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19.02.2026 Die Unbeugsamen
Ewelina Marciniak im Gespräch
Die Unbeugsamen
In „Dialogues des Carmélites“ führt die junge Blanche einen inneren Kampf mit sich selbst und sucht Schutz in einem Konvent. Die Regisseurin Ewelina Marciniak rückt die Dynamiken einer Frauengemeinschaft in den Fokus als Hybrid aus Thriller, Diskursoper und heiliger Messe.
Angst vor großen Stoffen hat sie nicht. Auch nicht vor großen Namen. Die polnische Regisseurin Ewelina Marciniak hat Stücke von Elfriede Jelinek, Olga Tokarczuk und Michel Houellebecq fürs Theater inszeniert. Und sie hat sich an Richard Wagners Opernzyklus Der Ring des Nibelungen gewagt. Doch sie zerlegt diese Stoffe, schnibbelt sie klein oder ribbelt sie auf, bis sie entdeckt, was diese Stoffe mit ihr selbst zu tun haben, mit der Zeit, in der sie lebt, mit uns allen. Denn darum geht es ihr: um die Menschen. Und warum sie tun, was sie tun. Zum Beispiel Blanche. Blanche aus den Dialogen der Karmelitinnen von Francis Poulenc. Blanche ist ängstlich. Ihre Mutter starb, als sie geboren wurde. Die Oberin stirbt, als Blanche dem Konvent beitritt. „Ihr Leben“, so sagt es Ewelina Marciniak, „läuft nah am Tod entlang. Und ihre Melancholie ist ihre Stärke.“ Interessanter Satz, was möchte sie damit sagen? „Blanche stellt sich Fragen, die andere sich nicht stellen.“
Die Dialoge der Karmelitinnen bilden eine tragische Oper, die auf einem wahren Ereignis beruht: Am 17. Juli 1794, wenige Tage vor dem Ende der „Schreckensherrschaft“, wurden sechzehn Nonnen hingerichtet, weil sie nicht bereit waren, ihr Gelübde zu brechen. So entstand die Novelle Die Letzte am Schafott von Gertrud von Le Fort, daraus entwickelte Georges Bernanos ein Bühnenstück, auf dem wiederum das Libretto zur Oper beruht, die 1957 in der Mailänder Scala uraufgeführt wurde. Die Novelle hat wie Ewelina Marciniaks Operninszenierung in Stuttgart Blanche zur Hauptfigur erkoren. Blanche, die so viel Angst vor dem Tod hat, dass sie aus dem Konvent flüchtet, doch im letzten Moment zu den Nonnen zurückkehrt, die singend – ein unglaublich starker Moment – ihrer Hinrichtung entgegengehen. Sie stimmt in den Gesang ein, sie ist entschlossen zu sterben, ihr Gesicht ist jetzt furchtlos.
Die Dialoge der Karmelitinnen bilden eine tragische Oper, die auf einem wahren Ereignis beruht: Am 17. Juli 1794, wenige Tage vor dem Ende der „Schreckensherrschaft“, wurden sechzehn Nonnen hingerichtet, weil sie nicht bereit waren, ihr Gelübde zu brechen. So entstand die Novelle Die Letzte am Schafott von Gertrud von Le Fort, daraus entwickelte Georges Bernanos ein Bühnenstück, auf dem wiederum das Libretto zur Oper beruht, die 1957 in der Mailänder Scala uraufgeführt wurde. Die Novelle hat wie Ewelina Marciniaks Operninszenierung in Stuttgart Blanche zur Hauptfigur erkoren. Blanche, die so viel Angst vor dem Tod hat, dass sie aus dem Konvent flüchtet, doch im letzten Moment zu den Nonnen zurückkehrt, die singend – ein unglaublich starker Moment – ihrer Hinrichtung entgegengehen. Sie stimmt in den Gesang ein, sie ist entschlossen zu sterben, ihr Gesicht ist jetzt furchtlos.
„Es sind Frauen, die unter Druck geraten und sich entscheiden, sich nicht zu beugen.
