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02.11.2026 Schaurig schön: Kostüme für „Lady Macbeth von Mzensk“
Schaurig schön: Kostüme für „Lady Macbeth von Mzensk“
Ein surrealer Erinnerungstrip: Regisseurin Ulrike Schwab lässt in ihrer Deutung von Dmitri Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk den Geist der Hauptfigur eine innere Reise zu den traumatischen Situationen ihres Lebens antreten. Realität, Fantasie und Traum verschmelzen – und das soll sich auch im Kostümbild widerspiegeln. Ausstatterin Pia Dederichs beschreibt, warum sie gemeinsam mit Lena Schmid die einzelnen Figuren als teils unheimliche, albtraumhafte Märchenfiguren angelegt hat.
Wie lässt sich Verständnis für eine mehrfache Mörderin wecken? Die Geschichte von Lady Macbeth von Mzensk ist ja erst einmal zutiefst gewalttätig. Dennoch wollen wir als Regieteam zeigen, wie es zu diesen Handlungen kam und erzählen Katerina Ismailowas Traumata als Rückschau auf ihr Leben. Da also alles aus Sicht der toten Katerina erzählt wird, zeigen wir die Figuren des Stücks auch nicht realistisch, sondern so alptraumhaft, wie sie ihren persönlichen Vorstellungen und Empfindungen entsprechen. Ihr Schwiegervater Boris beispielsweise trägt die gleiche Jacke wie der Polizeichef als Symbol für das Übermächtige, vor dem sie sich Zeit ihres Lebens gefürchtet hat.
Zu Beginn des Abends sind alle Figuren noch unter Tüchern verborgen. Katerina erweckt sie nach und nach zum Leben, indem sie die Tücher lüftet und in die darunter verborgenen Erinnerungen eintaucht: Alle Figuren wirken stark patiniert und wie „eingestaubt“, so als hätten sie jahrhundertelang auf ihren Einsatz gewartet. Genau deshalb zitieren wir in allen Kostümen historische Elemente vergangener Epochen.
Zu Beginn des Abends sind alle Figuren noch unter Tüchern verborgen. Katerina erweckt sie nach und nach zum Leben, indem sie die Tücher lüftet und in die darunter verborgenen Erinnerungen eintaucht: Alle Figuren wirken stark patiniert und wie „eingestaubt“, so als hätten sie jahrhundertelang auf ihren Einsatz gewartet. Genau deshalb zitieren wir in allen Kostümen historische Elemente vergangener Epochen.
All diese Momente ihres Lebens finden sich in Katerinas opulentem Kostüm wieder, oder besser gesagt: in ihren Kostümen. Während sie zu Beginn des Stücks noch in einem schlichten weißen Hemd –einem Totenhemd ähnlich – auf der Bühne steht, legt sie an jeder Station weitere Kleidungsstücke und Kopfbedeckungen an. Am Ende trägt sie vier Röcke, drei Jacken und einen Mantel übereinander, zwei Perücken sowie eine Krone. Und damit muss unsere „Katerina“ Rosie Aldridge auch noch singen und spielen – ein wahrer Kraftakt.
Mit jedem zusätzlichen Kostüm taucht Katerina tiefer in ihre eigene Geschichte ein und versucht, sich selbst immer größer und mächtiger zu machen und zur Heldin aufzubauen. Nach ihrem letzten Mord am Ende des Stücks zieht sie jedoch alle Kleidungsstücke bis auf das weiße Hemd vom Anfang wieder aus – und trägt damit das gleiche Kleid wie ihr Opfer Sonjetka, sozusagen eine jüngere Ausgabe ihrer selbst.
Mit jedem zusätzlichen Kostüm taucht Katerina tiefer in ihre eigene Geschichte ein und versucht, sich selbst immer größer und mächtiger zu machen und zur Heldin aufzubauen. Nach ihrem letzten Mord am Ende des Stücks zieht sie jedoch alle Kleidungsstücke bis auf das weiße Hemd vom Anfang wieder aus – und trägt damit das gleiche Kleid wie ihr Opfer Sonjetka, sozusagen eine jüngere Ausgabe ihrer selbst.
