Don Carlos

von Giuseppe Verdi
Oper in fünf Akten
Libretto von François Joseph Pierre Méry und Camille du Locle
nach dem dramatischen Gedicht Don Karlos, Infant von Spanien von Friedrich Schiller und dem Drama Philippe II., roi d’Espagne von Eugène Cormon
In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Die Geschicke gekrönter Häupter waren schon lange vor den Skandalen der Boulevardpresse alles andere als Privatsache. Kein Ort zeigt dies so deutlich, wie das Schlafzimmer der absolutistischen Souveräne, wo die privateste morgendliche Verrichtung zur Staatsangelegenheit wird. Von Gottes Gnaden an die Spitze des Staates gesetzt, presst das Hofzeremoniell die Körper, die Verletzlichkeit, die intimsten Regungen der Herrschenden ins stahlharte Korsett der Öffentlichkeit. Der Machtskeptiker Giuseppe Verdi komponierte 1867 für Paris Don Carlos im historisierenden Stil des kurz zuvor verstorbenen Stars der Grand Opéra, Giacomo Meyerbeer. Spektakel und Drama verbinden sich zur bereits anachronistischen Großform, die den Menschen im gigantischen Getriebe des Machterhalts zerreibt. Die Daueröffentlichkeit des Spiels um Thronfolger Carlos, dessen Verlobte Elisabeth zu seiner Stiefmutter wird, und den der vermeintlich stille Revolutionär Posa zum Konflikt mit König Philipp anstachelt, ist doppelt gerahmt durch die Legitimation der spanischen Herrschaft aus dem katholischen Glauben. Friedrich Schiller ließ schon in seinem Don Karlos den Großinquisitor Nachtschwärze ins zaghafte Licht der Gedanken einer jungen Generation gießen, die sich nichts wünscht, als Freiheit für die Massen. Obskurantismus nennt man das, ein bewusstes Verdunkeln geistigen Fortschritts.
Regisseurin Lotte de Beer blickt mit Don Carlos in eine vielleicht nicht allzu ferne Zukunft, in der ein neuer Gottesstaat entsteht. Ein Regime der Angst stellt sicher, wessen Leben als politische Verhandlungsmasse verfügbar ist und wessen Leben um jeden Preis geschützt werden muss.

Ort
Opernhaus
Dauer
I.+II. Akt: ca. 1 h 35 min
Pause: ca. 25 min
III. Akt: ca. 45 min
Pause: ca. 25 min
IV.+V. Akt: ca. 1 h 15 min

Die Einführung findet 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Foyer I. Rang statt.

Uraufführung
1867 in Paris
Revidierte Fassung von 1886 mit Ergänzungen aus der Pariser Urfassung

Premiere dieser Produktion
27. Oktober 2019
Altersempfehlung
ab Klasse 9
Okt 2019
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

So
27
17:00 – 21:45
Besetzung
Nov 2019
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Fr
1
16:00 – 20:45
Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

So
3
16:00 – 20:45
Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Fr
8
17:00 – 21:45
Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

So
10
16:00 – 20:45
Besetzung
Mär 2020
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Besetzung
Musikalische Leitung Georg Fritzsch
Regie Lotte De Beer
Bühne & Kostüme Christof Hetzer
Licht Alex Brok
Chor Manuel Pujol
Dramaturgie Franz-Erdmann Meyer-Herder, Peter Te Nuyl
Kampfchoreograf Ran Arthur Braun
Philipp II. Goran Jurić
Don Carlos Massimo Giordano
Marquis von Posa Serban Vasile
Der Großinquisitor Falk Struckmann
Ein Mönch N.N.
Elisabeth von Valois Olga Busuioc
Prinzessin Eboli Ksenia Dudnikova
Thibault, Page Elisabeths Carina Schmieger
Eine Stimme vom Himmel Claudia Muschio
Graf von Lerma / Ein königlicher Herold Christopher Sokolowski
Staatsopernchor Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Besetzung
Apr 2020
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Besetzung
Das Stück in Kürze
Eine geplante Hochzeit als Besiegelung politischen Friedens zwischen zwei Reichen: Die französische Prinzessin Elisabeth von Valois soll eigentlich mit dem spanischen Kronprinzen Carlos verheiratet werden. Als dessen Vater, König Philipp II., seinem Sohn jedoch die Braut quasi vor der Nase „wegheiratet“, setzt sich die schicksalhafte Handlung in Gang. Carlos weiß nicht, wohin mit sich, und wird dadurch anfällig für die revolutionären Einflüsterungen seines einzigen Freundes Rodrigo, Marquis von Posa. Er soll als neuer Schutzpatron der Protestanten Flanderns gegen seinen Vater antreten, der die dortigen Minderheiten im Namen des katholischen Glaubens unterdrückt. Dass Carlos nicht von seiner Obsession für sie lassen kann bringt wiederum die Königin in Bedrängnis. Philipp macht Posa in einer überraschenden Wendung zu seinem engsten Vertrauten, weil dieser als einziger im Reich den Mut hat, ihm gegenüber seine Meinung zu sagen. Der König jedoch steht unter dem Einfluss der Inquisition, und so wird privater Ungehorsam gleichzeitig auch zum politischen Akt gegen König, Staatsgewalt, und den richtigen Glauben. Am Ende kann sich niemand gegen das Regime der Angst behaupten, das die Inquisition aufrechterhält: Posa, Carlos und Elisabeth werden im Getriebe der Macht zerrieben.
Handlung
Erster Akt


