zurück
12.06.2026 Auf Wiedersehen in Stuttgart, Cornelius Meister!
Auf Wiedersehen in Stuttgart, Cornelius Meister!
Seit 2018 ist Cornelius Meister Generalmusikdirektor der Staatsoper und des Staatsorchesters Stuttgart. Mit den Sinfoniekonzerten am 21., 22. und 27. Juni verabschiedet er sich vorerst vom Stuttgarter Publikum und beendet damit gleichzeitig den Mahler-Zyklus. Ein ganz persönlicher Brief an „seine“ Stuttgarter*innen.
Verehrte Opern- und Konzertfreundinnen, verehrte Opern- und Konzertfreunde,
während wir tags Mahler musizieren und nachts davon träumen, schreibe ich Ihnen dies. Lassen Sie uns einen Moment innehalten und an das gemeinsam Erlebte der letzten acht Jahre zurückdenken.
Beginnend mit der Siebten im Oktober 2018, konnten Sie jedes Jahr eine seiner Sinfonien hören; jetzt, im Juni 2026, schließt sich der Kreis mit der Ersten, Sechsten und Neunten.
Viele von Ihnen werden sich erinnern: John Cages 4'33”, in denen kein einziger Ton erklingt, haben das Staatsorchester und ich damals, vor knapp acht Jahren, am Beginn unseres ersten gemeinsamen Konzerts aufgeführt, denn nur aus der Stille, dies meine Überzeugung, kann sich Klang entwickeln. Beenden werden wir unsere gemeinsame Zeit ebenfalls mit gespitzten Ohren, im „pianissimo possibile“ („so leise wie möglich“) am Ende von Mahlers Neunter, das sich am 27. Juni in die Schwingungen des Raumes auflösen wird.
Im Oktober 2018 stand auch Haydns frühe Sinfonie Le matin (Der Morgen) auf dem Programm. Daher ist es kein Zufall, dass wir nun, am 21. Juni, mit Le midi die zweite der drei „Tageszeiten“-Sinfonien spielen.
während wir tags Mahler musizieren und nachts davon träumen, schreibe ich Ihnen dies. Lassen Sie uns einen Moment innehalten und an das gemeinsam Erlebte der letzten acht Jahre zurückdenken.
Beginnend mit der Siebten im Oktober 2018, konnten Sie jedes Jahr eine seiner Sinfonien hören; jetzt, im Juni 2026, schließt sich der Kreis mit der Ersten, Sechsten und Neunten.
Viele von Ihnen werden sich erinnern: John Cages 4'33”, in denen kein einziger Ton erklingt, haben das Staatsorchester und ich damals, vor knapp acht Jahren, am Beginn unseres ersten gemeinsamen Konzerts aufgeführt, denn nur aus der Stille, dies meine Überzeugung, kann sich Klang entwickeln. Beenden werden wir unsere gemeinsame Zeit ebenfalls mit gespitzten Ohren, im „pianissimo possibile“ („so leise wie möglich“) am Ende von Mahlers Neunter, das sich am 27. Juni in die Schwingungen des Raumes auflösen wird.
Im Oktober 2018 stand auch Haydns frühe Sinfonie Le matin (Der Morgen) auf dem Programm. Daher ist es kein Zufall, dass wir nun, am 21. Juni, mit Le midi die zweite der drei „Tageszeiten“-Sinfonien spielen.
Ein Hoch auf das Repertoiresystem
In den Konzerten hat sich das Staatsorchester seit 2018 einem breiten Repertoire gewidmet: Sämtliche Sinfonien von Beethoven (mit Ausnahme der neunten – sie folgt in der kommenden Spielzeit), Mendelssohn, Schumann, Brahms, Mahler, außerdem zwölf Mozart- und vier Tschaikowsky-Sinfonien haben wir aufgeführt. Dazu gab es zahlreiche Uraufführungen und deutsche Erstaufführungen, aber auch selten zu hörende Werke von Komponistinnen und Komponisten aus aller Welt. Unsere Begeisterung für die aktuelle Kompositionsszene unterstreichen die jährlich wechselnden Composers in Residence. Die Früchte dieser breit angelegten und beharrlichen Beschäftigung konnten wir in der laufenden Spielzeit in künstlerisch beglückender und menschlich sehr enger und vertrauter Weise ernten.
