La sonnambula

von Vincenzo Bellini
Oper in zwei Akten
Libretto von Felice Romani
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Dort Sinn zu finden, wo andere nur Schönklang wähnen, ist das erklärte Ziel der hermeneutischen Tiefenbohrungen des Regieduos Jossi Wieler und Sergio Morabito. Und so legten sie auch bei ihrer zweiten Inszenierung einer Bellini-Oper 2012 durch genaue Textanalyse die tieferen Schichten der vermeintlich so oberflächlichen Figuren frei. Wielers und Morabitos Erfolgsinszenierung von Bellinis „Nachtwandlerin“ wurde 2012 von der Fachzeitschrift „Opernwelt“ als „Inszenierung des Jahres“ gekürt und kehrt nun nach einem Gastspiel an der Deutschen Oper Berlin zurück auf den Spielplan der Staatsoper Stuttgart und wird hier erneut zum Leben erweckt von einem Belcanto-Traum-Ensemble um Helene Schneiderman und Catriona Smith sowie Charles Sy und Claudia Muschio.
Ort
Opernhaus
Dauer
I. Akt: ca. 1 Std. 25 Min.
Pause (nach dem I. Akt): ca. 30 Min.
II. Akt: ca. 55 Min
Uraufführung
1831 in Mailand


Premiere dieser Produktion
2011
Altersempfehlung
ab Klasse 8
45 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Einführung im Foyer I. Rang statt.
Handlung
Erster Akt
Introduktion Lisa, die Gastwirtin, hört Rufe, die Amina zu ihrer bevorstehenden Hochzeit mit Elvino beglückwünschen. Amina ist ein Waisenmädchen und arbeitet in der Mühle ihrer Ziehmutter Teresa. Der junge Grundbesitzer Elvino ist der reichste Mann im Dorf.
Kavatine Bevor er sich in Amina verliebt hat, war Elvino mit Lisa liiert. Lisa darf ihren Schmerz und ihre Wut nicht zeigen.
Stretta der Introduktion: Alessio hat mit den Bewohnern des Dorfes ein Lied zu Ehren des Brautpaares einstudiert. Alessio, der selbst hartnäckig um Lisa wirbt, wird von ihr wieder einmal brüsk zurückgewiesen.
Rezitativ und Kavatine Amina erscheint. Sie bedankt sich bei den Dorfbewohnern für das Lied und bei ihrer Adoptivmutter Teresa für ihre Aufnahme und Erziehung.
Rezitativ Amina bedankt sich bei Alessio und wünscht ihm, bald mit Lisa glücklich zu werden. Von der früheren Liaison ihres Bräutigams mit Lisa weiß sie als Einzige nichts. Der Notar erscheint.
Rezitativ und Duett Elvino entschuldigt sich für seine Verspätung: Er habe am Grab der Mutter deren Segen für seine Hochzeit erbeten. Der Ehekontrakt wird aufgesetzt. Elvino bringt seine Güter mit in die Ehe, Amina besitzt nichts. Der Vertrag wird von Elvino und – für Amina – von Teresa unterzeichnet sowie von den Trauzeugen Alessio und Lisa. Elvino schenkt seiner Braut den Ring seiner Mutter und einen Veilchenstrauß.
Rezitativ und Kavatine Elvino lädt alle zur kirchlichen Trauung am nächsten Morgen ein. Da erscheint ein Unbekannter. Er fragt, wie weit es noch zum Schloss sei. Lisa rät ihm, aufgrund der vorgerückten Stunde in ihrem Gasthaus zu übernachten. Der Fremde scheint sich im Dorf auszukennen. Als er Amina sieht, fühlt er sich an ein Mädchen erinnert, das er als junger Mann geliebt hat. Sie weckt in ihm lange vergessene Gefühle.
Rezitativ und Chor Der Fremde erfährt, dass der alte Graf verstorben ist, ohne je wieder Nachricht von seinem verschollenen Sohn erhalten zu haben. Der Fremde behauptet zu wissen, dass dieser Sohn am Leben sei. Teresa fordert alle auf, sich zurückzuziehen: die Geisterstunde rücke heran. Ungläubig erfährt der Fremde von einer Toten, deren Geist das Dorf heimsucht.
Rezitativ und Duett Alle ziehen sich zurück. Der Fremde geht mit Lisa ins Gasthaus, nicht ohne Amina noch einmal tief in die Augen geblickt zu haben. Amina und Elvino bleiben heimlich zurück. Bebend vor Eifersucht macht Elvino Amina heftigste Vorwürfe über ihre Freundlichkeit dem Fremden gegenüber.
Szene und Finale In Lisas Gasthaus eröffnet diese dem Fremden, dass er erkannt worden ist: Er ist Rodolfo, der Sohn des Grafen. Ihre erotische Annäherung wird von einem Geräusch unterbrochen. Bevor Lisa das Zimmer verlässt, beobachtet sie, wie Amina durch das Fenster in das Zimmer steigt. Die schlafwandelnde Amina hält Rodolfo für Elvino und imaginiert die Hochzeitsnacht ihrer Träume. Als Rodolfo Stimmen hört, versteckt er sich. Die Dorfbewohner haben sich versammelt, um den Erben des alten Grafen im Schlaf zu überraschen. Doch statt Rodolfo liegt eine Frau in seinem Bett. Lisa führt Elvino herein und deckt die schlafende Amina auf. Amina erwacht und weiß nicht, wie sie hergekommen ist. In aller Augen ist Aminas Untreue offenbar. Teresa bedeckt Aminas Blöße mit einem Kleidungsstück, das Lisa bei ihrer Annäherung an Rodolfo verloren hat.