Im Wald von Fontainebleau
Frankreich und Spanien schließen nach langem Krieg Frieden: Prinzessin Elisabeth von Valois soll den spanischen Thronfolger heiraten. Im Wald vor dem Schloss Fontainebleau verirrt sie sich und begegnet einer Volksmenge, der sie verspricht, Not und Elend seien bald vergessen. Kronprinz Carlos von Spanien ist heimlich mit einer Delegation angereist, um seine Braut mit eigenen Augen zu sehen. Sie begegnen sich im Wald und träumen von der Zukunft. Kanonenschüsse verkünden den Frieden, doch Elisabeth wird überraschend als Königin angesprochen – König Philipp II. hält statt des Sohnes um ihre Hand an. Das Volk fleht sie an, einzuwilligen, was sie schweren Herzens tut. Carlos‘ Geliebte wird als künftige Stiefmutter fortgeführt.

Zweiter Akt


Im Kloster von Yuste
Carlos kann dies nicht vergessen, er ist schwermütig. Er begegnet im Kloster von Yuste einem Mönch, in dem er den Geist seines Großvaters, Kaiser Karls V., zu erkennen meint. Dieser predigt vom menschlichen Unvermögen, mit Macht umzugehen. Rodrigo, Marquis von Posa, findet seinen verstörten Freund Carlos. Er drängt ihn, sich statt auf seine unglückliche Liebe auf die Verteidigung der vom katholischen Spanien unterdrückten protestantischen Minderheit in Flandern zu konzentrieren.

Ein heiterer Ort vor den Toren des Klosters von Yuste
Die Prinzessin Eboli klagt im Kreise der Hofdamen der Königin über Langeweile. Als die Königin aus dem Kloster tritt, kommt Posa mit einem Brief für sie vom französischen Hof – ein Vorwand: Er ist von Carlos, der sie sprechen will, Posa bittet die Königin um diesen Gefallen für den Prinzen. Eboli glaubt, Carlos sei heimlich in sie verliebt. Elisabeth entlässt ihre Damen und empfängt ihn. Carlos bittet sie, Einfluss auf seinen Vater zu nehmen, um ihn nach Flandern zu schicken. Dann sinkt er ihr halb im Delirium zu Füßen. Als sie sich gerührt zu ihm beugt, fällt er ihr um den Hals. Entsetzt stößt sie ihn zurück, er läuft verstört davon. Als der König Elisabeth entgegen aller Vorschriften alleine antrifft, verbannt er zur Strafe ihre engste Vertraute. Er hält Posa zurück, den alleine er von seinen Granden noch nie empfangen hat. Posa nutzt den Augenblick: Philipp habe die Macht, den Massen Gedanken- und Religionsfreiheit zu geben – ein ketzerischer Wunsch. Beeindruckt von seinem Freimut macht Philipp Posa jedoch zu seinem engsten Vertrauten und warnt ihn vor dem Großinquisitor.

Dritter Akt

In den Gärten der Königin
Carlos trifft Eboli verschleiert. Zu spät erkennt er, dass es nicht Elisabeth ist, die ihn sehen will.

Erst glaubt Eboli, Carlos sei paranoid und warnt ihn vor Posas Vertrautheit mit dem König. Dann erkennt sie, dass er Elisabeth liebt. Posa tritt dazwischen und droht ihr. Sie bietet ihm kühn die Stirn. Einmal mit Carlos alleine, fordert Posa die Herausgabe aller belastenden Briefe, was Carlos im Glauben an ihre Freundschaft tut.

