zurück
13.05.2026 Warum Atatürk?
Warum Atatürk?
Mit einer Uraufführung über Mustafa Kemal Atatürk widmet sich die Staatsoper Stuttgart in der kommenden Saison einem widersprüchlichen Protagonisten. Seit gestern Abend wird allein die Ankündigung dieser Oper in Social Media kontrovers diskutiert. Also, warum eigentlich Atatürk? Der Komponist Bassem Akiki gibt in diesem Beitrag ganz persönliche Einblicke, was dieser Stoff für ihn bedeutet – und wie er ihn umsetzen will.
Als Mensch, der im Libanon geboren wurde – einem Land, das Krieg, Zerstörung, politische Gewalt und unbewältigte historische Traumata durchlebt hat –, kann ich Geschichte nicht als etwas Fernes oder Abstraktes betrachten. Für mich ist Geschichte etwas Lebendiges, das das Leben, die Ängste, die Identitäten und die Konflikte der Menschen bis heute prägt.
Die Oper Atatürk zu schreiben, ist für mich keine leichte Aufgabe, weder emotional noch historisch. Gerade deshalb halte ich sie für wichtig. Wir können schwierige oder umstrittene Persönlichkeiten nicht einfach aus der Geschichte auslöschen, nur weil sie uns heute Unbehagen bereiten. Wir müssen versuchen, uns der Geschichte ehrlich zu stellen, auch wenn sie schmerzhaft ist.
Diese Oper ist kein Versuch, endgültige Antworten oder moralische Urteile zu liefern. Vielmehr ist sie ein Versuch, Fragen zu stellen, verschiedene Perspektiven aufzuzeigen und einen Raum zu schaffen, in dem Komplexität und Widersprüche ohne Vereinfachung existieren können.
Die Welt von heute erinnert uns ständig daran, dass unbewältigte Geschichte in unterschiedlichen Formen wiederkehrt. Wenn ich sehe, wie sich Kriege, Nationalismus, Gewalt, Vertreibung und politische Polarisierung um uns herum entfalten, spüre ich die Notwendigkeit, zurückzublicken und zu versuchen zu verstehen, wie Gesellschaften an solche Momente gelangen. Das Ignorieren der Geschichte heilt keine Wunden, und Schweigen beseitigt kein Trauma. Zurückblicken mag unangenehm sein, aber es ist notwendig.
Es ist unmöglich, sich einer Persönlichkeit wie Atatürk zu nähern, ohne dabei in den politischen Bereich vorzudringen. Gleichzeitig ist das Ziel dieser Arbeit weder politische Propaganda, noch soll sie Helden oder Feinde schaffen. Was mich interessiert, sind menschliche Widersprüche, historische Komplexität und die Spannung zwischen Idealen, Modernisierung, Macht und Gewalt.
Die Oper lässt Emotionen, Erinnerungen, Ängste und Widersprüche gleichzeitig nebeneinander bestehen. Deshalb halte ich sie für eine geeignete künstlerische Form für dieses Thema.
Das Ziel dieser Arbeit ist es nicht, jemanden zu beleidigen oder eine Gemeinschaft, Identität oder kollektives Gedächtnis anzugreifen. Ich verstehe, dass diese Themen für viele Menschen zutiefst emotional und persönlich sind, und ich verstehe auch, dass das historische Gedächtnis von verschiedenen Gemeinschaften und Individuen unterschiedlich erlebt wird. Der Zweck der Oper ist es, einen Raum für Reflexion und Dialog zu schaffen, nicht, die Diskussion zu beenden oder eine einzige Interpretation aufzuzwingen.
Ich glaube, dass umstrittene historische Persönlichkeiten oft die tiefsten Widersprüche innerhalb von Gesellschaften und in der Geschichte selbst offenbaren. Es ist relativ einfach, über Geschichte zu sprechen, wenn alles klar und unproblematisch erscheint. Weitaus schwieriger – und vielleicht auch notwendiger – ist es, sich mit Persönlichkeiten und Geschichten auseinanderzusetzen, die die Menschen emotional, politisch und kulturell nach wie vor spalten.