Im Opernhaus haben wir sieben der zehn wichtigen Wagner'schen Musiktheater-Werke aufgeführt. (Der fliegende Holländer und Tristan und Isolde fielen Corona zum Opfer; für einen neuen Stuttgarter Tannhäuser wäre es mal wieder an der Zeit, nicht wahr?) Damit ließ sich unsere Ankündigung, am Ort des Winter-Bayreuth dieses Repertoire häufiger auf die Bühne zu bringen, in die Tat umsetzen. Mozart und Richard Strauss gehörten genauso selbstverständlich zu unseren engen Vertrauten wie, zu meiner persönlichen Freude, auch die Operette. Bei den Verdi- und Puccini-Abenden loderte italienisches Feuer im Opernhaus (ich denke besonders an Falstaff, La Bohème, Tosca und Madama Butterfly) – wenn nicht, natürlich!, seltener Gespieltes von Schönberg und Sciarrino, von Weill und Henze den Saal erfüllte.
Im Opernhaus haben wir sieben der zehn wichtigen Wagner'schen Musiktheater-Werke aufgeführt. (Der fliegende Holländer und Tristan und Isolde fielen Corona zum Opfer; für einen neuen Stuttgarter Tannhäuser wäre es mal wieder an der Zeit, nicht wahr?) Damit ließ sich unsere Ankündigung, am Ort des Winter-Bayreuth dieses Repertoire häufiger auf die Bühne zu bringen, in die Tat umsetzen. Mozart und Richard Strauss gehörten genauso selbstverständlich zu unseren engen Vertrauten wie, zu meiner persönlichen Freude, auch die Operette. Bei den Verdi- und Puccini-Abenden loderte italienisches Feuer im Opernhaus (ich denke besonders an Falstaff, La Bohème, Tosca und Madama Butterfly) – wenn nicht, natürlich!, seltener Gespieltes von Schönberg und Sciarrino, von Weill und Henze den Saal erfüllte.
In „seinem“ Orchetsergraben: Cornelius Meister bei einer Vorstellung von Richard Wagners Siegfried.
Denn Neues zu suchen und gleichzeitig die Tradition des Hauses zu ehren und zu pflegen, sind keine Gegensätze: Der Freischütz, die älteste Produktion im Repertoire der Staatsoper, stammt aus dem Jahr 1980, meinem Geburtsjahr. Damals fing gerade Dennis Russell Davies als Generalmusikdirektor an: Mit langen Haaren röhrte er auf seinem Motorrad gen Opernhaus und wurde vom Pförtner zunächst nicht hereingelassen … Zwanzig Jahre danach – Maestro Davies inzwischen mit schicker Glatze, ich hingegen, anders als heute, noch ohne graue Haare – war Cornelius sein Student am Mozarteum in Salzburg. Wiederum zwanzig Jahre später habe ich hier in Stuttgart voller Begeisterung die Inszenierungen der Ehrenmitglieder Jossi Wieler und Sergio Morabito dirigiert, deren Werke sich auch lange Zeit nach der Premiere weiterhin frisch präsentieren. Die Entführung aus dem Serail aber, in Hans Neuenfels' legendärer Inszenierung, steht in Stuttgart leider nicht mehr auf dem Spielplan; in einiger Zeit führe ich sie im Rahmen meiner Residenzen an der Wiener Staatsoper wieder auf, denn die Wiener haben diese Produktion vor einigen Jahren in ihr Repertoire integriert.
Häufig noch viel älter als die szenischen Produktionen sind die Stuttgarter Orchesternoten. Einige Einzeichnungen gehen auf Carlos Kleiber zurück, der von 1966 bis 1972 in Stuttgart Erster Kapellmeister war. So ist ein Repertoirehaus immer auch die Summe der Vergangenheit. Diesen Fundus mit Blick auf die Zukunft des Hauses und zum Wohle der nachfolgenden Generationen stetig zu erweitern, zu ergänzen, hier und da sicherlich auch gänzlich neue Akzente zu setzen, ist unser aller Aufgabe, gerade wenn wir, anders als Orchester- und Chormitglieder und viele Kolleginnen und Kollegen in der Administration und den technischen Abteilungen, nur für einen begrenzten Zeitraum einem Haus angehören.
