich ja dann auch in den Figuren wider, deren Geschichte in I Did It My Way erzählt wird: Die Entwicklung der Frauenfigur ist viel greifbarer und wesentlich interessanter als die des Mannes. Sie ist progressiv und sucht nach Veränderung, während er eigentlich will, dass alles so bleibt, wie es ist, bzw. alles wieder so wird, wie es mal war. Und beide Perspektiven hört man in der Musik.
Frank Sinatra im Jahr 1947 in der Liederkranz Hall, New York (© William P. Gottlieb Collection (Library of Congress)/gemeinfrei) – Nina Simone im Jahr 1969 am niederländischen Flughafen Schiphol (© Fotocollectie Anefo Reportage/CCO)
Foto: Matthias Baus
Alan Hamilton, Klavier, geboren in Houston, Texas, studierte an der Universität von Michigan und anschließend an der Juilliard School in New York. Neben seinen ersten professionellen Stationen als Korrepetitor am Merola Program der Oper von San Francisco und am Tanglewood Music Festival bereitete er Sänger an zahlreichen internationalen Opernhäusern und Festivals vor. Er ist Preisträger des Sam Sanders Award der Juilliard School New York, an der er als musikalischer Coach und Sprachcoach für italienische Diktion tätig war. 2012 – 17 hatte er den Lehrauftrag an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Seit der Spielzeit 2012/13 ist er als Solorepetitor und musikalischer Coach, ab der Saison 2018/19 als Studienleiter an der Staatsoper Stuttgart engagiert.
I Did It My Way
Musiktheater von Ivo Van Hove basierend auf der Musik von Nina Simone und Frank Sinatra
Okt 2026
I Did It My Way
Do
8
19:30 – 21:15
Opernhaus
Opernhaus
Wieder im Repertoire
- / 20,50 / 33 / 49 / - / 82 / 99 / 119 / 139 €
Besetzung
I Did It My Way
Besetzung
I Did It My Way
Besetzung
I Did It My Way
Besetzung
I Did It My Way
Besetzung
Dez 2026
I Did It My Way
So
6
19:30 – 21:15
Opernhaus
Opernhaus
Zum letzten Mal in dieser Spielzeit
8 / 22,50 / 38 / 52 / 69 / 89 / 108 / 128 / 152 €
Besetzung