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22.01.2026 Howdy Stuttgart!
Michael Mayes ist in Stuttgart kein Unbekannter: Als Nixon, Saint François, Casanova, Alberich und Thoas begeisterte der texanische Bariton in den letzten Jahren bereits das Stuttgarter Publikum. Seit kurzem ist er fest im Ensemble der Staatsoper – und in diesem Beitrag stellt er sich vor.
Ich freue mich außerordentlich, in das Ensemble der Staatsoper Stuttgart aufgenommen worden zu sein, nachdem ich hier seit meinem Debüt im Jahr 2019 als Gastkünstler gearbeitet habe. Damals sang ich die Titelpartie in Nixon in China. Diese erste Zusammenarbeit markierte den Beginn einer Beziehung, die sich über die Jahre stetig vertieft hat, getragen von Vertrauen, gemeinsamer Neugier und der Bereitschaft, künstlerische Risiken einzugehen.

Ich bin in einer kleinen Stadt in Texas namens Cut and Shoot aufgewachsen. Die Oper als Kunstform hätte kaum weiter entfernt sein können von der Welt, in der ich groß geworden bin. Als Kind lebte ich in einem Trailer in den Kiefernwäldern Osttexas’, und ich hatte keinerlei Vorstellung davon, eines Tages ein Opernsänger zu werden. Namen wie Sherrill Milnes oder Robert Merrill spielten in meiner Jugend keine Rolle. Tatsächlich wusste ich bis zum College nicht einmal, was Oper überhaupt ist. Wenn Musik Teil meiner Zukunft sein sollte, dann waren Johnny Cash oder George Jones die Künstler, an denen ich mich orientierte.

Eine unerwartete Wendung ergab sich durch eine American-Football-Verletzung während meiner Schulzeit. Ich brach mir mehrere Finger an der linken Hand, wodurch ich den Schreibmaschinenunterricht vorübergehend nicht besuchen konnte. Diese Verletzung zwang mich in der neunten Klasse zu einer Entscheidung zwischen Theater und Chor. Ich entschied mich fürs Singen. Bis zum Ende meiner Schulzeit hatte ich den Football vollständig aufgegeben und schaffte es in den Texas All-State Choir, eine äußerst kompetitive Auszeichnung. Diese Leistung ermöglichte mir durch Stipendien als erstem Mitglied meiner Familie ein Universitätsstudium. Die Alternative wäre der Eintritt in die US Navy gewesen.
Michael Mayes’ Stuttgarter Debüt im Jahr 2019 war die Titelpartie in John Adams’ Nixon in China.
(Foto: Matthias Baus)
Seit meinem Debüt in Stuttgart haben einige der erfüllendsten künstlerischen Erfahrungen meiner Laufbahn hier stattgefunden, sowohl auf der Opernbühne als auch außerhalb. Diese Stadt hat mir den Raum gegeben, ganzheitlich als Künstler zu arbeiten und mich nicht auf eine einzige musikalische Identität festlegen zu müssen. Neben meiner Arbeit als Opernsänger konnte ich auch meine Verbindung zur Country- und Bluesmusik pflegen, gemeinsam mit engen Freunden hier in Stuttgart. Diese Beziehungen reichen weit über das Theater hinaus und prägen mein künstlerisches Selbstverständnis bis heute.

Als nächstes steht hier für mich die Rolle des Escamillo in Georges Bizets Carmen an. Diese Partie habe ich im Laufe meiner Karriere viele Male gesungen. Tatsächlich war sie meine erste Hauptrolle überhaupt, die ich bei einer kleinen Kompanie in St. Louis, dem Union Avenue Opera Theatre, auf einer provisorischen Bühne in einer Kirche sang. Diese Erfahrung war prägend und lehrte mich Anpassungsfähigkeit, Durchhaltevermögen und die Bedeutung des Erzählens unabhängig von äußeren Umständen.

Mit der Zeit jedoch wurde Escamillo zu einer Rolle, zu der ich nur schwer einen künstlerischen Zugang fand. Meine Arbeitsweise als Darsteller ist stark psychologisch geprägt und legt großen Wert auf innere Logik und emotionale Kontinuität. In vielen traditionellen Inszenierungen wird Escamillo jedoch eher als Symbol oder Karikatur dargestellt, weniger als vollständig entwickelte Figur. In solchen Kontexten fungiert die Rolle oft mehr als dramaturgisches Mittel für Carmen und José denn als Mensch mit innerem Leben, was meiner Art zu arbeiten nicht entspricht.

