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12.02.2026 Blick ins Staatsorchester Stuttgart: Mathilde Alvin Besson
Blick ins Staatsorchester Stuttgart: Mathilde Alvin Besson
Zum ersten Mal hielt sie mit acht Jahren das Instrument in den Händen, das sie später einmal im Staatsorchester Stuttgart spielen sollte: Die Flöte. Im Juni 2025 hat Mathilde Alvin Besson ihr Probejahr bestanden und ist seitdem zweite Flötistin bei uns. Ein Interview über ihre Jugend in Frankreich, ihr Studium und ihre Leidenschaft zur Musik.
Im Juni 2025 hast du dein Probejahr als zweite Flötistin im Staatsorchester Stuttgart bestanden. Herzlichen Glückwunsch! Wie war deine Anfangszeit im Staatsorchester Stuttgart?
Ich habe mich von Anfang an im Staatsorchester Stuttgart sehr wohlgefühlt. Ich wurde von meinen Kolleg*innen und den Dirigent*innen sehr herzlich aufgenommen. Wenn man so tolle Kolleg*innen hat, dann fällt der Einstieg in ein neues Orchester viel leichter. Mir gefällt auch, dass das Staatsorchester Stuttgart so international ist und verschiedene Generationen zusammenkommen. Ich erinnere mich an meine erste Aufführung mit dem Staatsorchester Stuttgart, an den Freischütz von Carl Maria von Weber. Ich habe den vollen Saal, den Applaus und die glücklichen Gesichter des Publikums noch vor Augen. Ich glaube, dass solche Erinnerungen für immer im Gedächtnis bleiben.
Wie bist du zu deinem Instrument, der Flöte, gekommen?
Ich komme aus einem kleinen Dorf in den französischen Alpen in der Nähe von Grenoble. Die Wahl des Instruments war für mich sehr einfach. Ich kann mich sehr gut an den Tag der offenen Tür in der Musikschule meiner Heimatstadt erinnern, als ich mit 8 Jahren zum ersten Mal eine Flöte in den Händen halten durfte. Ich war sofort fasziniert von dem Instrument. Und da auch die Lehrerin sehr nett war, habe ich mich für die Flöte entschieden. Von da an ist meine Leidenschaft für dieses Instrument mit jedem Tag gewachsen. Als Kind habe ich nie gedacht, dass das Flötespielen zu meinem Beruf werden könnte. Ich habe immer mit viel Freude geübt, aber nie den Druck gehabt, dass ich unbedingt ein Probespiel schaffen muss. Ich habe zuerst in Lille und dann am Conservatoire national in Lyon Flöte studiert. Parallel dazu habe ich auch ein Studium in Kulturmanagement absolviert, mit der Zeit habe ich jedoch gemerkt, dass meine Leidenschaft das Orchesterspiel ist. Als ich für ein Erasmusjahr an die Musikhochschule in München gegangen bin, habe ich einen Zeitvertrag als erste Flötistin im Theater am Gärtnerplatz in München bekommen. Das war eine sehr schöne Erfahrung. Am Ende dieses Jahrs habe ich dann die Stelle der zweiten Flötistin im Staatsorchester Stuttgart bekommen. Das war ein perfektes Timing und großes Glück für mich, dass ich das Probespiel hier gewonnen habe.
Was gefällt dir an der Flöte?
Ich liebe den Klang und die Vielseitigkeit des Instruments. Man kann sehr schnelle Staccati spielen, in der Dynamik variieren und verschiedene Klangfarben erzeugen. Außerdem mag ich die Freiheit, die wir Flötist*innen bei der Klangentfaltung haben. Da wir kein Mundstück mit einem Rohr haben, wie etwa bei der Oboe, ist die Verbindung zwischen unserer Luft und dem Metall sehr direkt. Es fühlt sich so an, als würde der Klang direkt aus mir herauskommen. Wir müssen bei der Tonproduktion zwar keinen großen Druck aufbauen, dafür brauchen wir aber sehr viel Luft, was sehr anstrengend ist. An guten Tagen kann man fast alles mit der Flöte spielen. Es gibt aber auch Tage, an denen manchmal nicht alles klappt und das Instrument nicht so reagiert, wie man es möchte. Aber auch das ist normal und gehört zum Beruf dazu.
Auf welche Produktionen freust du dich besonders?
Mir gefällt vor allem die Vielfalt im Staatsorchester Stuttgart. Wir spielen sowohl Oper und Ballett als auch Konzerte. In dieser Spielzeit durfte ich auch in einem Kammerkonzert mitspielen. Dieser schnelle Wechsel des Repertoires ist sehr anspruchsvoll, man lernt aber auch viel dabei. Mir gefällt es sehr, dass ich so viele neue Stücke lernen darf. Das erfordert viel Konzentration, manchmal ist man nach einer Probe sehr erschöpft, aber gleichzeitig auch sehr erfüllt von der Musik. In dieser Spielzeit freue ich mich auf die Sinfonien von Gustav Mahler im 6. Sinfoniekonzert unter der Leitung von Cornelius Meister, insbesondere auf Mahlers 9. Sinfonie. Sehr gespannt bin ich auch auf die Produktion von Francis Poulencs Dialogues des Carmélites.
Was hast du seit deinem Anfang im Staatsorchester Stuttgart gelernt?
Viel neues Repertoire. Aber auch, mich zu konzentrieren. Beim Spiel im Orchester muss man immer präsent sein und in neuen, ungewohnten Situationen schnell reagieren können, da jede Vorstellung anders ist. Ich finde es sehr beeindruckend, wie gut meine Kolleg*innen auf neue Situationen reagieren können. Man muss schnell verstehen, wie der*die Dirigent*in es an diesem Abend macht. Morgen kann es wieder anders sein. Ich merke, dass ich mit jedem Projekt besser werde und in diesen Beruf mehr und mehr hineinwachse. Es geht dabei nicht nur um den eigenen Klang und die Spieltechnik, sondern auch um das Zusammenspiel mit den anderen. Es braucht Zeit, ein Orchester kennenzulernen und sich in seinen Klang einzufügen. Insbesondere als zweite Flöte muss man sich der ersten Flöte anpassen und sich mit dem Klang der Gruppe gut vermischen.
Gibt es etwas, das du aus Frankreich vermisst?
Natürlich meine Familie, meine Freund*innen und ein bisschen das französische Essen. Aber ich genieße es gerade sehr, in Stuttgart zu leben. Nach zwei Jahren in Lille, zwei Jahren in Lyon und meiner Zeit in München ist Stuttgart jetzt genau der richtige Ort für mich. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken.
Mathilde Alvin Besson ist zu erleben im 4. Sinfoniekonzert
Feb 2026
Foto: Gilles Stoesel