Für Lena und mich war es eine große Freude zu erleben, wie fantastisch unsere Entwürfe von den Werkstätten hier im Haus umgesetzt wurden. So hat die Kostümabteilung beispielsweise für den übergroßen Mantel, der vom Hausknecht getragen wird, sage und schreibe 280 Knöpfe von Hand mit Stoff überzogen. Diese Liebe zum Detail und die fantasievolle Ausstattung finden sich in wirklich allen Rollen des Stücks bis hin zur Statisterie: Dort gibt es Schaben, Bären, Hasen und eine Ballerina, die in besonders seltsamen oder unangenehmen Momenten über die Bühne huschen. Ohne in die Handlung selbst einzugreifen, schaffen sie verstörende Bilder, um die alptraumhafte Stimmung der Szene zu unterstreichen.
Einen großen Anteil am Kostümbild hat auch die Modisterei, also die Hutmacher*innen der Staatstheater, wo unglaubliche 250 Kopfbedeckungen für diese Produktion gefertigt wurden.
In der Szene, in der Katerina ihren Ehemann mit einem Pilzgericht vergiftet, tritt beispielsweise eine Reihe von Chorsängern in überdimensionalen Pilzhüten auf. Trotz ihrer beeindruckenden Größe müssen diese natürlich extrem leicht sein. Nach einigen Experimenten schuf die Modisterei diese Pilze aus hitzeformbarem Material über verstellbaren Fahrradhelmgestellen, die typischen Lamellen auf der Unterseite der Pilze wurden aus einem ganz feinen Seidenplissee gefaltet – alles in Handarbeit.
Auch das Kostüm von Katerinas Mann Sinowij ist ganz besonders: Er trägt bei seinem Auftritt einen übergroßen Hut, in dem sein Kopf vollständig „verschwindet“. Damit der Darsteller überhaupt etwas sehen kann, ist darin ein Gitter eingearbeitet. Zum Singen muss er den Hut natürlich absetzen. Nach anfänglicher Skepsis hat Sinowji-Sänger Moritz Kallenberg inzwischen große Freude an seinem Riesenhut.
In der Szene, in der Katerina ihren Ehemann mit einem Pilzgericht vergiftet, tritt beispielsweise eine Reihe von Chorsängern in überdimensionalen Pilzhüten auf. Trotz ihrer beeindruckenden Größe müssen diese natürlich extrem leicht sein. Nach einigen Experimenten schuf die Modisterei diese Pilze aus hitzeformbarem Material über verstellbaren Fahrradhelmgestellen, die typischen Lamellen auf der Unterseite der Pilze wurden aus einem ganz feinen Seidenplissee gefaltet – alles in Handarbeit.
Auch das Kostüm von Katerinas Mann Sinowij ist ganz besonders: Er trägt bei seinem Auftritt einen übergroßen Hut, in dem sein Kopf vollständig „verschwindet“. Damit der Darsteller überhaupt etwas sehen kann, ist darin ein Gitter eingearbeitet. Zum Singen muss er den Hut natürlich absetzen. Nach anfänglicher Skepsis hat Sinowji-Sänger Moritz Kallenberg inzwischen große Freude an seinem Riesenhut.
Eine weitere außergewöhnliche Kopfbedeckung ist der „Kamin“: Zu diesem extrem hohen Zylinder des Hausknechts hat uns das Bild von „Pat und Patachon“ inspiriert: Der Schäbige und der Hausknecht treten gemeinsam auf, der eine ist eher klein und rundlich, der andere lang und dünn – und zu diesem Eindruck trägt der lange schmale Zylinder zusätzlich bei.
Und nicht zu vergessen: die Kopfbedeckungen der Chormitglieder am Ende des Stücks, die wir liebevoll „Schweineöhrchen“ getauft haben. Sie gehören zu unseren absoluten Lieblingsstücken und sind auch bei den Sänger*innen selbst sehr beliebt.
Und nicht zu vergessen: die Kopfbedeckungen der Chormitglieder am Ende des Stücks, die wir liebevoll „Schweineöhrchen“ getauft haben. Sie gehören zu unseren absoluten Lieblingsstücken und sind auch bei den Sänger*innen selbst sehr beliebt.
Und noch ein kleiner Spoiler: Auch die Äpfel, die auf den Figurinen abgebildet sind, werden auf der Bühne in einer Art Märchenwald wieder zu sehen sein – allerdings in Dimensionen, die sämtliche reale Proportionen sprengen. Seien Sie gespannt!
Dmitri Schostakowitsch
Lady Macbeth von Mzensk
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Fr
22
19:00
Opernhaus
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Zum letzten Mal in dieser Spielzeit
8 / 22,50 / 38 / 52 / 69 / 89 / 108 / 128 / 152 €
Besetzung