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26.03.2026 Vom 3D-Drucker bis zur Bühne
Vom 3D-Drucker bis zur Bühne
Wochenlange Detailarbeit für ein ganz besonderes Bühnenbildelement: Der berühmte Barberinische Faun stand Pate für eine überlebensgroße Skulptur, die nun in der Produktion „Dialogues des Carmélites“ zu sehen ist. Bühnenplastiker Ron Holthus und Theatermalerin Barbara Vogel geben Einblicke in die verschiedenen Arbeitsschritte vom 3D-Modell bis zum fertigen Objekt.
„Als Plastiker an diesem Haus durfte ich schon viele spannende Arbeiten umsetzen, doch die Herstellung des Fauns für die Dialogues des Carmélites war etwas ganz Besonderes für mich – denn bei dieser Skulptur kam zum ersten Mal unser 3D-Drucker zum Einsatz“, berichtet Ron Holthus. „So konnten wir zusammen mit dem Bühnenbildner Mirek Kaczmarek an seinem Modell arbeiten, das uns dann als plastische Vorlage für den Faun in Originalgröße diente. Normalerweise haben wir Zeichnungen als Vorlage für den Bau der Kulissen, doch der 3D-Drucker ermöglicht uns nun eine noch bessere und detailliertere Umsetzung der künstlerischen Ideen.“
Tatsächlich musste der Faun nach der Produktion des ersten 3D-Modells noch einmal modifiziert werden, denn seine ursprünglichen Dimensionen hätten die Maße des Transportwagens gesprengt, auf dem die Skulptur aus dem Malsaal zu ihrem Einsatz auf der Bühne gebracht wird. So musste letztlich auf einen seiner Arme verzichtet werden. Anhand dieser neuen Vorgaben schnitzte Ron Holthus die drei Einzelteile des Fauns aus Styropor.
Doch Styropor ist nicht gleich Styropor, weiß Barbara Vogel: „Je feiner das Styropor, desto schwerer ist es. Deswegen wurde für den Faun ein etwas gröberes Material verwendet, damit die Skulptur am Ende nicht zu schwer für den Transportwagen ist.“ Da zusätzlich Amierungen eingearbeitet wurden, um ein Brechen des Körpers zu verhindern, war es umso wichtiger, beim Styropor etwas Gewicht einzusparen.
Doch Styropor ist nicht gleich Styropor, weiß Barbara Vogel: „Je feiner das Styropor, desto schwerer ist es. Deswegen wurde für den Faun ein etwas gröberes Material verwendet, damit die Skulptur am Ende nicht zu schwer für den Transportwagen ist.“ Da zusätzlich Amierungen eingearbeitet wurden, um ein Brechen des Körpers zu verhindern, war es umso wichtiger, beim Styropor etwas Gewicht einzusparen.
Der geschnitzte Styroporkorpus bereit zum „Kaschieren“.
Da der Faun während der Aufführung auch bespielt wird, wurden die davon betroffenen Teile für mehr Stabilität mit Molton kaschiert – einem dickeren Stoff, der diese Belastung besser aushält als das reine Styropor. Um auch die feineren Elemente wie Gesicht, Zehen, Haare usw. zu verstärken und deren Struktur besser herauszuarbeiten, mussten diese mit Packpapier „kaschiert“ werden, das zuvor in einer Mischung aus Schreinerleim und Kleister eingeweicht worden war. „Dann lässt es sich in kleinen Stückchen sehr fein über die Konturen verstreichen,“ erklärt Barbara Vogel. „Hierbei muss man darauf achten, dass keine Luftblasen entstehen – denn abgesehen von der Optik wären genau solche Bläschen später anfällig für Bruchstellen.“
Das Kaschieren ist eine sehr kleinteilige, zeitaufwändige Arbeit, die drei Personen über mehrere Tage beschäftigt. Doch nur dadurch kommen die Feinheiten der Schnitzerei richtig zur Geltung und kleinere Unebenheiten können noch ausgeglichen werden. Nach dem Trocknen werden die bearbeiteten Flächen glatt geschliffen und anschließend grundiert und lackiert, sodass der Faun am Ende eine steinartige Oberfläche erhält und im Bühnenlicht wie eine massive Marmorstatue erscheint.
Und warum ausgerechnet ein Faun?
Die Idee, eine der berühmtesten Skulpturen der gesamten Kulturgeschichte auf der Bühne zu platzieren, entstand aus der Beobachtung heraus, dass während der Französischen Revolution zahlreiche Statuen im öffentlichen Raum geköpft, gestürzt oder zerstört wurden.
Diese Form der radikalen Umdeutung und Infragestellung von Symbolen greift die Produktion auf und überträgt sie in einen theatralen Kontext. Die Figur des Fauns selbst ist dabei bewusst verfremdet: Durch seine duplizierten Gliedmaßen erscheint er surreal und zugleich doch vertraut.
Diese Form der radikalen Umdeutung und Infragestellung von Symbolen greift die Produktion auf und überträgt sie in einen theatralen Kontext. Die Figur des Fauns selbst ist dabei bewusst verfremdet: Durch seine duplizierten Gliedmaßen erscheint er surreal und zugleich doch vertraut.
Das berühmte Original: der Barberinische Faun in der Münchner Glyptothek (Foto: Matthias Kabel CC BY-SA 3.0)
Dialogues des Carmélites
Mär 2026
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Besetzung
Apr 2026
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So
12
15:00 – 18:00
Opernhaus
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Stuzubis 10 € bereits im Vorverkauf!, Nachmittagsvorstellung
8 / 18,50 / 29 / 43 / 58 / 72 / 90 / 108 / 126 €
Besetzung
Dialogues des Carmélites
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Sa
18
19:00 – 22:00
Opernhaus
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Zum letzten Mal in dieser Spielzeit
8 / 18,50 / 29 / 43 / 58 / 72 / 90 / 108 / 126 €
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