Mein eigener Hintergrund beeinflusst die Arbeit unweigerlich. Aus dem Libanon zu stammen bedeutet, täglich mit den Folgen ungelöster Geschichte, anhaltender Gewalt und politischer Instabilität zu leben. Für uns ist Krieg nicht einfach etwas, das der Vergangenheit angehört; er prägt das tägliche Leben weiterhin auf sehr konkrete Weise. Er bleibt präsent in Erinnerung, Politik, Architektur, Sprache, Angst, Unsicherheit und zwischenmenschlichen Beziehungen. Diese persönliche Erfahrung prägt unweigerlich die Art und Weise, wie ich mich in der Oper mit Geschichte, Gewalt, Nationalismus und kollektivem Gedächtnis auseinandersetze.
Die Oper bedient sich zudem mehrerer Sprachen, darunter Armenisch, Griechisch, Kurdisch, Türkisch, Deutsch, Französisch und Englisch. Diese Geschichte kann nicht nur einer Stimme oder einer Perspektive gehören. Das Nebeneinander der Sprachen spiegelt das Nebeneinander von Erinnerungen, Identitäten, Kulturen und historischen Erfahrungen wider. In vielerlei Hinsicht wird die Sprache selbst zu einer Form der Erinnerung.
Kunst kann historische Gewalt nicht wiedergutmachen oder historisches Leid auslöschen. Sie kann jedoch einen Raum schaffen, in dem sich die Menschen mit der Komplexität auseinandersetzen, anstatt die Geschichte auf Slogans, Vereinfachungen oder Schweigen zu reduzieren. Für mich bleibt dies eine der wesentlichen Aufgaben der Oper und der Kunst im Allgemeinen.
Die Oper Atatürk zu schreiben, ist für mich keine leichte Aufgabe, weder emotional noch historisch. Gerade deshalb halte ich sie für wichtig. Wir können schwierige oder umstrittene Persönlichkeiten nicht einfach aus der Geschichte auslöschen, nur weil sie uns heute Unbehagen bereiten. Wir müssen versuchen, uns der Geschichte ehrlich zu stellen, auch wenn sie schmerzhaft ist.
Diese Oper ist kein Versuch, endgültige Antworten oder moralische Urteile zu liefern. Vielmehr ist sie ein Versuch, Fragen zu stellen, verschiedene Perspektiven aufzuzeigen und einen Raum zu schaffen, in dem Komplexität und Widersprüche ohne Vereinfachung existieren können.
Die Welt von heute erinnert uns ständig daran, dass unbewältigte Geschichte in unterschiedlichen Formen wiederkehrt. Wenn ich sehe, wie sich Kriege, Nationalismus, Gewalt, Vertreibung und politische Polarisierung um uns herum entfalten, spüre ich die Notwendigkeit, zurückzublicken und zu versuchen zu verstehen, wie Gesellschaften an solche Momente gelangen. Das Ignorieren der Geschichte heilt keine Wunden, und Schweigen beseitigt kein Trauma. Zurückblicken mag unangenehm sein, aber es ist notwendig.
Es ist unmöglich, sich einer Persönlichkeit wie Atatürk zu nähern, ohne dabei in den politischen Bereich vorzudringen. Gleichzeitig ist das Ziel dieser Arbeit weder politische Propaganda, noch soll sie Helden oder Feinde schaffen. Was mich interessiert, sind menschliche Widersprüche, historische Komplexität und die Spannung zwischen Idealen, Modernisierung, Macht und Gewalt.
Die Oper lässt Emotionen, Erinnerungen, Ängste und Widersprüche gleichzeitig nebeneinander bestehen. Deshalb halte ich sie für eine geeignete künstlerische Form für dieses Thema.
Das Ziel dieser Arbeit ist es nicht, jemanden zu beleidigen oder eine Gemeinschaft, Identität oder kollektives Gedächtnis anzugreifen. Ich verstehe, dass diese Themen für viele Menschen zutiefst emotional und persönlich sind, und ich verstehe auch, dass das historische Gedächtnis von verschiedenen Gemeinschaften und Individuen unterschiedlich erlebt wird. Der Zweck der Oper ist es, einen Raum für Reflexion und Dialog zu schaffen, nicht, die Diskussion zu beenden oder eine einzige Interpretation aufzuzwingen.
