Nixon in China

von John Adams
Oper in drei Akten
Libretto von Alice Goodman
in englischer Sprache
Neben der Mondlandung der Apollo-11-Mission 1969 war der Besuch von Richard Nixon bei Mao Tse-tung im Februar 1972 seinerzeit eines der größten Medienspektakel. Den Bezug zwischen beiden Ereignissen stellte Nixon selbst her: „We came in peace for all mankind“ wurde nicht nur am Landeplatz der Mondlandefähre Eagle angebracht, Nixon sagte es auch vor dem Abflug nach China in die Mikrofone. John Adams zielte mit seiner Oper nicht auf eine oberflächliche oder karikierende Darstellung des Besuchs. Er wollte eine „heroische Oper“ über die Konstruktion von modernen Mythen schreiben – mit archetypischen Situationen und Figuren. Marco Štorman inszeniert Adams’ Minimal-Music-Oper als Dekonstruktions-Revue über die Macht der Bilder, die Politik der Inszenierung und die Inszenierung von Politik. „Eine der intelligentesten Inszenierungen, die derzeit auf Opernbühnen zu erleben ist.“ (Bernd Künzig, SWR2)

Ort
Opernhaus
Dauer
I. Akt: ca. 65 min
Pause: ca. 25 min
II. Akt: ca. 50 min
Pause: ca. 35 min
III. Akt: ca. 35 min
Uraufführung
1987 in Houston

Premiere dieser Produktion
2019

Wieder im Repertoire
13. Januar 2021


Altersempfehlung
ab Klasse 10
Handlung
Erster Akt
Der Flughafen außerhalb von Peking. Richard Nixon betritt als erster Präsident der USA den Boden der Volksrepublik China. Er wird von Premierminister Chou En-lai begrüßt. Schon während des Empfangs sinnt Nixon über die historische Bedeutung seiner Reise, die zur Primetime live in die USA übertragen wird. Die überraschende Nachricht, dass der Vorsitzende Mao Tse-tung ihn unmittelbar nach seiner Ankunft treffen will, reißt ihn aus seinen Gedanken.
        Das Studierzimmer von Mao Tse-tung in Peking. Gemeinsam mit seinem Nationalen Sicherheitsberater Henry Kissinger trifft Nixon auf Mao, der von seinen drei Sekretärinnen sowie Chou En-lai begleitet wird. Das Gespräch, das neben politischen Fragen immer wieder auch grundsätzliche philosophische Positionen streift, führt den Gästen die Verschiedenheit der beiden Systeme vor Augen, die sich unter anderem in gegensätzlichen Bewertungen der historischen Bedeutung der Kraft des Kollektivs bzw. des Pioniergeists des Einzelnen äußert.
        Die Große Halle des Volkes. Kurz vor dem Staatsbankett zu Ehren der amerikanischen Besucher kann Richard Nixon ein paar private Worte mit seiner Frau Pat wechseln. In einem ersten Toast verleiht Chou En-lai der Hoffnung Ausdruck, dass der Staatsbesuch den Beginn eines brüderlichen Miteinanders der USA und der VR China markieren werde. Nixons Hochstimmung wird von den „Gambei“-Rufen der Festgesellschaft, der Wirkung des Alkohols und der historischen Bedeutung des Augenblicks noch befeuert. Er revanchiert sich mit einem Toast auf die moderne Medientechnologie, die Leistungen des chinesischen Volkes und die Gunst der Stunde.
Zweiter Akt
Am Morgen des nächsten Tages bricht Pat Nixon zu einem Sightseeing-Programm in Peking auf. Die Eindrücke aus der fremden Stadt überlagern sich mit Erinnerungen an ihre Kindheit in einfachen Verhältnissen. Sie meint, bereits den Frühling spüren zu können, wird aber von ihren chinesischen Begleiter*innen immer wieder auf einen nahenden Schneesturm hingewiesen. Die First Lady beschwört eine Zukunft in Wohlstand, Fortschritt und Glück für alle.
        Am Abend besuchen die amerikanischen Gäste eine Aufführung der kulturrevolutionären Muster-Ballett-Oper Das Rote Frauenbataillon von Maos Frau Chiang Ch’ing. In dem Stück geht es um einen ausbeuterischen Gutsbesitzer, der unter anderem das arme Bauernmädchen Wu Ching-hua gefangen hält. Gemeinsam mit ihren Mitgefangenen gelingt es ihr, zu entkommen. Auf der Flucht wird sie jedoch von Lao Szu, dem Handlanger des Gutsbesitzers, gestellt und fast zu Tode gepeitscht. Kissinger greift in die Handlung ein und auch die Nixons werden nach und nach Teil der Aufführung. Darin geraten sie in einen Tropensturm. Als nach dem Unwetter die Sonne durch die Wolken bricht, folgt die Glorifizierung des revolutionären Kampfes, die in der Selbstapotheose von Madame Mao gipfelt.
Dritter Akt
Der letzte Abend des Staatsbesuchs. Die Euphorie der ersten Tage ist einer Ernüchterung gewichen. Statt in die Zukunft zu schauen, verliert man sich in Erinnerungen an die eigene Vergangenheit, kleine Gesten, große Schlachten. Was bleibt ist eine merkwürdig somnambule Stimmung und die Frage: Wieviel von dem, was wir getan haben, war gut?
Wahnsinn, diese Oper,
triumphal diese Deutung.
Peter Jungblut, Bayerischer Rundfunk

Mit der Inszenierung der ersten Oper des US-Komponisten John Adams, „Nixon in China“ aus dem Jahr 1987, bietet die Staatsoper Stuttgart eine der intelligentesten Inszenierungen, die derzeit auf Opernbühnen zu erleben ist.
Bernd Künzig, SWR

So lange hat das Stuttgarter Publikum an der Stuttgarter Oper lange nicht mehr geklatscht: Die erste Oper des US-amerikanischen Komponisten John Adams von 1987 macht auch heute noch große Wirkung – wenn sie so gut gemacht ist wie hier.
Susanne Benda, Stuttgarter Nachrichten