Digitale Nachgespräche

Oper im Netz. Das ist selbst für passionierte Operngänger*innen eine Herausforderung. Wie geht es Schüler*innen damit, die ausgerechnet in diesen Zeiten vielleicht ihre ersten Opernerfahrungen machen? Die Musiklehrerin Anna Rapp vom Friedrich-Schiller-Gymnasium in Ludwigsburg hat den Schritt gewagt und zwei achte Klassen per Fernunterricht gebeten, sich den Stream von Sergej Prokofjews „Die Liebe zu drei Orangen“ anzuschauen, den die Staatsoper Stuttgart im Rahmen des Trickfilmfestivals am Sonntag, den 10. Mai, um 9:45 Uhr noch einmal zeigt. Die Rückmeldungen ihrer Schüler*innen hat sie an das JOiN geschickt.
Wir vom JOiN haben uns sehr über die Reaktionen gefreut! Auch in diesen Zeiten ist es möglich, sich auszutauschen. Das wollen wir weiterhin tun. Schreibt uns! Wir freuen uns über jede Reaktion auf unser Onlineangebot! Wer sich stattdessen lieber mit uns unterhalten möchte, kann das im Rahmen unserer digitalen Nachgespräche tun. Dafür muss man nicht unbedingt eine Schulklasse sein! Egal ob als Gruppe oder als Einzelperson: über Skype, Zoom oder andere Plattformen sprechen und diskutieren wir gerne mit euch über unsere Produktionen. Schreibt uns einfach eine Mail an join@staatstheater-stuttgart.de!

Wir werden nicht müde, es zu betonen: Kultur ist auch in diesen Zeiten unerlässlich. So sieht es auch diese*r Schüler*in. Danke dafür!

„Erst einmal möchte ich ein großes Dankeschön aussprechen: Dass Sie eine ganze Oper uns allen hier kostenlos und frei zugänglich zur Verfügung stellen, wissen wir sehr zu schätzen. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, auch mal dem grauen Alltag zu entfliehen und Inspiration zu finden – und genau das habt ihr uns geschenkt. Vielen Dank. So ein großartiges, dynamisches Gesamtprojekt erleben zu dürfen, ist wirklich eine Ehre!“

Opern können gottseidank auch digital beeindrucken, selbst wenn nicht immer alles gefällt:

„Zuallererst möchte ich sagen, dass ich Vorurteile gegen Opern hatte und wahrscheinlich nie von mir aus eine Oper angeschaut hätte. Diese Oper hat mich eines Besseren belehrt.“

„Die Musik des Orchesters ist aber ziemlich gelungen. Immer mal wieder dramatisch, aber auch leise und ruhig. Auf jeden Fall muss ich sagen, dass die Oper sehr schön und emotional ist, aber auch irgendwie merkwürdig. Das Singen gefällt mir nach wie vor nicht, aber insgesamt sind Opern klasse.“

Wie wir unsere Nachgespräche vermissen, bei denen wir jedes Mal etwas Neues lernen! Diese*r Schüler*in hat uns mit einem Fachbegriff aus der Filmmusik überrascht – wir wären nicht darauf gekommen. Wer nicht weiß, um was es sich beim Underscoring handelt – einfach auf den Begriff klicken!

„Die Musik ist zwar etwas verrückt und die Dynamik sowie das Tempo hatten abrupte Wechsel, aber es hat dadurch eben auch sehr gut zur restlichen Oper gepasst. Ich finde, auch das leichte Underscoring, wenn man das in einer Oper so sagen kann, hat sehr gut gepasst.“

Konstruktive Kritik gehört ebenso selbstverständlich zu einem Nachgespräch. Und dass die Oper Fremdgebiet ist, muss sich auch nach einem virtuellen oder analogen Opernbesuch nicht unbedingt geändert haben:

„Auch wenn ich finde, dass die Schauspieler in den Kostümen wie ‚Witzfiguren‘ aussehen, muss ich sagen, dass sie Stil haben (also die Kostüme).“

„Habe ich Wünsche an die Stuttgarter Inszenierung? Vielleicht etwas mehr Klarheit. Allerdings sind Märchen selten klar, und Opern auch nicht immer.“

„Letztendlich finde ich es beeindruckend, dass die Künstler sowohl das Schauspielen als auch das Singen gut beherrschen. Ich könnte mir dennoch schwer vorstellen, öfters eine Oper anzuschauen, da ich doch eher andere Musikstyles (zum Beispiel Popmusik) und ‚Schauspielstyles‘ (zum Beispiel Actionfilme) bevorzuge.“

Ein Nachgespräch ist immer auch ein Anfang. Opernbesuche wirken unterschiedlich nach. Manche vergessen die Oper einfach wieder, andere erinnern sich noch lange daran. Wieder andere denken erst Jahre später wieder an den Opernbesuch zurück. Anna Rapp jedenfalls hat sich vorgenommen, dranzubleiben und will den virtuellen Opernbesuch mit ihren Schüler*innen weiter bearbeiten und vertiefen.

Und doch: Wenn sich das erste Mal der analoge Vorhang wieder hebt, dann freuen wir uns mindestens so sehr wie diese*r Schüler*in:

„Darum freue ich mich auf die nächste Oper, die Sie streamen. Noch mehr auf meinen nächsten Besuch in der Oper.“