Sämtliche Generationen sollen sich bei uns wohlfühlen. Daher habe ich nicht nur in den Sinfoniekonzerten mitgewirkt, sondern auch im Familienkonzert musiziert, zum Stummfilm (Charlie Chaplins Klassiker Gold Rush, City Lights und Modern Times waren unvergessliche Feste im Littmannbau), an Neujahr, auf dem Wasen, im Römerkastell, im Park der Villa Reitzenstein – um nur an einiges zu erinnern. Wie schön, dass wir es zahlreichen Menschen ermöglichen konnten, zum allerersten Mal in ihrem Leben ins Konzert oder in die Oper zu gehen!
Häufig noch viel älter als die szenischen Produktionen sind die Stuttgarter Orchesternoten. Einige Einzeichnungen gehen auf Carlos Kleiber zurück, der von 1966 bis 1972 in Stuttgart Erster Kapellmeister war. So ist ein Repertoirehaus immer auch die Summe der Vergangenheit. Diesen Fundus mit Blick auf die Zukunft des Hauses und zum Wohle der nachfolgenden Generationen stetig zu erweitern, zu ergänzen, hier und da sicherlich auch gänzlich neue Akzente zu setzen, ist unser aller Aufgabe, gerade wenn wir, anders als Orchester- und Chormitglieder und viele Kolleginnen und Kollegen in der Administration und den technischen Abteilungen, nur für einen begrenzten Zeitraum einem Haus angehören.
Sämtliche Generationen sollen sich bei uns wohlfühlen. Daher habe ich nicht nur in den Sinfoniekonzerten mitgewirkt, sondern auch im Familienkonzert musiziert, zum Stummfilm (Charlie Chaplins Klassiker Gold Rush, City Lights und Modern Times waren unvergessliche Feste im Littmannbau), an Neujahr, auf dem Wasen, im Römerkastell, im Park der Villa Reitzenstein – um nur an einiges zu erinnern. Wie schön, dass wir es zahlreichen Menschen ermöglichen konnten, zum allerersten Mal in ihrem Leben ins Konzert oder in die Oper zu gehen!
Auch zu Charlie Chaplins Stummfilm-Klassikern Gold Rush, City Lights und Modern Times wurde musiziert.
Als Liedbegleiter habe ich Schuberts Winterreise, Schwanengesang und Die schöne Müllerin sowie drei Spielzeiten lang Lieder von Robert und Clara Schumann genossen, wie ich ebenso leidenschaftlich die Kammermusikreihe des Staatsorchesters als Pianist unterstützt habe. Unabhängig davon, erhielt jedes neue Orchestermitglied die Einladung, dass wir uns am Beginn unserer Zusammenarbeit auf ein halbes Stündchen treffen, um zu zweit zu musizieren. Jede einzelne Persönlichkeit über die Musik näher kennenzulernen und gleichzeitig den neuen Kolleginnen und Kollegen, die aus aller Welt zu uns kommen, sofort einen herzlichen Empfang zu bereiten, ist mir ein zentrales Anliegen. Dass wir in Stuttgart Menschen aus unterschiedlichsten Ländern, Kulturen, Instrumentalschulen willkommen heißen, freut mich ganz besonders – wie auch ich mich als Neig'schmeckter hier willkommen fühle.
Auch die Liedbegleitung liegt Cornelius Meister besonders am Herzen. Hier gemeinsam mit Kammersängerin Diana Haller.
Höhepunkte der letzten Jahre waren unsere gemeinsamen Konzertreisen, die uns u. a. in die Kölner Philharmonie und an den Pariser Théâtre des Champs-Élysées führten. Gerade auf Gastspielen werde ich oft auf unsere CD- und DVD-Produktionen angesprochen: Ariadne auf Naxos (die auch in einer Liebhaber-Edition auf Schallplatte erschienen ist), Henzes Prinz von Homburg, die Martinů-Opern ...
Cornelius Meister kurz vor der Elektra-Vorstellung am Pariser Théâtre des Champs-Élysées.
