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07.04.2026 Ein Blick ins Staatsorchster Stuttgart: Christian Janker
Ein Blick ins Staatsorchster Stuttgart: Christian Janker
Anfang des Jahres hat unser Solo-Pauker Christian Janker das Probejahr bestanden. Im Interview erzählt er, wie ihm der Einstieg ins Staatsorchester Stuttgart gelungen ist – von den ersten musikalischen Schritten über den Weg von Bayern nach Stuttgart bis hin zu den Herausforderungen und Freuden seines Instruments.
Im Januar 2026 hast du dein Probejahr als Solo-Pauker im Staatsorchester Stuttgart bestanden. Herzlichen Glückwunsch! Wie war dein Anfang im Staatsorchester Stuttgart?
Sehr gut, ich konnte mich schnell einleben, da ich ganz tolle Kolleg*innen habe. Die Atmosphäre im Orchester ist sehr familiär und es fühlt sich so an, als wäre man schon lange Teil des Orchesters. Das macht den Einstieg als neues Orchestermitglied sehr viel angenehmer. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir zum einen mein erstes Projekt mit dem Staatsorchester Stuttgart, bei dem ich bereits als Aushilfe engagiert war, das Sinfoniekonzert mit Anton Bruckners 4. Sinfonie, zum anderen die erste Produktion unter GMD Herrn Meister hier am Haus mit Richard Wagners Parsifal.
Wie bist du zu deinem Instrument gekommen?
Zum Schlagzeug kam ich sehr früh. Von Bekannten wurde mir eine Blechtrommel geschenkt. Darauf folgte dann ein Plastikschlagzeug, für das meine Eltern häufig Ersatzteile kaufen mussten, da ich ein bisschen zu wild war. Mit vier Jahren habe ich dann Unterricht an der Kreismusikschule Straubing-Bogen bekommen. Nach meinem Abitur ging ich zunächst an die Berufsfachschule für Musik in Plattling, bevor ich dann Schlagzeug und Pauke an der Hochschule für Musik und Theater München studiert habe.
Wie hat es dich aus Bayern nach Stuttgart verschlagen?
Zunächst war ich Praktikant bei den Augsburger Philharmonikern. Nach meinem Bachelor in München habe ich die Akademiestelle für Pauke der Staatskapelle Dresden gewonnen, die entscheidend dazu beigetragen hat, mich auf die Pauke zu spezialisieren. In dem Jahr als Akademist habe ich sehr viele Erfahrungen gesammelt. Ich durfte sowohl Neuproduktionen und Wiederaufnahmen in der Oper, als auch Ballett und Konzerte spielen. Danach habe ich mich dafür entschieden, ausschließlich an Probespielen für Pauke teilzunehmen und nicht für Schlagzeug. Zuerst hatte ich eine Stelle als Solo-Pauker am Landestheater Niederbayern, bevor ich das Probespiel im Staatsorchester Stuttgart gewonnen habe.
Wann hast du dich entschieden, den Weg des Berufsmusikers einzuschlagen?
Einen wesentlichen Anteil hatte das Bayerische Landesjugendorchester, in dem ich fünf Jahre gespielt habe. Dort trifft man auf viele Gleichgesinnte und man merkt, wo man selber mit seinen Fähigkeiten steht und wie viel man leisten kann. Über das Landesjugendorchester lernt man auch verschiedene Dozent*innen kennen, die Orchestermusiker*innen sind. Einer meiner damaligen Dozenten war der Solo-Schlagzeuger des Staatsorchesters Stuttgart Christoph Wiedmann, der mir viele wertvolle Tipps gegeben hat.
Was ist deine Funktion als Pauker im Orchester?
Die Pauke hat im Orchester eine starke rhythmische Funktion. Gerade in Übergängen zwischen zwei Abschnitten innerhalb eines Werks ist es meine Aufgabe, dem Orchester eine rhythmische Orientierung zu geben. Es gibt aber auch viele Stellen, wo man die anderen Instrumente nur begleitet. Darüber hinaus hat die Pauke auch eine klangliche Funktion. Wir Pauker*innen versuchen den Streicher- und den Bläserklang miteinander zu verbinden. Unsere Aufgabe ist es, mit unserer Spielart und dem richtigen Schlägel den Klang, den Charakter und die Artikulation zu unterstützen.
Wie bereitest du dich auf deine Auftritte vor?
Ich schaue mir im Vorfeld die Partitur des jeweiligen Werks an. Das ist sehr hilfreich, da wir die Naturfelle der Pauken während einer Aufführung in Stimmung halten müssen. Bei einer trockenen Luft beispielsweise wie in der Liederhalle weicht die Stimmung der Pauken etwas nach oben ab. Um die Stimmung zwischendurch überprüfen zu können, muss ich wissen, wann in der Partitur welche Töne erklingen, an denen ich mich orientieren kann. Bei Werken bis etwa Ludwig van Beethoven ist es etwas leichter, weil in ihnen die Tonarten relativ stabil gehalten werden. Bei jüngeren Werken, wie etwa Igor Strawinskys Le sacre du printemps, das demnächst im Ballett läuft, ist es schwieriger, weil ich erst einmal eine Stelle finden muss, wo ein bestimmter Ton klar hörbar ist, anhand dessen ich meinen eigenen Ton überprüfen kann. Diese Stellen trage ich mir in meine Noten ein, damit ich weiß, wann ich vor meinem eigentlichen Einsatz die Stimmung der Pauken überprüfen muss. Das Entscheidende für uns Pauker*innen in der Vorbereitung ist oftmals nicht das Üben an sich, sondern, dass man genau weiß, wann was passiert und welche Artikulation gefragt ist.
Was schätzt du an der Arbeit im Orchester?
Die Gemeinschaft. Bereits im Heimatmusikverein oder im Landesjugendorchester habe ich dieses Gemeinschaftsgefühl erleben können. Ich bin ein Teamplayer und gestalte gerne mit anderen zusammen. Beruflich im Orchester spielen zu können, empfinde ich als ein großes Privileg. Als Musiker*innen ziehen wir alle an einem Strang und möchten gemeinsam etwas erreichen.
Wie findest du einen Ausgleich zum Beruf als Orchestermusiker?
Zum einen durchs Hobby-Musizieren. Ich bin im Laienbereich auch als Dirigent tätig und engagiere mich als Vorstand in der Stadtkapelle Straubing, meinem Heimatverein, wo ich schon als kleines Kind mit dabei war. Zum anderen durchs Rudern. Zusammen mit meiner Freundin bin ich im Ruderverein in Remseck. Das Rudern macht mir viel Spaß und ist ein guter Ausgleich für mich. Außerdem habe ich im Staatsorchester Stuttgart auch Freund*innen gefunden, mit denen wir uns gerne auch privat treffen.
Bild: Robert Kusnyer