Sie leiden zusammen und finden einen Weg für sich.
Es ist eine Transformation.
Und das ist erst der Anfang.“
Sie leiden zusammen und finden einen Weg für sich.
Es ist eine Transformation.
Und das ist erst der Anfang.“
Blanche, sagt Ewelina Marciniak im Hier und Jetzt, also im Videocall, blasses Gesicht, rosa Sweatshirt, hinter ihr die weiße und kahle Wand ihrer Küche in Warschau, interessiere sie so, weil sie modern sei. „Was sucht sie in dieser Gemeinschaft? Die Frage ist: Wie sehr verändert einen Menschen die Gemeinschaft? Blanche ist jung und klug. Aber sie fühlt sich klein und wertlos, denn ihre Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben. Ihr Vater und ihr Bruder glauben zu wissen, was gut für sie ist. Doch sie kämpft dagegen an, ihr Kampf führt sie in den Konvent, und dort verändert sie sich.“
Dass es Nonnen waren, die sich dagegen wehrten, fremdbestimmt zu werden, spielt für Marciniak eine untergeordnete Rolle. Es gehe darum, dass diese Gemeinschaft von Frauen für ihre Werte einstehe. „Es sind Frauen“, sagt sie, „die unter Druck geraten und die sich entscheiden, sich nicht zu beugen. Sie leiden zusammen und finden einen Weg für sich. Es ist eine Transformation. Und das ist erst der Anfang.“
Dass es Nonnen waren, die sich dagegen wehrten, fremdbestimmt zu werden, spielt für Marciniak eine untergeordnete Rolle. Es gehe darum, dass diese Gemeinschaft von Frauen für ihre Werte einstehe. „Es sind Frauen“, sagt sie, „die unter Druck geraten und die sich entscheiden, sich nicht zu beugen. Sie leiden zusammen und finden einen Weg für sich. Es ist eine Transformation. Und das ist erst der Anfang.“
Ewelina Marciniak lächelt. Sie spricht gern über Frauen und Rechte und Zusammenhalt. Und sie denkt und inszeniert ausdrücklich politisch. Die Tatsache, sagt sie, dass die Oper während der Französischen Revolution spiele, wie Demokratie entstanden sei und dass man sagen könne, der Kampf für Demokratie sei auch der Kampf für die Rechte der Frauen, ganz im Sinne einer ihrer großen Heldinnen: Olympe de Gouges, französische Schriftstellerin, Revolutionärin und Verfasserin der Rechte der Frau und Bürgerin von 1791. Sie lächelt wieder. Oder ist es ein Grinsen? Sie hat dieses Engelsgesicht, dass man, selbst wenn sie grinsen würde, es als Lächeln wahrnehmen würde
Olympe de Gouges
Es ist ein Freitagmorgen im November in Warschau, Marciniaks dreijährige Tochter ist in der Kita, der Mann beim Job, und sie ist glücklich, dass sie einen ganzen Tag vor sich hat, um an ihren Projekten zu arbeiten. Was sie überrascht hat an der Arbeit einer Theater- und Opernregisseurin: dass es ein Beruf ist, in dem man sich fast nur in anderen Städten aufhält. Ein Familienwochenende in Warschau ist etwas Besonderes. Am Samstag gehen sie zusammen auf den Friedhof.
Gabriela Herpell ist Redakteurin beim SZ-Magazin. Der Beitrag Die Unbeugsamen erschien zuerst in der Nr. 2, 2025/26 von Reihe 5, dem Magazin der Staatstheater Stuttgart.
Headerfoto: Małgorzata Juchnik
Dialogues des Carmélites
Mär 2026
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So
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Opernhaus
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8 / 18,50 / 29 / 43 / 58 / 72 / 90 / 108 / 126 €
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Sa
18
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Opernhaus
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Zum letzten Mal in dieser Spielzeit
8 / 18,50 / 29 / 43 / 58 / 72 / 90 / 108 / 126 €
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