Großen Spaß hatte ich an insgesamt mehreren hundert Einführungsveranstaltungen, Erklärkonzerten (einige davon sind nach wie vor auf Youtube verfügbar), öffentlichen Proben, Besuchen in Schulen sowie Schulklassen- und Kindergarten-Besuchen bei uns. Unvergessliche Gespräche folgten mit Kulturbegeisterten, die Musik und Theater bereits als Lebenselixier gefunden haben oder aber gerade dabei sind, diese Kunstformen für sich zu entdecken. Viele von ihnen unterstützen den Förderverein und den Freundeskreis der Staatsoper und des Staatsorchesters. Für ihr großzügiges Engagement, ohne das wir nicht auskämen, bin ich besonders dankbar.
Qualität als Richtschnur
Mitglieder unseres Gesangsensembles sind gefragte Gäste an den Opernhäusern in New York, Paris, Mailand und Wien. Wir sind stolz darauf, wenn sie diejenigen Partien, die sie hier in Stuttgart mit der Studienabteilung unter Alan Hamiltons hervorragender Leitung und gemeinsam mit den szenischen Kolleginnen und Kollegen erarbeitet haben, auch andernorts erfolgreich präsentieren. Häufig konnte ich auch selbst, am Klavier spielend, mit Sängerinnen und Sängern einzeln proben. Stundenlang musizieren dürfen – o namenlose Freude! Mitunter schmunzele ich daher, wenn manche glauben, ein Dirigent sei bei einer Opernvorstellung im Wesentlichen fürs Orchester zuständig. Nun ja, es ist das Privileg und die Aufgabe, den Abend zu leiten – an dem neben dem Orchester noch sehr viele andere Künstlerinnen und Künstler beteiligt sind, mit denen wir bereits lange proben, bevor das Orchester überhaupt dazukommt.
Cornelius Meister bei Proben zu Kurt Weills Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny.
Der Staatsopernchor, seit 2018 von Manuel Pujol geleitet, ist in bestechender Form. Was wäre daher naheliegender, als die Chormitglieder regelmäßig auch in Konzerten zu präsentieren? In denkwürdiger Erinnerung sind mir Mahlers zweite, dritte und achte Sinfonie in der Liederhalle und die Lunchkonzerte, an denen sich seit der Spielzeit 2023/24 auch der Staatsopernchor beteiligt. Wie schön, dass mein Wunsch, am 27. Juni Chor und Orchester einmal mehr ein gemeinsames Musizieren zu ermöglichen, dispositionell erfüllt wurde!
Innerhalb des Staatsorchesters haben wir es uns in den letzten acht Jahren zur Tradition gemacht, einige Wochen vor jedem Sinfoniekonzert und jeder Opern-Neuproduktion in kleinem Kreis, nur mit den Solostreichern, gemeinsam durch das Werk zu gehen. Ja, dabei tauschen wir uns auch ganz banal über Bogenstriche aus, über Auf- oder Abstrich – aber bei Weitem nicht nur. All das, wofür bei einer Tutti-Probe mit manchmal mehr als hundert Mitwirkenden keine Gelegenheit ist, kommt bei diesen Solostreicher-Proben zur Sprache. Jeder kann zu jedem Zeitpunkt unterbrechen und sich einbringen. Gleichermaßen qualitätsfördernd sind die Bläser- und die Streichergruppen-Proben, die ich immer wieder angesetzt habe. Wie musizieren wir miteinander? Wie hören wir aufeinander? Was ist unser Klang? Letztens sagte mir eine Besucherin, das Staatsorchester sei in blendender Verfassung: Dem kann ich nur zustimmen.
Innerhalb des Staatsorchesters haben wir es uns in den letzten acht Jahren zur Tradition gemacht, einige Wochen vor jedem Sinfoniekonzert und jeder Opern-Neuproduktion in kleinem Kreis, nur mit den Solostreichern, gemeinsam durch das Werk zu gehen. Ja, dabei tauschen wir uns auch ganz banal über Bogenstriche aus, über Auf- oder Abstrich – aber bei Weitem nicht nur. All das, wofür bei einer Tutti-Probe mit manchmal mehr als hundert Mitwirkenden keine Gelegenheit ist, kommt bei diesen Solostreicher-Proben zur Sprache. Jeder kann zu jedem Zeitpunkt unterbrechen und sich einbringen. Gleichermaßen qualitätsfördernd sind die Bläser- und die Streichergruppen-Proben, die ich immer wieder angesetzt habe. Wie musizieren wir miteinander? Wie hören wir aufeinander? Was ist unser Klang? Letztens sagte mir eine Besucherin, das Staatsorchester sei in blendender Verfassung: Dem kann ich nur zustimmen.