Ich glaube, dass umstrittene historische Persönlichkeiten oft die tiefsten Widersprüche innerhalb von Gesellschaften und in der Geschichte selbst offenbaren. Es ist relativ einfach, über Geschichte zu sprechen, wenn alles klar und unproblematisch erscheint. Weitaus schwieriger – und vielleicht auch notwendiger – ist es, sich mit Persönlichkeiten und Geschichten auseinanderzusetzen, die die Menschen emotional, politisch und kulturell nach wie vor spalten.
Mein eigener Hintergrund beeinflusst die Arbeit unweigerlich. Aus dem Libanon zu stammen bedeutet, täglich mit den Folgen ungelöster Geschichte, anhaltender Gewalt und politischer Instabilität zu leben. Für uns ist Krieg nicht einfach etwas, das der Vergangenheit angehört; er prägt das tägliche Leben weiterhin auf sehr konkrete Weise. Er bleibt präsent in Erinnerung, Politik, Architektur, Sprache, Angst, Unsicherheit und zwischenmenschlichen Beziehungen. Diese persönliche Erfahrung prägt unweigerlich die Art und Weise, wie ich mich in der Oper mit Geschichte, Gewalt, Nationalismus und kollektivem Gedächtnis auseinandersetze.
Die Oper bedient sich zudem mehrerer Sprachen, darunter Armenisch, Griechisch, Kurdisch, Türkisch, Deutsch, Französisch und Englisch. Diese Geschichte kann nicht nur einer Stimme oder einer Perspektive gehören. Das Nebeneinander der Sprachen spiegelt das Nebeneinander von Erinnerungen, Identitäten, Kulturen und historischen Erfahrungen wider. In vielerlei Hinsicht wird die Sprache selbst zu einer Form der Erinnerung.
Kunst kann historische Gewalt nicht wiedergutmachen oder historisches Leid auslöschen. Sie kann jedoch einen Raum schaffen, in dem sich die Menschen mit der Komplexität auseinandersetzen, anstatt die Geschichte auf Slogans, Vereinfachungen oder Schweigen zu reduzieren. Für mich bleibt dies eine der wesentlichen Aufgaben der Oper und der Kunst im Allgemeinen.
Über den Komponisten
Bassem Akiki ist ein libanesisch-polnischer Dirigent und Komponist. Sein Debüt als Dirigent gab er im Alter von 24 Jahren mit La traviata an der Opera Wrocławska, wo er bis 2013 als Erster Kapellmeister tätig war. Jüngst gastierte er an der Dutch National Opera, an der Philharmonie de Paris, beim Festival d’Aix-en-Provence, am Teatr Wielki Opera Narodowa sowie an der Sinfonia Varsovia. Zu seinen jüngsten Produktionen zählen We Are the Lucky Ones von Philip Venables sowie Animal Farm von Alexander Raskatov an der Dutch National Opera. Die letztere wurde 2023 mit dem OPER! Award als Uraufführung des Jahres ausgezeichnet. Regelmäßig arbeitet er am La Monnaie/De Munt, wo er die Uraufführungen von Björks Medúlla, Orfeo & Majnun (ebenso beim Festival d’Aix-en-Provence), Mark Greys Frankenstein sowie zuletzt Philippe Boesmans’ On purge bébé. Zuletzt debütierte Akiki bei der Warsaw Philharmonic, dem Rotterdam Philharmonic Orchestra, dem Netherlands Philharmonic Orchestra, der Royal Danish Opera sowie der Finnish National Opera. Neben seiner Tätigkeit als Dirigent beschäftigt sich Akiki wissenschaftlich mit der Musik des Ostens und des Westens sowie deren gegenseitiger Beeinflussung und hält Vorträge zu diesem Thema. An der Staatsoper Stuttgart übernimmt er 2026/27 die Musikalische Leitung seiner Uraufführung Atatürk.
Der Komponist und Dirigent Bassem Akiki
© Ksawery Zamoyski
© Ksawery Zamoyski
Bassem Akiki/Olga Bach
Atatürk
Die Legende von Mustafa Kemal