Erst in der Inszenierung von Calixto Bieito, mit ihrer klar europäischen Perspektive und ihrer Weigerung, Figuren zu vereinfachen, begann ich, die dramatische Entwicklung des Escamillo wirklich zu schätzen. Und nun folgt also die Stuttgarter Produktion von Sebastian Nübling: Nach Gesprächen mit Daniela Kiesewetter, der Regieassistentin, die die Stuttgarter Inszenierung einstudiert, wurde mir deutlich, wie sehr diese Produktion mit meiner eigenen Arbeitsweise übereinstimmt. Ich freue mich sehr darauf, Escamillo hier in Stuttgart erneut zu verkörpern, in einer szenischen Welt, in der mein methodischer Ansatz nicht nur akzeptiert, sondern ausdrücklich erwünscht ist.
Ein echtes Bühnentier: Michael Mayes in der Titelrolle von Ralph Benatzkys/Johann Strauss’ Casanova, mit dem er ab April wieder auf der Bühne des Opernhauses steht.
(Foto: Matthias Baus)
Die Aufnahme in das Ensemble der Staatsoper Stuttgart bedeutet für mich weit mehr als berufliche Sicherheit. Ensemblearbeit steht für Kontinuität, gemeinsame Verantwortung und die Möglichkeit, sich über längere Zeit innerhalb einer künstlerischen Gemeinschaft weiterzuentwickeln.

Wenn ich heute auf den renommierten Bühnen stehe, die mir meine Laufbahn eröffnet hat, bin ich mir stets bewusst, wie unwahrscheinlich dieser Weg einst erschien. Ich bin zutiefst dankbar für ein paar gebrochene Finger, die den Horizont meiner Welt erweitert haben und mich weit über eine kleine zwanzig Hektar große Farm in Osttexas hinausgeführt haben, bis hin zu einem künstlerischen Zuhause, das ich heute stolz Stuttgart nenne.
Der Heilige Franz predigt den Vögeln: Olivier Messiaens Saint François d'Assise wurde teilweise unter freiem Himmel aufgeführt – ein echtes szenisches Experiment, ganz nach Michael Mayes’ Geschmack!
(Foto: Martin Sigmund)
Michael Mayes, Bariton, stammt aus Cut and Shoot (Texas) und studierte an der University of North Texas. Nach seinem internationalen Debüt als Joseph De Rocher in Jake Heggies Dead Man Walking im Jahr 2018 am Teatro Real in Madrid gastierte er mit dieser Partie u.a. an der Washington National Opera, an der New Israeli Opera und an der The Atlanta Opera. Zu den Höhepunkten der jüngeren Zeit zählen seine Engagements in u.a. Everest (als Doug Hansen) an der Lyric Opera of Kansas City und der Dallas Opera, Moby Dick (als Starbuck) und Madama Butterfly (als Sharpless) an der Pittsburgh Opera, Sweeney Todd (Titelrolle) an der Atlanta Opera, Glory Denied (als Thompson) an der Des Moines Metro Opera, an der Nashville Opera, an der Memphis Opera, an der Atlanta Opera und an der Fort Worth Opera sowie Great Scott (als Wendell Swann) an der Dallas Opera und der San Diego Opera. In der vergangenen Saison debütierte Mayes beim Edinburgh International Festival in Blaubarts Burg (Blaubart), am Staatstheater Kassel in Die Hamletmaschine (Hamlet III) und an der Santa Fe Opera in der Uraufführung von The Righteous (David) von Gregory Spears und Tracy K. Smith. Des Weiteren kehrte er an die Houston Grand Opera als Travis Biggs in der Urauführung von Intelligence von Jake Heggie und Gene Scheer sowie an die Seattle Opera als Alberich in Das Rheingold. 2024/25 kehrte Mayes u.a. an die Houston Grand Opera als Councilman in der Neuproduktion von Missy Mazzolis Breaking the Waves, an die Atlanta Opera in der Titelrolle in Macbeth und an die Utah Opera in der Titelrolle von Sweeney Todd. Nach Thoas in Iphigénie en Tauride und den Titelpartien von Nixon in China und Saint François d’Assise war Michael Mayes auch als Alberich in Das Rheingold an der Staatsoper Stuttgart zu erleben. In der Saison 2025/26 übernimmt er erneut die Titelpartie in Casanova und ist zudem in Carmen als Escamillo sowie in Madama Butterfly als Sharpless zu erleben.

Termine mit Michael Mayes

Madama Butterfly Sharpless
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Jan 26
Jan 26
Sa
24
19:30 – 22:30
Carmen Escamillo
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Feb 26
Feb 26
Sa
14
19:00 – 22:30
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Feb 26
Feb 26
Do
19
19:00 – 22:30
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Feb 26
Feb 26
So
22
19:00 – 22:30
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Feb 26
Feb 26
Fr
27
19:00 – 22:30
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Mär 26
Mär 26
Sa
7
19:00 – 22:30
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Mär 26
Mär 26
Di
10
19:00 – 22:30
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Mär 26
Mär 26
Fr
13
19:00 – 22:30
Casanova Casanova
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Apr 26
Apr 26
Do
2
19:00 – 21:00
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Apr 26
Apr 26
Sa
11
19:00 – 21:00
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Apr 26
Apr 26
Fr
17
19:00 – 21:00
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Mai 26
Mai 26
Mi
13
19:30 – 21:30
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Mai 26
Mai 26
Mo
25
18:00 – 20:00
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Jun 26
Jun 26
Mi
3
19:30 – 21:30
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Jun 26
Jun 26
Di
9
19:00 – 21:00
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart

Jun 26
Jun 26
Fr
12
19:30 – 21:30