Falstaff

von Giuseppe Verdi
Oper in drei Akten
Libretto von Arrigo Boito
Nach Heinrich IV. und Die lustigen Weiber von Windsor von William Shakespeare
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Falstaff ist ein Schlitzohr, das nur eins im Sinn hat: Wein, verheiratete Frauen und Geld. Und weil er so besessen davon ist, betrügt er, was das Zeug hält – mit mäßigem Erfolg. Nachdem er mindestens einmal aus dem Fenster gefallen ist, muss er feststellen, dass eigentlich er der von den Frauen Genasführte ist. Das hat zur Folge, dass in dieser Komödie einzig das junge Paar Nannetta und Fenton sein Glück findet. „Überall in der Welt nur Jux und Dollerei!“ – damit endet die Oper. Und die Inszenierung von 2013 gibt damit erneut die geordneten Verhältnisse zum Abschuss frei.
Ort
Opernhaus
Dauer
I. und II. Akt: ca. 1 Std. 25 Min.
- Pause (nach dem II. Akt): ca. 25-30 Min. -
III. Akt: ca. 45 Min
Uraufführung
1893 in Mailand

Premiere dieser Produktion
2013
Altersempfehlung
ab Klasse 8
45 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Einführung im Foyer I. Rang statt.
Handlung
Erster Akt
Sir John Falstaff, leicht heruntergekommener Ritter am Rande seiner besten Jahre, hat es von den Hurenhäusern Londons nach Windsor in ein Gasthaus verschlagen: Zur Geldbeschaffung braucht er hier eine andere Taktik als die grobe, die er mit seinen Kumpanen Bardolfo und Pistola bisher praktizierte. Er hat eine Idee. Bei guten Bürgern verwalten die Frauen das Geld. So ließe sich das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Aber zuerst muss Falstaff Dr. Cajus‘ nicht unbegründete Diebstahlsvorwürfe gegen seine Kumpane aus der Welt schaffen. Danach geht es gleich zur Sache: es sind zwei Briefe an die Damen Alice Ford und Meg Page zu überbringen. Bardolfo und Pistola weigern sich aus Gründen der Ehre. Was Falstaff in Rage bringt. Die beiden werden gefeuert. Der Wirt übernimmt die Zustellung.

Die beiden Damen Alice und Meg treffen sich, mit dabei: Miss Quickly, ein mit allen Wassern gewaschenes Faktotum, sowie Alices Tochter Nannetta. Man entdeckt, dass die erhaltenen Liebesbriefe im Wortlaut identisch sind. Die Frauen beschließen, sich an Falstaff zu rächen. Bardolfo und Pistola versuchen weiter mitzumischen und agieren als Zuträger für Alices Gatten Ford; Dr. Cajus, den Ford als Bräutigam für seine Tochter ausersehen hat, ist auch schon da; Nannettas junger Verehrer Fenton versucht ebenfalls zu punkten. Alles geht ziemlich durcheinander, schließlich wollen die Männer nicht nur Falstaff hereinlegen – sondern auch Alice. In der allgemeinen Verwirrung können die beiden jungen Leute Fenton und Nannetta zwischendurch von ihrer Liebe singen.

Zweiter Akt
Bardolfo und Pistola kehren zu Falstaff zurück. Miss Quickly erzählt Falstaff, was er hören möchte: Dass beide Frauen in ihn verliebt seien und dies vor einander geheim hielten; leider könne nur Alice zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags einen Termin für ihn finden. Gleich danach taucht Ford auf, der unter Einsatz einer großen Flasche Wein und viel Geld unter dem Namen Fontana sein etwas absurdes Anliegen vorbringt: Er sei unglücklich in Alice verliebt, die die allzu Keusche gebe; indem Falstaff sie verführe, käme er, Fontana, nach diesem Präzedenzfall vielleicht leichter zum Zuge. Falstaff verrät, dass dies kurz vor der Erledigung stehe. Es folgt ein Eifersuchtsausbruch Fontana-Fords im tragischen Stil.

