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12.03.2026 Revolution und Martyrium
Zeittafel
Revolution und Martyrium
Was geschah eigentlich wann während der Französischen Revolution? Und in welchem Zusammenhang dazu stand das Schicksal der Karmelitinnen von Compiègnes? Zur Premiere von „Dialogues des Carmélites“ haben wir eine Chronologie der Ereignisse zusammengestellt – von der Gründung des Karmels bis zur Seligsprechung der Märtyrerinnen.
Im Folgenden sind politische Ereignisse in Standardschrift wiedergegeben.
Geschehnisse die Karmelitinnen betreffend in Kursivschrift.
Geschehnisse die Karmelitinnen betreffend in Kursivschrift.
Historische Darstellung des Lamm Gottes mit dem Kreuzbanner und dem Buch mit sieben Siegeln
1641
Gründung des Karmels von Compiègne
1693
Eine im Karmel von Compiègne wohnende 29-jährige Laiin hat eine Vision von einigen Karmelitinnen, die auserwählt würden, „dem Lamm zu folgen“.
1786
Die neu gewählte Oberin Mutter Teresa vom heiligen Augustinus findet einen Bericht über diese Vision und spürt, dass diese Prophezeiung möglicherweise ihrer eigenen Gemeinschaft gilt.
17. Juni 1789
Der Dritte Stand erklärt sich eigenmächtig zur Nationalversammlung.
20. Juni 1789
Im Ballhausschwur zu Versailles geloben die Abgeordneten des Dritten Standes der französischen Generalstände, nicht eher auseinanderzugehen, bevor sie Frankreich eine Verfassung gegeben hätten – unter ihnen auch 80 niedere Kleriker beider Konfessionen, die sich für die Gleichstellung der Religionen und die Beseitigung der kirchlichen Standesprivilegien einsetzen, von denen im Ancien Régime nur die hohen Kirchenfürsten als Angehörige des Ersten Standes profitierten.
Die frühen religionspolitischen Maßnahmen richten sich zunächst nicht gegen den katholischen Glauben und dessen Institutionen.
Die frühen religionspolitischen Maßnahmen richten sich zunächst nicht gegen den katholischen Glauben und dessen Institutionen.
Der Ballhausschwur, lavierte Federzeichnung von Jacques-Louis David.
14. Juli 1789
Sturm auf die Bastille
4. August 1789
Die Nationalversammlung beschließt die Abschaffung des Feudalsystems, wodurch der Adel und der hohe Klerus ihre Sonderrechte wie Steuerfreiheit, Frondienste, Jagdrechte, Zehnten und Grundherrschaft verlieren und die Leibeigenschaft aufgehoben wird.
26. August 1789
Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte führt den Begriff des „Être surprême“ (des „Höchsten Wesens“) ein, welches den Katholizismus als Staatsreligion ablösen soll. Die freie Religionsausübung als solches bleibt jedoch unangetastet, solange sie nicht gegen die öffentliche Ordnung gemäß der geltenden Gesetze verstößt.
Proklamation der Verfassung am 14. September 1791 in Paris, zeitgenössischer Stich.
28. August 1789
Die Ablegung von Ordensgelübden wird per Dekret verboten.
2. November 1789
Alle kirchlichen Güter sollen per Dekret in Staatsbesitz überführt werden. Dafür übernehmen die Behörden den Unterhalt der Kirchen, die Priesterbesoldung und die Kosten für die kirchliche Fürsorge.
13. Februar 1790
Die Nationalversammlung verbietet die Ordensgeistlichkeit. Bestehen bleiben dürfen Frauenklöster, die in der Krankenpflege und im Schulwesen wirken.
12. Juni 1790
Zivilverfassung des Klerus: Geistliche werden zu vom Volk gewählten und vom Staat besoldeten Beamten ihrer Pfarreien und Bistümer. Dem Papst wird jede Rechtsgewalt über den französischen Klerus aberkannt, er bleibt jedoch „sichtbares Haupt“.
Jacques François Joseph Swebach-Desfontaines Entweihung einer Kirche, um 1794
4. August 1790
Die Besitztümer des Karmelitinnenklosters von Compiègne werden inventarisiert.
5. August 1790
Alle Schwestern werden einzeln verhört und aufgefordert, sich von ihrem Gelübde loszusagen. Doch jede einzelne Karmelitin beteuert, ihrem Gelübde bis zum Tod treu zu bleiben.
27. November 1790
Geistliche müssen einen Eid auf die Verfassung leisten oder sie verlieren ihr Amt.
