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10.07.2026 Wir trauern um Pia Liebhäuser

Wir trauern um Pia Liebhäuser

Rund 25 Jahre war die Altistin Pia Liebhäuser Mitglied des Staatsopernchors Stuttgart. Am 1. Juli ist unsere Kollegin verstorben. Ein Nachruf von Intendant Viktor Schoner.
Wie sehr uns ein Opernchor faszinieren kann, wissen wir alle aus unzähligen Opernerlebnissen: Große Tableaus und emotionale Finali überwältigen uns oft. Die Qualität eines Opernchores aber, und insbesondere die des Staatsopernchores Stuttgart, zeichnet sich aus durch die individuelle Besonderheit der 75 Künstlerpersönlichkeiten, die sich zu einem Ganzen zusammenfinden, ohne ihr Eigenes zu verlieren. Das gilt natürlich für die klangliche Verschmelzung dieser verschiedenen Stimmen, das gilt aber auch für das szenische Zusammenspiel untereinander und die Interaktion mit den Solistendarsteller*innen, die alle gemeinsam auf der Bühne Geschichten erzählen. Und das gilt natürlich auch für das Zusammenleben hinter der Bühne. Jeden Tag trifft man sich zu Proben, fast jeden Tag zu Vorstellungen im Opernhaus. Da ist das gute menschliche Miteinander die Basis einer jeden künstlerischen Hochleistung.

Pia Liebhäuser war seit dem 1. September 2001 als Altstimme festes Mitglied des Staatsopernchores. In den vergangenen 25 Jahren hat Pia Liebhäuser Abend für Abend auf der Bühne der Littmann-Oper gestanden und dazu beigetragen, große Emotionen zu er-singen. Sie hat zu unvergesslichen Opernabenden beigetragen als aktive Persönlichkeit des Kollektivs. Aber Pia Liebhäuser hat tatsächlich auch als Solistin immer wieder ihre künstlerische Klasse bewiesen. Unvergesslich ihre Abende als Kate Pinkerton in Monique Wagemakers’ legendärer Inszenierung von Madama Butterfly, in der sie verloren in einem leeren Bühnenraum die Verlassenheit einer amerikanischen, nicht unbedingt Glück ausstrahlenden, kinderlosen Ehefrau verkörperte. Aber auch ihr Einsatz als Mutter in Martin Kušejs berühmter Inszenierung von Die Gezeichneten, als Alisa in Lucia di Lammermoor, oder in der kleinen Gruppe der Brautjungfern im Freischütz, als Edelknabe im Lohengrin, als Blumenmädchen im Figaro oder eine der „Lehrbübinnen“ in der aktuellen Meistersinger-Inszenierung von Elisabeth Stöppler bleiben in Erinnerung.

Man spricht ja manchmal von der „Theaterfamilie“; treffender ist der Begriff des „Theaterdorfes“: Jeden Tag treffen sich hier Musikerinnen und Sänger auf der Bühne, und hinter der Bühne gibt es Kantinenköche, Garderobendamen, Maskenbildner, Gewandmeisterinnen, Schreiner, Schlosserinnen, Rüstmeister, Buchhalterinnen, Türsteher, Beleuchterinnen und so weiter und so fort. Alle diese Mitarbeitenden am Kraftwerk der Gefühle haben es die letzten 25 Jahre als selbstverständlich angesehen, Pia Liebhäuser „in ihrem Dorf“ zu wissen.

Am 1. Juli 2026 ist Pia Liebhäuser verstorben. Wir werden sie niemals mehr begrüßen dürfen in ihrem Dorf. Unsere Gedanken sind bei allen, die Pia Liebhäuser nahe standen, ganz besonders und von Herzen bei ihrer Familie.

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