Die vier Frauen bereiten alles für den Empfang Falstaffs vor. Meg soll in das Rendezvous in gespielter Aufregung herein platzen, damit Falstaff – auf vermeintlicher Flucht vor dem eifersüchtigen Gatten – in einem Wäschekorb landet, in dem ausgemusterte Wäschestücke auf die Entsorgung in der Themse warten. Darüber hinaus haben sich die Frauen noch eine zweite Aufgabe gestellt: die von Ford geplante Verheiratung Nannettas mit Cajus zu verhindern.
Falstaff kommt, ein Charmeur der alten Schule. Alice provoziert ihn, über Meg herzuziehen. Miss Quickly und Meg stürzen dazwischen und spielen Aufregung. Falstaff versteckt sich hinter einem Paravent. Doch plötzlich ist die Aufregung echt: Ford, die anderen Männer und einige Nachbarn stürmen auf der Suche nach Falstaff das Haus. Dem gelingt es, im Korb zu verschwinden. Das Liebespaar bemächtigt sich des Paravents. Als die Männer von dort einen Kuss hören, glauben sie Falstaff und Alice in flagranti zu ertappen; dass es Fenton und Nannetta sind, freut Cajus und Ford ebenso wenig. Im folgenden Durcheinander lässt Alice Falstaff aus dem Fenster in den Fluss werfen und demonstriert so ihrem Mann ihr Desinteresse an dem Ritter.

Dritter Akt
Falstaff ist tief verletzt, kommt aber durch warmen Wein wieder ins Gleichgewicht. Zwischen den Akten muss es eine Aussprache im Hause Ford gegeben haben: denn nun wollen die Frauen und Männer von Windsor Falstaff gemeinsam bloßstellen. Miss Quickly gelingt es, Falstaff von der Unschuld Alices an seinem schmerzhaften Sturz zu überzeugen, und kann ihn, der sich als Schwarzer Jäger (ein Hirschgeweih auf den Kopf) verkleiden soll, zu einem mitternächtlichen Stelldichein mit Alice in die verfluchte Gegend der Herne-Eiche zu locken.

Die Bewohner Windsors verabreden ihre jeweiligen Verkleidungen. Ford nimmt Cajus beiseite und schärft ihm ein, sich die Verkleidung Nannettas zu merken und sich ihr nachts zu nähern, er, Ford, werde dann die Eheschließung überfallartig besiegeln. Zum Glück hat Quickly mitgehört. Fenton ergeht sich in Wehmut, bevor er von den Frauen mit den notwendigen Anweisungen versehen wird.

Falstaff kommt. Alice und Meg machen ihn etwas konfus. Nannetta als Elfenkönigin stört die Dreisamkeit. Der Spuk hat begonnen. Die Männer kommen dazu, inszenieren einen Exorzismus und enttarnen Falstaff. Ford möchte das Paar Cajus-Elfenkönigin trauen. Alice bittet auch für ein zweites vermummtes Paar um seinen Segen. Ford geht darauf ein. Als die Schleier gelüftet werden, entdeckt man an Cajus‘ Hand unter dem Schleier der Elfenkönigin Bardolfo. Nannetta und Fenton sind Mann und Frau. Finale: Alles ist Spaß auf Erden oder aber auch: Alles ist Schurkerei auf Erden.
Libretto
Den gesamten Text der Oper in deutscher Übersetzung finden Sie hier:

Audio-Einführung

Trailer

Bildergalerie

Andrea Moses‘ ‚Falstaff‘ ist kurzweilig und mit Pfiff inszeniert, mit genau der richtigen Prise Humor gewürzt und es gelingt ihr, auch die tragischen Momente perfekt einzufangen.“

„Nach knapp drei Stunden applaudiert das Stuttgarter Opernpublikum begeistert zu diesem rundum gelungenen Opernabend, der Lust macht auf mehr.“

Gelungene Inszenierung mit Pfiff von Helga Spannhake
BR KLASSIK
21.10.2013
„(Andrea Moses entfacht) auf der Bühne genau das quirlige Spektakel, das diese Oper benötigt (…)."
Die ganze Welt ist eine Posse von Rainer Zerbst
Deutschlandradio Kultur „Fazit“
20.10.2013
„(Das) Staatsorchester Stuttgart ist wach wie eine Kolonie von Insekten an einem sonnigen Tag, und man kann über die vielen flinken Finger, Münder, Zungen und flitzenden Gedanken im Orchestergraben nur staunen.“
„Erbärmliche Welt" von Jürgen Holwein
Stuttgarter Nachrichten
22.10.2013