La fanciulla del West – <br>Das Mädchen aus dem goldenen Westen

GIACOMO PUCCINI
1910 erblickte der erste Italo-Western das Licht der Opernwelt. Puccini schrieb, nachdem er drei Jahre geschwiegen hatte, die italienische Version eines Broadwayerfolgs von David Belasco. Die Story beruht auf einer authentischen Begebenheit aus der Zeit des Goldrausches. Sie berichtet von Männern, die nach Gold suchen - keine Verbrecher, sondern einfache Leute und Bürger. Inmitten der Männer Minnie: der Engel, die Muse und Lehrerin. Neben ihr das Gesetz, Sheriff Jack Rance. Sie alle wollen Minnie. Ihr Herz aber schlägt für Dick Johnson, der als angeblicher Bandit Ramerrez sein Unwesen treibt...
Doch die Westernstadt ist bloß Kulisse und ihre Bewohner sind alles andere als egoistische Desperados. Puccini beschwört einmal mehr die heile Welt der Bürgerlichkeit. Diese gipfelt in der Figur Minnies, die in jedem und allem das Gute sieht und ihr Heil in der romantischen Liebesheirat mit Johnson sucht. Sie rettet die Männer vor dem Unheil des Goldes und gewinnt am Ende in einer Apotheose der Liebe. Es ist die erste Oper nach BOHÈME, TOSCA und BUTTERFLY, für die Puccini ein Happy End schrieb. Die Partitur nähert sich dem Klang Debussys, Dukas' und Massenets, indem sie dem Orchester ein reiches Klangspektrum verleiht und durch den Verzicht auf das Primat der Arien eine moderne Sprachbehandlung vollzieht.

Unter dem Dirigat des Puccini-Spezialisten Shao-Chia Lü wird sich der katalanische Regisseur Calixto Bieito nach seinen Arbeiten in Hannover, Berlin, Frankfurt und dem großen Erfolg seiner "Jenůfa"-Inszenierung im Januar 2007 in Stuttgart mit diesem ‚dramatischen Scherzo' dem Stuttgarter Publikum erneut präsentieren.
Ab der zweiten Vorstellung bietet eine Abendeinführung die Möglichkeit, im Vorfeld Einblicke in die Produktion zu gewinnen.
Libretto von Guelfo Civinini und Carlo Zangarini nach dem Schauspiel the girl of the golden west
von David Belasco
„Bieito ist ein frappierendes Vexierbild gelungen: Obligate Drastik verbindet sich mit Spielcharakter, Fiktion bannt möglichen Kitsch. Es imponiert, wie es Bieito gelingt, das Ensemble zur Identifikation mit seinen Ideen zu bringen und enorme Typenvielfalt zu zeigen.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung
01.01.2000
„Shao-Chia Lü lieferte im Graben den großen Puccini-Ton in aller Farbigkeit und ohne falsche Zurückhaltung. Die attraktive Natalia Ushakova als Minnie warf sich in die stimmlichen Herausforderungen der Partie mit allem Risiko. Sowohl Ki-Chun Park als Dick Johnson als auch Tito You als Jack Rance beeindrucken mit ihrem Belcanto-Standvermögen an der Spitze eines spielfreudigen Ensembles.“
Frankfurter Rundschau
01.01.2000