Zweiter Akt
Introduktions-Chor Die Dorfleute wollen den kompromittierten Grafen Rodolfo unter Druck setzen, um Amina zu rehabilitieren.
Szene und Arie Teresa will mit Amina ebenfalls Rodolfo aufsuchen. Da erscheint Elvino. Aminas Unschuldsbeteuerungen weist er abermals zurück. Die Dorfbewohner kommen mit der Nachricht, der Graf habe Amina für unschuldig erklärt. Doch der wütende Elvino entreißt Amina den Ring seiner Mutter.
Szene und Arie Wieder belästigt Alessio Lisa mit seinem Heiratswunsch. Da erfahren sie, dass Elvino Lisa zu seiner neuen Braut gewählt hat. Lisa ist bereit.
Quartett Auf dem Weg zur Kirche werden Elvino und Lisa von Rodolfo aufgehalten. Er erklärt, dass Amina eine Schlafwandlerin ist. Niemand glaubt ihm und er wird ausgelacht. Da kommt Teresa und bittet um Ruhe, denn die schwer erkrankte Amina sei endlich eingeschlafen. Als Teresa erfährt, dass Lisa und Elvino zur Trauung unterwegs sind, beweist sie mit dem im Zimmer des Grafen gefundenen Kleidungsstück, dass auch Lisa dort gewesen sein muss. Elvino quälen Zweifel an der Treue der Frauen – und an seinem eigenen Verhalten.
Szene und Finalarie Amina offenbart im Fieberdelirium eine andere Wahrheit. Man beschließt erneut ihre Hochzeit mit Elvino. Als sie wieder zu sich kommt, erwacht sie – verheiratet.

Audio-Einführung

Trailer

Bildergalerie

Interview mit Jossi Wieler und Sergio Morabito

„Grandios mit welcher Präzision und Wärme hier Menschen porträtiert werden. Und mit welch zwingender Folgerichtigkeit aus der Musik heraus dabei zunächst eine außergewöhnliche Geschichte anrührend erzählt wird.“

„Hinter der Fassade“ von Joachim Lange
Die Deutsche Bühne (online)
25.01.2012
„So wird, was bei der Lektüre des Librettos wie eine Klischeetragödie aus dem Alpenland wirkt, ein großes Psychodrama voller Wahrhaftigkeit und sozialer Sprengkraft, ein Meisterwerk. In dieser Regie entstand ein Operndrama von düsterer Dramatik, in der Charaktere und deren soziales Umfeld eine ganz neue Dimension erhielten.“

„Psychodrama im Dorfmilieu: Bellinis La Sonnambula an der Oper Stuttgart“ von Rainer Zerbst
Der Kulturblog von Rainer Zerbst
31.01.2018
„[Ein Triumph] nicht nur fürs Regieduo, sondern fürs ganze Ensemble, das ein ans Herz gehendes Wunder im Zusammenspiel von Bühne und Orchester, von Gesang und Spiel produziert.“

„Das Wunder von Stuttgart“ von Reinhard Brembeck
Süddeutsche Zeitung
24.01.2012
„Diese Aufführung ist so überzeugend, dass sie Maßstäbe setzt für einen heutigen Umgang mit den Belcanto-Stücken.“

„Opernglück pur beim Bellini-Wunder“ von Tobias Gerosa
Musik & Theater
01.04.2012
„So fügte sich zum Ganzen, was nur selten sich rundet: Musiktheater als ein szenisch und musikalisch erfüllter Augenblick."

„Düstere Hochzeit nach Schweizer Art“ von Götz Thieme
Stuttgarter Zeitung
24.01.2012
„Liebevoll, aus tiefstem Wissen um menschliche Abgründe und Unzulänglichkeiten heraus gestaltet, dabei so detailwütig, dass man dem hintersten Sänger des wunderbaren Chores einen Solo-Vertrag auf die Bühne reichen möchte."

Helene Schneiderman ist als Teresa eine Erni-Singerl-Wiedergängerin und füllt dabei die Bühne, als habe sie drei Arien zur Verfügung – dabei sind es nur drei Solo-Stellen.“

„Bellinis 'Nachtwandlerin'. Tränendünger fürs Opernbiotop“ von Markus Thiel
merkur-online
24.01.2012
„Unter den vielen wundersamen Räumen und Kostümen, die Anna Viebrock den Regisseuren Jossi Wieler und Sergio Morabito gefertigt hat, gehören Bühnenbild und Ausstattung für Vincenzo Bellinis La Sonnambula wohl zu den beziehungsreichsten. Jedes Detail […] ist stimmig aufeinander bezogen: Ein so einfaches wie hochkomplexes Zeichensystem entsteht.“

Wielers und Morabitos La Sonnambula, die 2012 Premiere hatte, ist das Musterbeispiel für die intellektuelle Wiedergewinnung einer eigentlich unspielbaren Belcanto-Oper und eröffnet als Wiederaufnahme in Wielers Abschiedsjahr noch einmal die Perspektive auf die Anfänge einer Intendanz, die wusste, worauf sie hinauswollte: nämlich auf Erkenntnis, nicht Verblendung.“

„Heimliche Zentren der Aufführung sind Helene Schneiderman als Kümmerin Teresa und Catriona Smith als Wirtin Lisa: karikativ die eine, kauzig-komisch die andere und jeweils auch schauspielerisch eine Klasse für sich. Darüber hinaus entpuppt sich der fabelhafte Chor als wahrer Hauptprotagonist.“

„Der fabelhafte Chor ist der Star“ von Mirko Weber
Stuttgarter Zeitung
30.01.2018
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