Ein großer Platz vor der Kathedrale Nostra Donna d’Atocha
In einem großen öffentlichen Autodafé sollen durch die Inquisition verurteilte Ketzer verbrannt werden. Carlos stürzt in Begleitung flandrischer Deputierter auf den König zu: er solle ihm die Protestantenfrage in den belgischen Besitzungen überlassen. Philipp weigert sich. Carlos zieht seinen Degen. Niemand wagt, ihn zu entwaffnen, außer Posa. Der König ernennt ihn zum Herzog, für Carlos zerbricht eine Welt.

Vierter Akt


Kabinett des Königs
Philipp glaubt sich von aller Welt verlassen und von seiner Frau betrogen. Der Großinquisitor warnt ihn vor Posa, dessen stille Rebellion gefährlicher sei als Carlos‘ Trotz. Als der König seinen  Vertrauten verteidigt, warnt der Inquisitor, auch Könige müssten sich in Spanien für die Verbreitung von Ketzertum verantworten. Elisabeth klagt Philipp den Diebstahl einer Schatulle, er reicht sie ihr und fragt, warum ein Portrait des Prinzen darin sei. Sie erklärt, Carlos sei schließlich einst ihr Verlobter gewesen – Philipp verliert die Beherrschung. Posa und Eboli eilen herbei, um der Königin zu helfen. Eboli gesteht, dass sie aus Rache die Schatulle gestohlen und sich dem König hingegeben hat, Elisabeth verbannt sie. Eboli beschließt, wenigstens Carlos vor dem Verderben zu retten.

Das Gefängnis von Carlos
Posa offenbart Carlos, er habe dessen Briefe als eigene ausgegeben und so das Urteil der Inquisition von ihm abgewendet. Er bittet ihn, den Befreiungskampf fortzusetzen, da trifft ihn ein Schuss. Philipp beklagt das Opfer. Eboli  führt das Volk im Ungehorsam. Carlos kann fliehen, doch der Aufstand wird vom Großinquisitor niedergeschlagen.

Fünfter Akt

Kloster von Yuste
Elisabeth und Carlos nehmen am Grab Karls V. Abschied. Sie macht ihm Mut: Auch wenn die Liebe zwischen ihnen Traum bleiben müsse, könne er Großes für Flandern tun. Philipp und die Inquisition überraschen die beiden. Doch bevor Carlos ergriffen werden kann, taucht der Geist Karls V. auf und zieht ihn in die Dunkelheit mit sich fort.
Audio-Einführung
Trailer
Fotogalerie
„Dieser ‚Don Carlos‘ gibt nicht nur viel zu hören, sondern auch zu denken.“
Stuttgarter Nachrichten
Susanne Benda, 27.10.2019
„Der Regisseurin [Lotte de Beer] gelingen faszinierende Charakterstudien bei ihrer Verdi-Deutung [...]. Die Düsternis ist von beklemmender Intensität.“
BR Klassik
Peter Jungblut, 28.10.2019
„Lotte de Beer gelingen faszinierende Bilder in diesem geradezu malerischen Hell-Dunkel.“
SWR2
Bernd Künzig, 28.10.2019
„Spannender, moderner, profilierter und doch ganz aus dem Stück selbst heraus entwickelt kann man Verdis ‚Don Carlos‘ kaum realisieren.“
Deutschlandfunk "Musikjournal"
Elisabeth Richter, 28.10.2019
„Einen Wohlfühlabend bietet dieser ‚Don Carlos‘ nicht, dafür große Sangeskunst und eine Inszenierung, die nachhallt.“
Heilbronner Stimme
Uwe Grosser, 29.10.2019
„Generalmusikdirektor Cornelius Meister [entfaltet] mit Orchester und Chor der Staatsoper Stuttgart eine Verdi-Partitur, deren Reichtum alle Fragen nach der Macht in dieser Oper aufhebt […]. Kein noch so leises Geigentremolo, kein Staccato, kein Tremolo, kein Crescendo entgeht Meister, mit hohem Spieltempo vermittelt er virtuos zwischen Liebenswürdigkeit, Triumphmusik, Fernorchester, dunklen Vibrationen, plötzlichen Explosionen, heiligem Zorn und spanischem Brío. Ihm würde man sogar Flanderns Rettung zutrauen.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Lotte Thaler, 30.10.2019
„Farbenreicher im Klang, wuchtiger in den Massenszenen und gleichzeitig filigraner in der Gestaltung kann man sich die Ausarbeitung dieser extrem anspruchsvollen Partitur kaum vorstellen. Dazu wird durchweg exzellent gesungen. [...] Insgesamt ein fulminanter Premierenauftakt in Stuttgart.“
Südkurier
Frank Armbruster, 30.10.2019
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