5. Februar 1791
Unvereidigten Geistlichen wird verboten, öffentlich zu predigen. Ab März beginnen die Wahlen für frei gewordene Stellen in Bistümern und Pfarreien: Nur sieben von 125 Bischöfen und rund die Hälfte aller Pfarrer hatten den Eid geleistet.
10./13. April 1791
Papst Pius VI. verurteilt in zwei Schreiben die Zivilkonstitution, die Menschenrechte und die Revolution als solches und ruft Priester unter Androhung des Kirchenbanns dazu auf, ihren bereits geleisteten Eid auf die Verfassung zu widerrufen. Seinem Aufruf folgen ca. 22.000 von 28.000 Pfarrern. Dieser Schritt besiegelt den Bruch zwischen der alten Kirche und dem revolutionären Staat. Vereidigte Geistliche formen die „Église constitutionelle“, während papsttreue Priester im Untergrund die „Église réfractaire“ gründen. Französische Truppen besetzen die päpstlichen Enklaven Avignon und Comtat Venaissin.
6. April 1792
Das Tragen von Ordensgewändern wird verboten.
Albert Bierstadt: Licht und Schatten, 1862 (Ausschnitt)
8. April 1792 (Ostern)
Die Karmelitinnen sprechen im Konvent über die überlieferte Vision von 1693 und deren mögliche Erfüllung.
August 1792
Die letzten Klöster werden aufgelöst, ihre Besitztümer beschlagnahmt.
September 1792
Geburts-, Trauungs- und Sterberegister kommen unter staatliche Hoheit, Ehescheidung wird erlaubt; dagegen werden kirchliche Prozessionen und das Tragen von geistlicher Kleidung und Habit unter Strafe gestellt. Aufgrund der Verbindung des Papstes mit der Konterrevolution der europäischen Monarchen verschärft sich die öffentliche Stimmung gegen die Kirche und entlädt sich in den Septembermorden vom 2. bis 4. September, im Laufe derer zwei- bis dreihundert Geistliche in den Pariser Gefängnissen ermordet werden. Mehrere zehntausend Geistliche gehen daraufhin ins Exil, rund zweitausend werden deportiert oder inhaftiert.
Papst Pius VI., Portrait von Pompeo Batoni (Ausschnitt), 1775
14. September 1792
Die 20 Karmelitinnen von Compiègne verlassen ihr Kloster und finden an vier verschiedenen Orten Unterschlupf in Zivilkleidung. Nur kurze Zeit später macht die Oberin ihren Mitschwestern den Vorschlag, ihr Leben als Akt der Selbsthingabe für die Rettung Frankreichs aufzuopfern.
27. November 1792
Ab diesem Tag sprechen alle Nonnen täglich den von der Priorin verfassten „Akt der Aufopferung für die Rettung Frankreichs“ als Bestätigung ihres Gelübdes.
Juni/Juli 1793
Mit dem Sturz der Girondisten und dem Eintritt von Maximilien de Robespierre in den Wohlfahrtsausschuss beginnt mit „La Grande Terreur“ die blutigste Phase der Französischen Revolution.
23. November 1793
Im Zuge der jakobinischen Entchristianisierung verabschiedet der Nationalkonvent ein Gesetz, das den Konfessionen alle Kirchen in Paris entzieht und zu „Tempeln der Vernunft“ erklärt.Dies geht einher mit der Einführung des neuen Revolutionskalenders, der den bis dato geltenden gregorianischen Kalender ablösen soll.
6. Dezember 1793
Auf Betreiben von Revolutionsführer Maximilien de Robespierre mahnt der Nationalkonvent die freie Religionsausübung an.
7. Mai 1794
Dekret zur Einführung des „Kults des höchsten Wesens“.
Die Karmelitinnen von Compiègne angesichts der Guillotine, Illustration von Louis David OSB, 1906
21. Juni 1794
Soldaten durchsuchen die Wohnräume der Nonnen und sichern „Beweise“ dafür, dass ihre Sympathien weiterhin der Monarchie gelten. Die inzwischen 16-köpfige Karmelitinnengemeinschaft wird zusammen mit 17 englischen Benediktinerinnen in einem ehemaligen Kloster inhaftiert.
12. Juli 1794
Der Bürgermeister von Compiègne stürmt mit Soldaten das Kloster und trifft die Schwestern in Ordensgewändern an (die sie nur tragen, da die einzig verfügbare Zivilkleidung durchnässt ist). Die Karmelitinnen werden unverzüglich nach Paris gebracht und vor Gericht gestellt.