Kultur als gesellschaftliche Aufgabe
Seit nunmehr 21 Jahren leben meine Frau und ich in Baden-Württemberg, unsere Kinder sind hier geboren; vor neun Jahren, im Sommer 2017, sind wir nach Stuttgart gezogen. Unzählige Male haben wir das reichhaltige Kulturangebot der Stadt und der Region genossen, waren als Zuhörer in Konzerten des SWR Sinfonieorchesters und der Stuttgarter Philharmoniker, in Museen, im Kino, im Jazzclub, im Schauspiel, im Ballett. Auf die Kulturszene, gerade auch die Off-Szene, können Baden-Württemberg und seine Landeshauptstadt wirklich stolz sein!
Zeilen zur Verlängerung des Vertrages als Generalmusikdirektor der Staatsoper und des Staatsorchesters Stuttgart 2022.
Was leiten wir, die wir das von der Öffentlichkeit eingesetzte Geld in Töne, in Theater umwandeln dürfen, daraus ab? Vor allem: Fleißig sein. Jeden Tag aufs Neue nach Qualität streben, uns nicht zufrieden geben mit dem Erreichten, sämtliche künstlerischen Potenziale ausschöpfen und danach trachten, neue zu ergründen. Dabei gilt es stets, die mittel- und langfristige Zukunft im Blick zu behalten. Oft habe ich kurzfristige Misserfolge oder das Verlassen der Komfort-Zone in Kauf genommen, wenn mir dies notwendig erschien, um langfristig ein größeres Ziel zu erreichen. Das Glücksgefühl auf dem Gipfel erlangen wir nicht ohne vorherige Anstrengung und Fokussierung, aber am Ende lohnt sich die Mühe für alle – und wir werden unserer Verpflichtung gegenüber Werk und Publikum gerecht.
Eine wahre Schule des In-sich-hinein-Hörens und Nachdenkens über uns und die Welt (und gleichzeitig eine der herausforderndsten Aufführungsserien) war Isoldens Liebestod in Franz Liszts Klaviertranskription, die ich während der Corona-Zeit allein – ich möchte fast schreiben: einsam – auf der Hinterbühne der Staatsoper acht-, zehn-, zwölfmal hintereinander im Zehn-Minuten-Takt gespielt habe. Ebenso unvergesslich bleiben mir die 1:1-Konzerte, für die das Staatsorchester mit dem Sonderpreis „Innovation“ der Deutschen Orchesterstiftung ausgezeichnet wurde.
Eine wahre Schule des In-sich-hinein-Hörens und Nachdenkens über uns und die Welt (und gleichzeitig eine der herausforderndsten Aufführungsserien) war Isoldens Liebestod in Franz Liszts Klaviertranskription, die ich während der Corona-Zeit allein – ich möchte fast schreiben: einsam – auf der Hinterbühne der Staatsoper acht-, zehn-, zwölfmal hintereinander im Zehn-Minuten-Takt gespielt habe. Ebenso unvergesslich bleiben mir die 1:1-Konzerte, für die das Staatsorchester mit dem Sonderpreis „Innovation“ der Deutschen Orchesterstiftung ausgezeichnet wurde.
Musizieren auf Abstand während der Corona-Pandemie in der Stuttgarter Liederhalle.
Selbstverständlich haben wir uns auch über all die anderen zahlreichen Preise gefreut, mit denen unsere Arbeit in der letzten Zeit geehrt wurde. Die schönste Würdigung aber ist Ihr Besuch der Aufführungen. Im Vergleich zur Spielzeit 2018/19 kamen in der laufenden Spielzeit pro Sinfoniekonzert durchschnittlich rund 30 Prozent mehr Besucherinnen und Besucher in die Liederhalle. Gemeinsam mit den Opernaufführungen tragen die Konzerte dazu bei, dass die Plätze der Staatstheater so gut ausgelastet sind wie zuletzt vor mehr als 20 Jahren. Das Staatsorchester hat sich gleichermaßen als Opern-, Ballett- und Konzertorchester etabliert.