17. Juli 1794
Zusammen mit 24 anderen Gefangenen werden die 16 Karmelitinnen als „Volksfeinde“ angeklagt und zum Tode verurteilt. Während sie durch die Straßen von Paris geführt werden, singen sie das Te Deum, gefolgt vom Veni Creator Spiritus. Sie erneuern ihr Gelübde, erhalten einen letzten Segen ihrer Priorin und gehen nacheinander singend zum Schafott.
27./28. Juli 1794
Sturz und Enthauptung Robespierres, die das Ende der „Grande Terreur“ einleitet.
18. September 1794
Der Nationalkonvent beschließt die Trennung von Staat und Kirche samt Aufhebung jeglicher Leistungen zur Unterstützung von Geistlichen auf allen Ebenen.
Der Sturz Robespierres im Nationalkonvent am 27. Juli 1794, Historiengemälde von Max Adamo aus dem Jahr 1870
Das Konkordat von 1801 zwischen Frankreich und dem Heiligen Stuhl beendet die Entchristianisierung, macht sie teilweise sogar rückgängig und legt das Verhältnis von Kirche und Staat Frankreichs fest, das in dieser Form bis Anfang des 20. Jahrhunderts besteht.
Papst Pius X. – Foto: Giuseppe Felici (Ausschnitt), 1903
1909
Seligsprechung der 16 Märtyrerinnen von Compiègne durch Papst Pius X.
Es läuft ein Verfahren zur äquipollenten Heiligsprechung.
Es läuft ein Verfahren zur äquipollenten Heiligsprechung.
Weitere Märtyrerinnen der Französischen Revolution
Das Martyrium der Karmelitinnen von Compiègne ist indes kein Einzelfall – belegt ist ein ähnliches Schicksal der „Märtyrerinnen von Orange“: Am 2. Mai 1794 werden Ordensschwestern aus verschiedenen Klöstern als Gefangene in das ehemalige Kirchengefängnis nahe der Kathedrale in Orange gebracht, weil sie sich weigern, den Bürgereid zu leisten, insgesamt sind 42 Nonnen dort inhaftiert. Am 6. Juli 1794 wird die erste der Ordensfrauen vor das Volkstribunal geführt und kehrt nicht zur Gemeinschaft zurück, am 7. Juli werden drei weitere Schwestern abgeholt. Das Tribunal klagt die Ordensfrauen wegen „Mangels an revolutionärem Bürgersinn“ an und verurteilt sie zum Tode. Schließlich werden sie auf dem heutigen Cours Aristide Briand guillotiniert. Bei der Hinrichtung sollen die noch lebenden Schwestern das Te Deum angestimmt haben. Insgesamt werden in Orange 32 Ordensschwestern getötet, die letzten vier am 26. Juli 1794 – nur einen Tag vor der Festnahme Robespierres und zwei Tage vor dessen eigener Hinrichtung. 1925 werden auch die 32 Märtyrerinnen von Orange von Papst Pius XI. seliggesprochen.
Doch auch nach dem Sturz Robespierres’ wirkt die „Grande Terreur“ noch nach: In Valenciennes werden elf Ordensschwestern wegen angeblicher Verstöße gegen die fanzösischen Religionsgesetze verurteilt. Den Ursulinen wird vorgeworfen, entgegen dem Verbot der Regierung eine Mädchenschule wiedereröffnet zu haben. Obwohl die Oberin vor dem Tribunal die Verantwortung auf sich nimmt, wird der ganze Konvent zum Tode verurteilt. Die Schwestern werden am 17. und dem 23. Oktober 1794 in Valenciennes auf der Guillotine hingerichtet. Eine letzte Schwester - Jeann Louise Barré - die bei der Verurteilung versehenlich übergangen wurde, schließt sich ihren Mitschwestern am Schafott an, während diese die Lauretanische Litanei singen. Papst Benedikt XV. spricht die elf Ursulininnen am 13. Juni 1920 selig.
Darstellung aus Jules Loridan: Les Ursulines de Valenciennes avant et pendant la terreur, Paris 1901
Titelbild: La Prise de la Bastille von Jean-Pierre Houël,1789
Dialogues des Carmélites
Mär 2026
Dialogues des Carmélites
Besetzung
Apr 2026
Dialogues des Carmélites
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So
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Opernhaus
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8 / 18,50 / 29 / 43 / 58 / 72 / 90 / 108 / 126 €
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Sa
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8 / 18,50 / 29 / 43 / 58 / 72 / 90 / 108 / 126 €
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