Teamgeist im weltweit größten Mehrspartenhaus
Unser starker Zusammenhalt ist dabei das A und O. Zwar wäre das Team der Staatstheater sicherlich auch ohne meine aktive Mitwirkung in der rechten Abwehr Deutscher Meister der Theater-Fußballmannschaften geworden, aber ich muss schon sagen, dass es ein erhebendes Gefühl ist, den riesigen Pokal gemeinsam hochzustemmen. Gänzlich anders, aber ebenso gemeinschaftsfördernd die 1. Schachmeisterschaft der Württembergischen Staatstheater, die wir 2025 ausgerichtet haben. Einen Mordsspaß brachte mir die Einladung, beim Neujahrskonzert 2020 in der Cellogruppe des Staatsorchesters sowie bei meiner Verabschiedung vom Opernhaus vor Kurzem in der Horngruppe mit meinen bescheidenen Fähigkeiten mitzuspielen. Darüber hinaus Sommerfeste, Ausflüge, Kantinenabende: Die Kolleginnen und Kollegen sind einfach spitze!
Deutscher Meister der Theater-Fußballmannschaften!
Auch wenn glücklicherweise so vorausschauend gewirtschaftet wurde, dass unser Haus nicht nur künstlerisch, sondern auch finanziell für die Zukunft gerüstet ist, werden die nächsten Spielzeiten wegen der Haushaltsentscheidungen des Stuttgarter Gemeinderats nicht einfach werden – und dabei denke ich noch gar nicht an die dringend nötigen Investitionen. Umso wichtiger ist deshalb das fest geknüpfte Band zwischen den Sparten, den Abteilungen und Gewerken.
So gilt mein Dank den vier Intendanten Viktor Schoner, Burkhard Kosminski, Tamas Detrich und Marc-Oliver Hendriks sowie den Orchestergeschäftsführerinnen Eva Bunte und Elisa Wickert, die in den vergangenen acht Jahren Höchstleistungen ermöglichten. Barbara Eckle, Otto Hagedorn und Claudia Jahn-Schuster konzipierten Lust-machende Konzertprogramme und brachten sie Ihnen im häufig überfüllten Silcher-Saal nahe. Meine Referentin Rebecca Röse ist die unverzichtbare Seele und das Herz des Ganzen. Ohne die erstklassige Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in der Notenbibliothek, den Orchesterinspektoren und Orchesterwarten (lassen Sie uns dies beim Applaus für diejenigen, die auf der Bühne sichtbar sind, nie vergessen!) wären wir nicht in der Lage, Ihnen auch nur eine einzige Note zu Gehör zu bringen.
Großes Glück hatte ich mit meinen Assistentinnen und Assistenten: Thomas Guggeis begeistert inzwischen das Frankfurter Publikum als dortiger Generalmusikdirektor; Sebastian Schwab macht international als Komponist Furore – dank seinem mehr als vierzig Mal aufgeführten Singspiel Der Räuber Hotzenplotz in Elena Tzavaras fulminanter Inszenierung bleibt er aber auch fest im Stuttgarter Gedächtnis; Killian Farrell feiert als Generalmusikdirektor in Meiningen Erfolge und geht, ebenfalls als GMD, nach Nürnberg; aktuell habe ich große Freude an Luka Hauser, der zur nächsten Spielzeit ans Nationaltheater Mannheim wechseln wird. Sie alle sind Nachfolger von Joana Mallwitz und Mirga Gražinytė-Tyla, welche die Position „Assistentin des GMD“ in meiner Heidelberger Zeit innehatten und heute zu den weltweit bedeutendsten Dirigentinnen ihrer Generation gehören.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Landtagspräsidentin Muhterem Aras und Staatssekretär Arne Braun haben in zahlreichen Gesprächen regen Anteil genommen und würden innerhalb der bundesdeutschen Politik bestimmt Spitzenplätze in einer Rangliste der häufigsten Opernbesucher einnehmen. Viel Schwung für die Kultur wünsche ich den Nachfolgern Cem Özdemir und Thomas Strobl sowie der neuen Staatssekretärin Nese Erikli, die gemeinsam mit der alten und neuen Ministerin Petra Olschowski nun in besonderer Weise Verantwortung für unser Haus trägt.
Wir alle freuen uns auf Nicholas Carter, der – 433 Jahre nach den Anfängen unter der Leitung unseres verehrten Vorgängers Balduin Hoyoul – im September den Taktstock übernehmen wird. Ihm ein herzliches Willkommen und Ihnen allen, liebe Opern- und Konzertfreundinnen, liebe Opern- und Konzertfreunde, meinen tiefen Dank für Ihre Begeisterung, Ihre Treue und Ihre Verbundenheit.
Ade!
Ihr Cornelius Meister
So gilt mein Dank den vier Intendanten Viktor Schoner, Burkhard Kosminski, Tamas Detrich und Marc-Oliver Hendriks sowie den Orchestergeschäftsführerinnen Eva Bunte und Elisa Wickert, die in den vergangenen acht Jahren Höchstleistungen ermöglichten. Barbara Eckle, Otto Hagedorn und Claudia Jahn-Schuster konzipierten Lust-machende Konzertprogramme und brachten sie Ihnen im häufig überfüllten Silcher-Saal nahe. Meine Referentin Rebecca Röse ist die unverzichtbare Seele und das Herz des Ganzen. Ohne die erstklassige Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in der Notenbibliothek, den Orchesterinspektoren und Orchesterwarten (lassen Sie uns dies beim Applaus für diejenigen, die auf der Bühne sichtbar sind, nie vergessen!) wären wir nicht in der Lage, Ihnen auch nur eine einzige Note zu Gehör zu bringen.
Großes Glück hatte ich mit meinen Assistentinnen und Assistenten: Thomas Guggeis begeistert inzwischen das Frankfurter Publikum als dortiger Generalmusikdirektor; Sebastian Schwab macht international als Komponist Furore – dank seinem mehr als vierzig Mal aufgeführten Singspiel Der Räuber Hotzenplotz in Elena Tzavaras fulminanter Inszenierung bleibt er aber auch fest im Stuttgarter Gedächtnis; Killian Farrell feiert als Generalmusikdirektor in Meiningen Erfolge und geht, ebenfalls als GMD, nach Nürnberg; aktuell habe ich große Freude an Luka Hauser, der zur nächsten Spielzeit ans Nationaltheater Mannheim wechseln wird. Sie alle sind Nachfolger von Joana Mallwitz und Mirga Gražinytė-Tyla, welche die Position „Assistentin des GMD“ in meiner Heidelberger Zeit innehatten und heute zu den weltweit bedeutendsten Dirigentinnen ihrer Generation gehören.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Landtagspräsidentin Muhterem Aras und Staatssekretär Arne Braun haben in zahlreichen Gesprächen regen Anteil genommen und würden innerhalb der bundesdeutschen Politik bestimmt Spitzenplätze in einer Rangliste der häufigsten Opernbesucher einnehmen. Viel Schwung für die Kultur wünsche ich den Nachfolgern Cem Özdemir und Thomas Strobl sowie der neuen Staatssekretärin Nese Erikli, die gemeinsam mit der alten und neuen Ministerin Petra Olschowski nun in besonderer Weise Verantwortung für unser Haus trägt.
Wir alle freuen uns auf Nicholas Carter, der – 433 Jahre nach den Anfängen unter der Leitung unseres verehrten Vorgängers Balduin Hoyoul – im September den Taktstock übernehmen wird. Ihm ein herzliches Willkommen und Ihnen allen, liebe Opern- und Konzertfreundinnen, liebe Opern- und Konzertfreunde, meinen tiefen Dank für Ihre Begeisterung, Ihre Treue und Ihre Verbundenheit.
Ade!
Ihr Cornelius Meister
6. Sinfoniekonzert(e)
Jun 2026
6. Sinfoniekonzert(e)
Besetzung
6. Sinfoniekonzert(e)
Besetzung
6. Sinfoniekonzert(e)
Besetzung